
Deutschland erreichte am vergangenen Wochenende neue Rekorde. Allerdings nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, sondern bei den Temperaturen. Flächendeckend über 40 Grad Celsius, Hitzewarnungen, Waldbrandgefahr. Die Temperaturkarte war über Tage hinweg tiefrot. So stellt sie auch Karikaturist Erl in seiner neuen Karikatur dar. Deutschland „sitzt“ auf der Liege beim Arzt und wird untersucht. Die Fiebermessung führt zu einer eindeutigen Diagnose: Deutschland ist mitten im Klimawandel angekommen.
„Es war doch schon immer heiß im Sommer“
Wer jetzt mit den Augen rollt oder sagt „Quatsch Klimawandel, früher war es auch heiß“, der hat nur in einem Teil recht. Ja, auch früher war es im Sommer mal heiß, doch sowohl die Temperaturspitzen als auch die anhaltenden Hitzewellen sind neu. Eine kurze Übersicht über die neuen Rekorde vom Wochenende:
- Temperatur-Rekordwerte in ganz Europa: 41,1 Grad Celsius in Tschechien, 40,5 Grad in Polen, 39,5 Grad in Bratislava (Slowakei), 39,9 Grad in Wien (Österreich) und 39 Grad in der Schweiz.
- Neue Messhöchstwerte in Norddeutschland: 39,2 Grad in Schleswig-Holstein (Grambek, Kreis Herzogtum Lauenburg), 40,2 Grad in Niedersachsen (Lüchow, Wendland) und 40,9 Grad in Mecklenburg-Vorpommern (Suckow, Landkreis Ludwigslust-Parchim). Mit 39,4 Grad in Hamburg (Station Neuwiedenthal) verzeichnete der DWD dort den heißesten bisher gemessenen Junitag.
- Nächtlicher Temperaturrekord: In der Nacht von Samstag auf Sonntag fiel die Temperatur in Bautzen (Sachsen) nicht unter 29,4 Grad – ein neuer Höchstwert. Der bisherige Rekord wurde 2003 in Weibie (Rheinland-Pfalz) aufgestellt.
- Der generelle Hitzerekord wurde zweimal gebrochen: Bisheriger Höchstwert war 41,3 Grad. Am Samstag erreichte Drewitz (Sachsen-Anhalt) dann 41,5 Grad und am Sonntag Coschen (Brandenburg) sogar 41,7 Grad.
- Bisher nie dagewesene Hitzeschäden an Autobahnen, Bahnschienen und öffentlicher Infrastruktur.
- Mehrere Waldbrände in Bayern, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und im Harz.
- Über 1.300 zusätzliche Todesfälle, die wahrscheinlich mit auf die Hitze zurückzuführen sind.
Diese Werte sind Ausdruck einer sich veränderten Welt, mit neuen, bisher unerreichten „Rekorden“. Noch vor 50 Jahren wäre eine Hitzewelle wie die jetzige unmöglich gewesen, sagen Klima-Expert*innen. Bei einer identischen Wetterkonstellation wäre die Höchsttemperatur im Jahr 1976 wohl mindestens um fünf Grad Celsius niedriger ausgefallen.
Was hilft gegen Hitze? Konsequenter Klimaschutz
Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf kommentierte diese Rekordsammlung gestern im Tagesspiegel mit den Worten: „Es treten auch unsere ganz frühen Prognosen seit Jahrzehnten ziemlich genau ein.“
Seit Jahrzehnten warnen Klimaforschende vor den Konsequenzen von CO2-Ausstoß und einem Festhalten am klimapolitischen Status quo. Eine andere Klimaforscherin sagte zu den Entwicklungen vom Wochenende nüchtern: „Ja, das ist der Klimawandel. Ja, wir sind es.“ Die Klima- und Energiepolitik der vergangenen Jahrzehnte hat explizit zu den aktuellen Extremen beigetragen. Dazu gehören mehr und längere Hitze im Sommer, Wassermangel, Flutkatastrophen, Extremwetter-Ereignisse und steigende Gesundheitsbelastungen.
Die Regierung hätte diverse Möglichkeiten, hier aktiv zu werden. Kurzfristig könnte sie beispielsweise mehr Maßnahmen gegen Hitze ergreifen oder dafür sorgen, dass Hitze besser erträglich wird. Welche Maßnahmen das sein könnten, liest Du hier. Mittel- und langfristig sollte sie vor allem ihre politische Agenda in der Klima-, Umwelt- und Energiepolitik ändern.
Fridays for Future hat dazu einen ganz pragmatischen Vorschlag: Die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) entlassen. Mit ihrer Petition auf Campacts Petitionsplattform WeAct wenden sie sich an den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die SPD-Parteispitze und die sozialdemokratische Bundestagsfraktion. Ihre Begründung: Während die Temperaturen immer neue Extreme erreichen und europaweit Stromnetze zusammenbrechen, Menschen sterben und Wasser rationiert wird, befeuert Katherina Reiche mit ihrer Politik die Klimakrise immer weiter.
Über 30.000 Menschen unterstützen bereits die noch keine 24 Stunden alte Petition. Schließe Dich ihnen an: