Hitzewarnung! Nach der letzten großen Hitzewelle Ende Juni gibt der Deutsche Wetterdienst erneut Hitzewarnungen heraus. Fast ganz Deutschland steht auf Warnstufe Lila – das ist der höchste Warnstufen-Bereich. Weitere Hitzewellen stehen bevor. Dazu immer wieder neue Hitzerekorde. Und wir als Menschen sind dem schutzlos ausgeliefert … oder?
Extremwetterlagen, das heißt Hitze, Stürme oder Unwetter, sind Symptome der Klimakrise. Verkürzt könnte man sagen: Wenn wir uns ums Klima kümmern, tun wir auch was gegen die Hitze. Jetzt ist das aber nicht ganz so einfach mit dem Klima.
Was also können wir – als Gesellschaft, einzelne Personen, oder Staat – gegen die Hitze tun? Wie können wir besser mit ihr umgehen? Ein Blick nach Spanien und zu weiteren europäischen Nachbarn verspricht einige gute Ideen, mit denen sich auch Deutschland über kurz oder lang befassen sollte.
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1. Kostenloses Trinkwasser für alle – verpflichtend!
In Spanien gibt es seit 2022 ein Gesetz, das alle Hotel- und Restaurantbetriebe dazu verpflichtet, Leitungswasser kostenlos anzubieten. Die spanische Regierung hat das Gesetz ursprünglich eingeführt, um Plastikmüll zu verhindern. Denn Wasser wird dort – so wie hier auch – oft in Plastikflaschen verkauft. Es gibt dort allerdings kein Pfandsystem für Einwegflaschen, weshalb diese oft in der Umwelt landen.
Mit dem Trinkwasser-Gesetz will die Regierung einerseits gewährleisten, dass der Verbrauch von Plastikflaschen zurückgeht. Andererseits setzt Spanien so eine EU-Richtlinie zur Abfallwirtschaft und der Verringerung von Plastik um, die seit April 2022 in Kraft ist. Deutschland erfüllt diese unter anderem durch das Pfand auf Plastikflaschen.
Ein positiver, fast wichtigerer Nebeneffekt des Gesetzes: Die komplette Bevölkerung hat in den heißen, spanischen Sommern überall Zugang zu kostenlosem Trinkwasser! Auch in Frankreich oder Italien ist es bereits üblich, Gästen in der Gastronomie Leitungswasser kostenlos anzubieten. In Deutschland sind gastronomische Betriebe nicht dazu verpflichtet.
Dafür gibt es immer mehr sogenannte „Refill“-Stationen in Deutschland, aktuell sind es 8.000 Stück. Geschäfte und Betriebe markieren ihr Geschäft mit einem Wassertropfen-Aufkleber, damit erkennbar ist: Hier bekommst Du kostenloses Leitungswasser für Deine Trinkflasche. Refill Deutschland geht auf eine soziale Bewegung zurück, kommt also aus der Zivilgesellschaft. Bei immer mehr Hitzewellen in Deutschland wäre aber auch ein Vorstoß aus der Regierung durchaus angemessen, nach spanischem Vorbild frei zugängliches, kostenloses Trinkwasser verpflichtend zu machen.
5 hotte Kurztipps für Hitzewellen
Was kann ich kurzfristig tun, um mich vor Hitze zu schützen?
Zwischendurch abkühlen: Handgelenke kalt abspülen oder ein kühles Fußbad nehmen. Eine Wärmflasche mit kaltem Wasser befüllen und im Bett nutzen.
Sonne aussperren: Früh morgens einmal durchlüften, danach Fenster bis zum Abend zu. So bleibt die Wohnung kühler als die Umgebung.
Viel trinken: Am besten 2-3 Liter, nicht eiskalt, sondern lauwarm und über den Tag verteilt. Kein Alkohol.
