Johannes Eberle lebt in Mecklenburg-Vorpommern. Die Wege sind weit, die Orte klein. Am 20. September wählt das Bundesland seinen Landtag. „Die AfD macht keinen Hehl aus ihren Absichten, für den Fall, dass sie gewählt wird”, sagt Johannes.
Als die CDU im April einen wichtigen Gesetzentwurf blockierte, beschloss Johannes zu handeln. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich aus der Sorge einiger weniger eine landesweite Bewegung. Mit WeAct machten die Initiator*innen den Protest sichtbar, kreideten die digitale Unterstützung direkt auf den Gehweg vor die CDU-Parteizentrale.
Eine WeAct-Helden-Geschichte, die zeigt: Eine engagierte Zivilgesellschaft lässt sich nicht zum Schweigen bringen.
CDU blockiert Gesetzesentwurf in Schwerin
Mit 36 Prozent liegt die rechtsextreme AfD in den Umfragen klar auf Platz eins. Deutlich vor der SPD. Das könnte reichen, um beispielsweise ab September Richterwahlen zu blockieren und damit das Landesverfassungsgericht zu lähmen – mit schwerwiegenden Folgen.
Als Antwort darauf legten SPD, Linke und Grüne im April 2026 einen Gesetzentwurf vor, der das Verfassungsgericht vor Blockaden schützen soll. Viele Bundesländer haben ähnliche Reformen längst umgesetzt. Doch in Schwerin blockierte die CDU.
Reichweite verzehnfacht
Der Punkt, an dem Johannes beschließt zu handeln. Gemeinsam mit Schwerin für alle und den Omas gegen Rechts Schwerin startet Johannes noch im April einen offenen Brief. Er baut eine Website, informiert und sammelt Unterschriften. Das Ziel: CDU-Landesvorsitzender Daniel Peters und seine Schweriner CDU-Fraktion sollen der Verfassungsreform zustimmen.
Einige Tage später bekommt er eine Nachricht von Campact. Durch die anschließende Petition und mit der Unterstützung von WeAct werden aus hunderten innerhalb einer Woche über 6.000 Unterschriften.
„Das hat nicht nur die Reichweite unserer Aktion mehr als verzehnfacht, es hat auch viele Learnings im Bereich des politischen Aktivismus mit sich gebracht”, sagt Johannes.
Motiviert durch den enormen Rückenwind, wollen die Initiator*innen die Petition noch vor der Sommerpause – und damit vor der entscheidenden Abstimmung – übergeben. Doch die CDU lässt die Anfragen unnachgiebig ins Leere laufen.
6.000 Unterschriften, 6.000 Kreidestriche
Also bringen Johannes und seine Mitstreiter*innen den Protest an einen Ort, den die CDU nicht übersehen kann. Anfang Juni treffen sie sich vor der CDU-Parteizentrale in Schwerin, mit einer langen Liste und Kreide: Jede Unterschrift ein Kreidestrich. Direkt auf dem Gehsteig vor der Eingangstüre.
Das sorgt für Aufmerksamkeit. Und Ärger. Wenige Wochen später bekommt Johannes Post von der Polizei. Der Protest habe den Gehweg blockiert. Doch Zeit, sich zu ärgern, bleibt Johannes nicht. Die Abstimmung am 1. Juli im Landtag steht an.
Zwei-Drittel-Mehrheit kommt nicht zustande
Aber die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für die Verfassungsänderung kommt nicht zustande. Trotz der Protestaktionen und über 6.000 Unterschriften blockiert die CDU und verhindert den besseren Schutz des Landesverfassungsgerichts. Für Johannes ist klar: Die Verfassungsreform wäre das „Mittel der Wahl” gewesen, die „low hanging fruit, die das Ausmaß der Verwüstung hätte eindämmen können.”
Auch nach der Abstimmung wollen Johannes, Schwerin für alle und die Omas gegen Rechts dranbleiben. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass es ein Sprint wird und die CDU sagen wird, auf diesen Impuls haben wir gewartet”, sagt Johannes. Das Bündnis hat vor, die CDU weiter an ihre Verantwortung für die Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern zu erinnern. Und die nächste Aktion ist schon in Planung.
Du hast ein Thema, das Dich einfach nicht mehr los lässt? Du bist unzufrieden, willst etwas bewegen oder suchst Unterstützung? Sei es für einen Zebrastreifen vor der Grundschule oder gegen Kürzungen beim Gewaltschutz: Auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, hast Du selbst die Chance, Veränderung anzustoßen.