Eine frühsommerliche Hitzewelle bringt Europa vielerorts kräftig ins Schwitzen. Temperaturen bis zu 34 Grad in Deutschland, tropische Nächte in Spanien, Hitzetote in Frankreich und eine Wärmeglocke über Großbritannien. Und wir haben erst Ende Mai. Wie soll dann der Sommer aussehen – heute, oder auch in 20, 50, 100 Jahren? Darüber geben uns verschiedene Klimaprognosen Auskunft.
2026, das Jahr der Wetterextreme
Das Jahr 2026 ist erst fünf Monate alt und hat es schon in sich. „Außergewöhnlich sonnig, sehr mild und niederschlagsarm“, schrieb der Deutsche Wetterdienst (DWD) im März. Kurzum: Ganz schön trocken. Mitteleuropa steuert schon jetzt auf Wasserknappheit zu.
Super-El Niño könnte 2026 noch heißer machen
Darüber hinaus warnen Klimaforschende vor einem Super-El Niño im Ostpazifik. Die Folgen dieses Wetterphänomens sind starke, aufgeladene Winde und unberechenbare Wetterereignisse. Sie wären auf der gesamten Welt spürbar. Klimaforscher Karsten Haustein von der Universität Leipzig sagt: „Die haben definitiv Folgen für Südamerika, die haben Folgen für Australien, die haben Folgen für Amerika, die haben Folgen für Asien.“ Die Ursachen für einen Super-El Niño sind vielfältig; die wichtigste ist allerdings, dass sich der Pazifik seit längerer Zeit immer mehr erwärmt.
Durch die Veränderung der Luftströme und Wassermassen kann es weltweit zu mehr Wetterextremen kommen. Das heißt: In manchen Regionen nehmen Dürren zu. In anderen regnet es deutlich mehr als früher. Das kann beispielsweise zu plötzlichen Überflutungen und Überschwemmungen führen, wie 2021 im Ahrtal oder 2024 in Süddeutschland, Polen, Tschechien und Österreich.
Trotzdem bereiten sich die Bundesländer laut Untersuchungen immer noch nicht ausreichend auf Überflutungen vor.
Klimaszenarien korrigiert – das ist trotzdem keine Entwarnung
Was sind die RCP-Szenarien?
Für den fünften Sachstandsbericht des Internationalen Klimarates IPCC, der 2013 erschienen ist, wurden sogenannte „Repräsentative Konzentrationspfade“ (Representative Concentration Pathways – RCPs) entwickelt. Sie ersetzen die bis dahin gängigen Klimaszenarien. Auf Grundlage des damals aktuellen Standes der Infrastruktur, Energiegewinnung und Bevölkerungsentwicklung entwarfen die Forschenden vier Szenarien mit unterschiedlichen Schweregraden. Die schlimmste Berechnung RCP 8.5 sah beispielsweise einen Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 von 4,8°C im Vergleich mit dem vorindustriellen Zustand vor.
Vor wenigen Wochen haben Klima-Expert*innen das sogenannte RCP 8.5 -Szenario, das die maximale Eskalation der Klimakrise annimmt, zurückgezogen. Fällt die Klimakrise nun aus? War alles nur ein großer Schwindel, wie es vor allem Parallelmedien wie NIUS und Co. oder auch Welt und Bild titeln?
Mitnichten. Die Zurückziehung ist eher eine Korrektur, die in der Forschung ab und zu eben vorkommen. Die Forschenden haben ihre Berechnungsgrundlagen geändert. Deshalb erscheint das katastrophale Szenario 8.5 heute als „eher unwahrscheinlich“ (aber nicht vollkommen unmöglich). Das Szenario rechnete damit, dass Staaten vor allem Kohle zur Energiegewinnung nutzen. Mit dem rasanten Zuwachs von regenerativen Energien innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich diese Annahme – zum Glück – verändert.
Das ist aber nur bedingt ein Grund zur Freude. Denn abseits dieser Betrachtungen wird es trotzdem wärmer auf der Erde – und zwar immer schneller. Das „weiche“ 1,5-Grad-Ziel und das „harte“ 2-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens sind kaum noch zu halten.