Leichte Kost: Lieber mehrere kleine Portionen von leicht verdaulichen Lebensmitteln wie Melone, Gurke oder Salat essen. Schwere Fleischgerichte erhöhen die Körperwärme bei der Verdauung.
Lockere und schützende Kleidung: Weite, helle Kleidung aus Naturfasern wie Leinen oder Baumwolle tragen. Kopfbedeckung, Sonnenbrille und hohen Lichtschutzfaktor nutzen.
2. Arbeitsschutz: Einfach mal Siesta machen
Wer in Spanien oder Italien als Tourist*in unterwegs ist, kennt das: Gerade im Sommer sind viele Geschäfte um die Mittagszeit geschlossen. Die Bevölkerung macht kollektiv Pause und schützt sich vor der Mittagshitze. Zu Recht: Anhaltende Hitze am Arbeitsplatz führt zu Stress und Streitereien und letztendlich auch zu gesundheitlichen Gefahren, von Erschöpfung bis zum Hitzschlag; das Risiko für Arbeitsunfälle steigt.
Die Belastung unterscheidet sich dabei je nach Arbeitsplatz; natürlich lässt es sich in einem klimatisierten Büro besser aushalten als beim Straßenbau in praller Sonne. Es gibt in Deutschland keine Vorschrift, die ab bestimmten Temperaturen hitzefrei am Arbeitsplatz gewährleistet. Regeln für hohe Temperaturen am Arbeitsplatz lassen sich jedoch ableiten aus dem Arbeitsschutzrecht und der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. In Deutschland gibt es zum Beispiel Temperatur-Höchstwerte für Arbeitsplätze, ab denen die Arbeitgeber „regulierende Maßnahmen“ ergreifen müssen.
Angesichts der immer länger andauernden Hitzewellen macht sich der Europäische Gewerkschaftsbund schon seit 2022 für ein Gesetz stark, das europaweit eine Höchsttemperatur am Arbeitsplatz festlegt. Bisher haben nur sechs europäische Länder ein Gesetz zu den maximalen Temperaturen am Arbeitsplatz: Belgien, Spanien, Ungarn, Lettland, Montenegro und Slowenien.
Dazu kommt die gesellschaftliche Anpassung in vielen Ländern: In Spanien, Italien oder Griechenland haben Geschäfte während der Mittagshitze einfach geschlossen. Stattdessen verlagert sich das Leben in den Abend hinein, wenn es wieder kühler wird. In Lyon hatte die Stadtverwaltung 2024 kostenlose Kinotickets verteilt, damit sich die Bürger*innen in klimatisierten Räumen abkühlen konnten. Daran sollten wir uns als Gesellschaft ein Beispiel nehmen – und eine Siesta einlegen.
Hitzeschutz statt Klimafonds anzapfen!
Was die Regierungen dieser Länder bereits verstanden haben: Hitze ist ein großes Gesundheitsrisiko. Währenddessen strukturiert die deutsche Regierung den Klimafonds so um, dass die Gelder daraus zweckentfremdet werden können.
Eine Petition von GermanZero e.V. fordert deshalb: Jetzt konsequenten Klimaschutz liefern und Menschen sofort besser schützen!
3. Ernährungssicherheit: Landwirtschaft anpassen
Um auch in Zukunft gegen die Auswirkungen der Klimakrise – dazu gehören auch Hitzewellen – gewappnet zu sein, brauchen wir eine stabile und resistente Landwirtschaft. Denn die Folgen treffen die Landwirtschaft jetzt schon mit voller Wucht: vertrocknende Ernten, unterdurchschnittliche Erträge und staubige Felder, die Steppen gleichen. Eine gestresste Landwirtschaft wirkt sich direkt auf die Ernährungssicherheit unserer Bevölkerung aus. Klimaschutz ist deshalb auch ein Schutz unserer Ernten.
