Fake-Wahlhelfende, Unsinn über Wahlscheine oder Wahlurnen – vor, während und nach dem Wahltag verbreiten sich häufig Falschbehauptungen. Dabei fehlt es überraschend oft an Abwechslung, denn viele Fakes werden bei der nächsten Wahl einfach recycelt. Auch bei den kommenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sowie den Kommunalwahlen in Niedersachsen ist das möglich. Hier findet ihr die häufigsten Falschbehauptungen im Überblick.
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1. Fake-Wahlhelfende auf Fake-Stimmzerstörungsmission
Das Vorgehen ist immer gleich. Ein anonymer Troll- oder Fake-Account schreibt, meistens auf X/Twitter und meistens am Wahltag, er sei Wahlhelfer und plane, Stimmen für die AfD zu vernichten. Manchmal geht es angeblich noch darum, Stimmen für die AfD anderen Parteien zuzuschieben – vor allem den Grünen.
Das soll Verwirrung stiften und empörte Reaktionen auslösen. Und hat bei vorangegangenen Wahlen schon mehrfach gut funktioniert. Zum Beispiel hat Erika Steinbach vor einigen Jahren einen solchen Fake verbreitet, ebenso wie der frühere AfD-Politiker André Poggenburg, der heute beim rechtsextremen Compact-Magazin involviert ist.
Meistens reicht ein Blick auf die früheren Posts des Verbreiters, um zu erkennen, dass es sich um einen Troll handelt, der in der Regel eher dem rechten Lager zuzuordnen ist. In einigen Fällen sind solche Posts auch satirisch gemeint, werden dann aber trotzdem von empörten User*innen verbreitet.
2. Markierte Stimmzettel? Helfen Menschen mit Sehbeeinträchtigungen
Pünktlich zum Versand der Briefwahlunterlagen oder am Wahltag verbreitet sich dann die Behauptung, einige Stimmzettel seien vorab markiert worden. Weil bekannt sei, dass die Wählenden die AfD wählen. Der angebliche Beweis: abgeschnittene Ecken oder Löcher in den Stimmzetteln.
Auch wenn sich die Behauptung hartnäckig hält, wird sie nicht wahrer. Denn die Markierungen haben einen ganz einfachen Hintergrund: Sie dienen Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Die können dort Schablonen anlegen, mit deren Hilfe sie ohne fremde Unterstützung ihre Stimme abgeben können.
3. Wahlurnen: Verschlossen, versiegelt – Hauptsache beaufsichtigt
Pünktlich zum jeweiligen Wahltag verbreiten User*innen sozialer Medien Fotos und Videos von Wahlurnen und behaupten, ein fehlendes Siegel oder Schloss sei ein Beleg für geplanten Wahlbetrug. Teilweise führt das dazu, dass Menschen in den Wahllokalen fotografieren und filmen – oder sogar die Wahlhelfenden bedrängen.
Die Bundes- und Landeswahlordnungen enthalten unterschiedliche Formulierungen. In der Regel gilt aber: Die Wahlurne muss verschließbar sein. Ein Siegel oder ein Schloss sind keine Pflicht. Wichtig ist, dass die Urnen vor Zugriff durch fremde Personen geschützt werden müssen. Das ist Aufgabe der Wahlhelfenden.
4. Stifte in der Wahlkabine
Wer möchte, kann sich seinen Lieblingsstift selbst mit ins Wahllokal bringen. Ein Muss ist das aber nicht, auch wenn im Netz immer wieder Aufrufe geteilt werden, eigene Stifte mitzubringen, um angeblich geplanten Wahlbetrug zu verhindern. Da heißt es, in den Wahlkabinen würden nur Bleistifte oder Buntstifte ausliegen, um die Stimmzettel im Nachhinein verfälschen zu können.
Das ist ebenso falsch wie alle anderen Top-6-Wahlfakes. Fakt ist: Alle möglichen Stifte sind in der Wahlkabine erlaubt – auch Bleistifte. Bei der öffentlichen Auszählung würden Wahlhelfer*innen, die emsig Stimmen radieren, zudem auch schnell auffallen.
5. Erfundene Anweisungen für Wahlhelfende
Ganz knapp gesagt: Es gibt keine geheimen Anweisungen an Wahlhelfende, AfD-Stimmen nicht zu zählen, wenn das Kreuz auf dem Stimmzettel nicht ganz akkurat gesetzt ist. Trotzdem wird auch diese Behauptung mindestens seit der Bundestagswahl 2017 immer wieder gestreut. Das Recycling läuft hier sehr vorbildlich: Meistens wird sogar das Bild wiederverwendet, das schon 2017 die Runde machte.
Bei der Auszählung gilt: Der Wille der Wählenden muss erkennbar sein. Und natürlich sollten weder mehr Kreuze als nötig noch Unterschriften gesetzt werden – das ist auch ein Aufruf, der regelmäßig kursiert. Er war ursprünglich als Witz gemeint und richtete sich an AfD-Wählende.
6. Immer wieder Briefwahl
Die Briefwahl ist ein Dauerbrennerthema, ganz besonders bei der AfD. Erst Mitte August veröffentlichte der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund ein Video mit dem Aufruf, in Pflegeheimen angebliche Betrugsversuche zu verhindern: „Bitte schau genau hin. Sorge mit dafür, dass diese historische Wahl sicher, frei und demokratisch abläuft.“ Das ist bei jeder Wahl so.
Und diese Panikmache verfängt bei AfD-Wähler*innen: Eine Umfrage für Campact hat im Juli 2026 gezeigt, dass AfD-Anhänger*innen deutlich häufiger als Anhänger*innen der anderen Parteien von möglichen Manipulationsversuchen bei der Briefwahl ausgehen.
Die Folge: AfD-Wähler*innen nutzen die Briefwahl seltener, gehen eher ins Wahllokal. Bei der Auszählung ergibt sich daraus ein Unterschied bei den AfD-Stimmen zwischen Briefwahl und Urnenwahl. Das nutzen politische Akteure dann wieder für neue Panikmache.
Fakt ist: Wie bei der Urnenwahl zählen die Wahlhelfenden die Briefwahlstimmen öffentlich aus. In den vergangenen Jahren sind einige Betrugsversuche aufgefallen. Das zeigt aber auch, dass Unstimmigkeiten schnell auffallen. Und Betrug im großen Stil wäre auf diese Weise auch sehr kompliziert.
Wenn ihr euch in den nächsten Tagen und Wochen über neue Fakes informieren wollt, seid ihr bei folgenden Faktencheckern genau richtig:
- AFP Faktencheck: https://faktencheck.afp.com/
- ARD Faktenfinder: https://www.tagesschau.de/faktenfinder
- Correctiv Faktencheck: correctiv.org/faktencheck/
- dpa Faktencheck: https://dpa-factchecking.com/
- DW Faktencheck: https://www.dw.com/de/faktencheck/t-56578552