Wir steuern weiterhin auf eine Welt zu, in der es mehr als drei Grad heißer werden könnte als noch vor 200 Jahren. Und es ist schon jetzt heißer als in der gesamten Menschheitsgeschichte. Was das für die Welt, die Menschheit und ihre Lebensgrundlage bedeuten könnte, erklären Klimaforschende seit Jahren. Die Politik hört nur nicht zu.

Bundesregierung: Jetzt auf Kollaps vorbereiten!
Die Atlantische Umwälzströmung (AMOC) steht vor dem Kollaps. Das System tauscht Wassermassen im Atlantik laufen aus. Auch der Golfstrom gehört zu diesem System. Ein Zusammenbruch dieser Meeresströmungen würde Wetter und Klima in Europa plötzlich und für immer verändern. Island ist nun das erste Land, das den möglichen Zusammenbruch der Atlantischen Umwälzströmung offiziell als Sicherheitsrisiko anerkennt. Die isländische Regierung sieht darin eine existenzielle Gefahr. Der Physiker Indra Gosh hat deshalb eine Petition auf WeAct gestartet, der Petitionsplattform von Campact. Darin fordert er von der deutschen Bundesregierung, der isländischen Regierung in ihrer Warnung zu folgen – und die Bevölkerung auf die mögliche Katastrophe vorzubereiten.
Wie der Sommer der Zukunft aussieht
Bei all den Klimaprognosen, Berechnungen und Szenarien: Was ist dran, was ist realistisch, wo gibt es Ungenauigkeiten – und auf was können wir uns auf jeden Fall einstellen? In einigen Punkten sind sich die Forschenden schon ziemlich einig.
- Es wird heißer. Ob es nun 2,5 Grad mehr im Durchschnitt sind, 3 oder 4,8 Grad Celsius – das kann auch die Forschung nur hochrechnen. Feste Vorhersagen sind hier nicht möglich. Folgen haben jedoch alle Erwärmungsszenarien.
- Unser Alltag wird sich verändern. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass wir mittags eine lange Pause einlegen. Oder wir verlagern den kompletten Alltag in die Nacht, weil es tagsüber viel zu heiß ist. Beide Szenarien sind möglich. Wo und mit welcher Ausprägung sie jeweils stattfinden, wird sich je nach Region unterscheiden.
- Wir werden unsere Lebensgrundlage anpassen müssen. Landwirtschaft könnte in ganzen Regionen unmöglich werden. Dafür kommen vielleicht andere, bisher unpassende Landesteile in Frage. Oder Ernährung und Bedarfe ändern sich grundlegend, weil bestimmte Konsumgüter nicht mehr hergestellt werden.
- Unsere Umwelt wird sich verändern. Die Klimakrise macht manche Lebensräume für ihre bisherigen Bewohner unbewohnbar. Manche Tiere sterben aus oder wandern ab, andere wandern zu. Die Asiatische Tigermücke, die als Überträger von Krankheiten gilt, könnte unsere heimischen Mücken ersetzen. Andere bisher als invasiv eingestufte Arten könnten einheimischen Arten verdrängen, weil diese ihre Lebensgrundlagen verlieren. Statt durch uns bekannte Eichen- und Buchenwäldern werden wir vielleicht durch Wälder aus hitzeresistenten Hartlaubgewächsen spazieren gehen.
Veränderung ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Die Natur und ihre ökologischen Systeme haben sich immer verändert. Die Existenz des Menschen ist in der Erdgeschichte ein Wimpernschlag. Dieser Gedanke sollte uns aber nicht zu pessimistisch werden lassen. Denn wenn uns etwas daran liegt, dass unsere nächsten Generationen eine Grundlage für ein gesundes und gutes Leben haben sollen, müssen wir den Klimaschutz in die Hand nehmen – besser jetzt, als später.
Was Du jetzt tun kannst
In Politik und Gesellschaft wird aktuell immer weniger übers Klima gesprochen. Darum unsere Bitte: Sprich DU darüber! Teile diesen Artikel. Erkläre Freund*innen und Familie, was auf uns zukommt, wenn wir nicht jetzt handeln. Und engagiere Dich – zum Beispiel am Wochenende bei der großen Klimademo in Hamm.
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