Unser Nachbar Dänemark ist hier einen Schritt weiter als wir. Als erstes Land weltweit hat es sich darauf verständigt, eine CO2-Besteuerung im Agrarsektor einzuführen und 15 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Wälder, wilde Weiden und Agroforstsysteme umzuwandeln. Das ist nicht nur aktiver Klimaschutz, sondern sorgt auch dafür, dass die Flächen selbst widerstandsfähiger vor Extremwettern werden. Wie Dänemark das im Detail geschafft hat und wie die Bevölkerung davon profitiert, erklärt Christoph Bautz in diesem Beitrag.
4. Stadtplanung: Städte abkühlen durch Begrünung
Dass versiegelte Oberflächen in Städten und Ballungszentren Wärme speichern und zu extrem hohen Temperaturen führen können, ist längst bekannt. Mit Beton und Asphalt versiegelte Böden absorbieren Sonneneinstrahlung und leiten die Wärme auch in tiefere Schichten weiter, wo sie länger gespeichert bleibt. Bauten aus Beton und Abgase verstärken diesen Effekt noch. Hitzewellen werden zunehmend zu einer Belastung für die Stadtbevölkerungen, auch in Mittel- und Nordeuropa.
Immer mehr Städte greifen deshalb zu städtebaulichen Maßnahmen, um die Hitze erträglich zu machen: Mehr Stadtbäume, begrünte Dächer und Fassaden und bauliche Korridore, die den Luftaustausch fördern, werden immer wichtiger. Ein einziger, gesunder Stadtbaum spendet mehr Schatten als eine Handvoll Sonnenschirme und kann durch Verdunstung die direkte Umgebung um bis zu acht Grad Celsius abkühlen. Städtegrün statt Straßen- und Parkplatz-Bau!
In Paris gibt es schon seit 2014 ein Begrünungsprogramm. Straßen werden verkleinert, Bürgersteige vergrößert. Diesel- und Benzinautos sollen langsam aus der Stadt verschwinden. Zusätzlich entstehen mehr Grünflächen. Die Bevölkerung von Paris wird dabei aktiv eingebunden: Sie kann Vorschläge einreichen, wo Grün fehlt und welche Maßnahmen sie sich noch wünschen. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Positivbeispiele für Stadtbegrünung, zum Beispiel den Kö Bogen II in Düsseldorf.
Stadtbegrünung liegt mit in unseren Händen
Auch die Stadt Freiburg geht hier mit positivem Beispiel voran und hat bereits ein Planungskonzept entworfen, das alle Bereiche berücksichtigt: Emissionen durch Abgase, Stadtgrün, Rückzugsorte für die Bevölkerung und vieles mehr. Dieses Klimaanpassungskonzept soll so schnell wie möglich vollständig umgesetzt werden. Auch andere Städte orientieren sich an diesem Beispiel und rüsten sich besser gegen Hitzewellen. Eine Übersicht über alle Städte, in denen es Konzepte gibt, findest Du auf der Seite des Deutschen Städtetages.
Solche Klimaanpassungen sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Bundesregierung könnte – und sollte – mehr Anreize für Klimaanpassungen setzen. Bund und Länder stellen jedes Jahr Fördermittel für die Stadtentwicklung zur Verfügung. Ein Fördercheck erleichtert es den Kommunen, das passende Förderprogramm für ihre Grünprojekte zu finden. Damit auch in Zukunft Städte lebenswert bleiben.
Du möchtest Deine Stadt oder Kommune dazu motivieren, sich mehr für den Klimaschutz, Klimaanpassung oder Flächenbegrünungen einzusetzen? Oder ein anderes lokales Thema nervt und regt dich schon ewig auf? Dann könnte eine Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, der richtige Weg für Dich sein.
Bei WeAct kannst Du in wenigen Schritten Deine Petition starten. Bei WeAct teilen erfahrene Campaigner*innen ihr Wissen mit Dir und unterstützen Dich dabei, Deine Petition zum Erfolg zu bringen.
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist erstmalig am 3. September 2024 erschienen. Wir haben ihn aktualisiert und erneut veröffentlicht.