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Die Zahl der getöteten Radfahrer*innen ist im letzten Jahr erneut gestiegen – ebenso wie ihr Anteil an allen Verkehrstoten. Besonders die Zahl der Unfälle von Pedelecs, auch E-Bikes genannt, nimmt zu. Den Trend gibt es seit zehn Jahren: 217 getötete Pedelec-Fahrer*innen in 2025 – sechsmal so viele wie 2015! Besonders ältere Menschen sind betroffen: 61,5 Prozent der getöteten Radler*innen waren älter als 65. 

Autos als größte Gefahr

Die Ursache scheint klar: Alte Leute können nicht mit schnellen Fahrrädern umgehen und verunglücken deswegen. Doch so einfach ist es nicht. Bei zwei Dritteln der knapp 100.000 Fahrradunfälle in 2025 war ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt. In 70 Prozent davon saß die weitere Person in einem Auto. Nur in jedem vierten Fall trug die Hauptschuld die Person auf dem Fahrrad. Die größte Gefahr für Radfahrer*innen bleibt der motorisierte Straßenverkehr.

Keine Helmpflicht in Deutschland

Bei Fahrradunfällen sind Kopfverletzungen am gefährlichsten. Vermutlich deshalb gibt es immer wieder Stimmen, die eine Helmpflicht fordern, wenn Unfallzahlen vorgestellt werden. Bislang ohne Erfolg: In Deutschland gibt es für Radfahrer*innen keine Helmpflicht. Einzig wer mit den besonders schnellen Pedelecs bis zu 45 km/h unterwegs ist, muss einen Helm tragen. Denn diese gelten als Kleinkrafträder und müssen auch entsprechend versichert werden. 

Eine Studie aus Australien zeigt, dass eine Helmpflicht die Zahl der tödlichen Unfälle dort deutlich gesenkt hat. Ärzt*innen hier fordern daher schon lange eine Helmpflicht, doch viele Akteur*innen sind dagegen – zum Beispiel der ADFC

Der Grund: Die Angst ist groß, dass viele Leute lieber das Rad stehen lassen, als sich einen Helm aufzusetzen. Auch wenn sich das Image und die Akzeptanz von Fahrradhelmen verbessert hat, ist diese Befürchtung nicht von der Hand zu weisen. Und sowohl für die Gesundheit, die Umwelt und das Klima ist Fahrradfahren natürlich ein Gewinn.

Sinnvoll wäre dagegen sicherlich eine Helmpflicht für kleine Kinder. In anderen Ländern gibt es die schon: In Österreich, Tschechien, Kroatien und Schweden müssen Kinder und Jugendliche einen Fahrradhelm tragen. Erfreulicherweise tragen auch bei uns ohne Pflicht über 80 Prozent der Kinder einen Helm, aber mehr wäre da sicherlich besser.

Fakt ist: Helme schützen!

Auch wenn es geteilte Ansichten über eine Helmpflicht für Erwachsene gibt: Darüber, dass Helme schützen, sind sich alle einig. Sie können gefährliche Verletzungen verhindern und im Zweifel sogar Leben retten. Und sie haben sich in den letzten Jahrzehnten enorm weiterentwickelt.

Waren Helme früher oft unansehnlich und unbequem, ist sowohl das Aussehen als auch der Tragekomfort immer besser geworden. Sie können sogar richtig cool aussehen. Mit aufgeklebten Reflektorstreifen oder angebrachten LED-Leuchten tragen sie sogar dazu bei, dass man besser gesehen wird, was Unfälle vermeiden kann.

Kleiner Service-Tipp: Auch Helme altern. TÜV und ADAC empfehlen daher, Helme nach fünf Jahren zu ersetzen, um sicherzugehen, dass sie noch ausreichend schützen.

Wirklich wirksamer Schutz: Eine Verkehrspolitik, die alle mitbedenkt

Der beste Schutz für Radfahrer*innen ist es natürlich, wenn es gar nicht erst zu Unfällen kommt. Das ist jedoch nicht so leicht zu erreichen wie das Aufsetzen eines Helms. 

Dazu brauchen wir wir eine sichere Infrastruktur mit geschützten Radwegen, sichtbaren Haltepunkten für Radfahrer*innen an Kreuzungen, Fahrradstraßen und mehr Tempo 30 Strecken in Städten. Außerdem brauchen wir eine Fahrausbildung, die den Holländer-Griff als Pflichtteil einschließt, um Dooring-Unfälle zu vermeiden, und die einen besonderen Fokus auf den toten Winkel legt. Besonders wenn LKW an Unfällen beteiligt sind, enden sie oft tödlich. Seit Juli 2024 sind Abbiegeassistenten für neu zugelassene LKW in der EU Pflicht. Die Bundesregierung hat außerdem ein Förderprogramm aufgelegt, um auch ältere Fahrzeuge damit auszustatten. Das ist sinnvoll und relativ schnell umzusetzen.

Einige dieser Maßnahmen sind jedoch nicht kurzfristig zu haben, sorgen aber für echte Sicherheit für Radfahrer*innen im Straßenverkehr. Umso wichtiger ist es, dass die Regierung hier die notwendigen Investitionen tätigt. Es ist ein Anfang, dass die Radinfrastruktur im Klimaschutzprogramm für 2026 berücksichtigt wird. Bis wir flächendeckend in Deutschland gute Radinfrastruktur haben, wird es vermutlich noch dauern. Das darf uns aber nicht vom Radeln abhalten – am besten natürlich mit Helm.


Auch wenn die Radwege noch nicht überall perfekt sind: Das wärmer werdende Wetter lädt dazu ein, mit dem Rad zu fahren. Wer sich beim Radeln auch noch für die Rechte von Radfahrer*innen einsetzen möchte, kann das bei der Critical Mass tun oder an einer der vielen Radtouren und Sternfahrten teilnehmen, die meist rund um den 3. Juni, den Tag des Fahrrads der Vereinten Nationen, stattfinden. 

Vielfahrer*innen und Gelegenheitsradler*innen gleichermaßen können außerdem beim Stadtradeln mitmachen. Jede teilnehmende Kommune wählt einen Zeitraum von 21 Tagen zwischen Mai und September aus, an denen digital Kilometer gesammelt werden. Die fleißigsten Kommunen und Städte können Fahrradzubehör als Preise für ihre Radler*innen gewinnen – auch neue Helme! Ob Deine Kommune mit dabei ist, kannst du auf der Website von Stadtradeln nachsehen. Egal, ob mit dem Verein, der Arbeit, Nachbarschaft, Familie oder Freunde – gemeinsam Kilometer sammeln macht Spaß und ist gut für Gesundheit, Klima und Umwelt.

Autor*innen

Matthias Flieder ist studierter Geisteswissenschaftler und seit 2017 Campaigner bei Campact. Nachdem er zuvor für Greenpeace hauptsächlich für Klima- und Umweltschutz aktiv war, versucht er jetzt in allen Politikfeldern progressive Politik voranzubringen. Für den Campact-Blog schreibt er eine Kolumne über die Freuden und Leiden des Fahrradfahrens und die deutsche Verkehrspolitik. Alle Beiträge

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