183 Menschen sollten im Mai 2025 aus Kenias Hauptstadt Nairobi nach Deutschland fliegen. Sie waren aus unterschiedlichen Nachbarländern nach Kenia geflüchtet und wurden dort Teil des Resettlement-Programms: Ein Programm des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zur Unterstützung von besonders schutzbedürftigen Menschen auf der Flucht. Seit Jahren beteiligt sich Deutschland an diesem Programm, das die Menschen bereits in den Drittstaaten prüft, bevor sie in die Zielländer einreisen. Alles war geregelt.
Dann kamen die Koalitionsgespräche zwischen CDU und SPD unter Jens Spahn und Matthias Miersch. Ein Ergebnis davon: Der sofortige Stopp des Resettlement-Programms. Das bedeutete auch: Die 183 Menschen in Kenia, die sich teilweise bereits im Transitbereich des Flughafens aufhielten, wurden zurück ins Flüchtlingslager geschickt.
Spahn und Miersch mauern – und wollen nicht reden
Mentor*innen des sogenannten NesT-Programms, eines Ehrenamtlichen-Programms für die Erst-Begleitung von Geflüchteten in Deutschland, waren entsetzt. Im Juni 2025 starteten sie eine Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact: „Resettlement sichern – Flüchtlinge retten“. Innerhalb kürzester Zeit unterzeichneten über 95.000 Menschen die Petition. Ein starkes Zeichen. Doch damit war es nicht genug.
Die Mentor*innen setzten sich für die Wiederaufnahme des Programms ebenso ein wie für die Fortsetzung des Ehrenamtlichen-Programms NesT, von dem sie selbst Teil waren. In allererster Linie kämpften sie aber dafür, dass die 183 Menschen aus Nairobi, die bereits eine Aufnahmezusage erhalten hatten, endlich nach Deutschland einreisen durften. Monatelang versuchten sie, die Petition an die damals zuständigen Fraktionsvorsitzenden Spahn und Miersch zu übergeben.
Petitionsübergabe an Fraktionsspitzen aus Pappe
Die Fraktionsspitzen der Regierungsparteien im Bundestag waren nicht für ein Treffen bereit. Auf die Frage, wann mit einer Rückmeldung zu rechnen sei, kam nach drei Monaten die Antwort: „Es dauert so lange, wie es dauert!“. Deswegen starteten die Mentor*innen kurzfristig eine eigene Aktion: Im November 2025 „überreichten“ sie bei einer Presse-Aktion mit vielen Unterstützer*innen ihre Petition an Pappgesichter von Matthias Miersch (Fraktionsvorsitzender SPD), Jens Spahn (damaliger Fraktionsvorsitzender CDU) und ein Pappmaché-Gesicht von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU).
Mehr Bilder findest Du auf dem flickr-Account von Campact.
Einreise von 150 Geflüchteten
Das Innenministerium erklärte sich auf Anfrage schließlich bereit, die 95.000 Unterschriften entgegenzunehmen. Und dann, endlich die erlösende Nachricht: Ende November 2025 gab Innenminister Dobrindt schließlich nach, die 183 Menschen bekamen eine Einreiseerlaubnis. Kurz vor Weihnachten wurden alle bis auf 30 nach Deutschland geflogen. Die restlichen 30 sollten im Februar nachkommen – sie konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht direkt mitfliegen. Ein riesiger Erfolg, denn: Dobrindt hatte aufgrund des unermüdlichen Drucks nachgegeben.
Ehrenamtlichen-Programm gerettet
Aber das war noch nicht alles. Parallel zur Pausierung des Resettlement-Programms und der Debatte um die 183 Menschen in Kenia, lief Ende Dezember 2025 das NesT-Programm aus. Die Mentor*innen des NesT-Programms – Ehrenamtliche, die Ankommende in Deutschland begleiten wollten – setzten sich also neben dem Engagement mit der Petition und der Debatte mit dem Innenministerium auch noch dafür ein, eine Fortführung des Programms durchzusetzen.
Ende 2025 riefen sie die 95.000 Unterzeichner*innen auf, sich bei ihnen zu melden, wenn sie sich vorstellen könnten, selbst Geflüchtete zu begleiten. 200 Menschen reagierten darauf und erklärten sich bereit, mitzumachen. Im März dann die gute Nachricht: Das neue Programm „Ankommen. Jetzt“ ging an den Start. Ein zweiter großer Erfolg, der zeigt: Unermüdliches Engagement zahlt sich aus.
Bundesregierung verzögert weiter
Doch noch immer war nicht alles gewonnen: Es wurde Februar, März, April… die übrigen 30 Personen, die noch immer in Nairobi festsaßen, durften nicht nachreisen. Das Innenministerium hüllte sich in Schweigen. Die Petitionsstarter*innen blieben noch immer unbeirrt und widmeten sich weiter der Frage: Was ist mit den übrigen 30? Und warum ist Deutschlands Teilnahme am Resettlement-Programm immer noch pausiert?
Die nun ehemaligen NesT-Mentor*innen wendeten sich erneut an die 95.000 Unterzeichner*innen ihrer Petition und baten: Nervt das Innenministerium und den Bundestag mit Euren Fragen. Fragt nach, macht Druck: Warum sind die restlichen Geflüchteten immer noch nicht in Deutschland?
700 persönliche Schreiben gingen daraufhin an Innenminister Dobrinth. Viele weitere Menschen wandten sich an Bundestagsabgeordnete. Pro Asyl bereitete eine neue Klage gegen die Bundesregierung ein: Aufnahmeversprechen dürfen nicht gebrochen werden. In Kenia saßen die Menschen währenddessen weiter fest – und in Deutschland warteten die schon Angekommenen verzweifelt auf ihre Familien. Sie sollten noch einige weitere Monate warten.
Politisches Engagement lohnt sich
Schließlich hat sich das Warten und Hartnäckigbleiben, das Druckausüben und immer wieder Nachfragen gelohnt: Am 26. August 2026 durften endlich die letzten der 183 Geflüchteten nach Deutschland einreisen. Nun sind sie da; überglücklich von ihren Familien in Empfang genommen.
Deutschlands Flüchtlingspolitik läuft rigoros falsch. Aber der 26. August war ein Tag zum Feiern. Und er zeigt: Politisches Engagement lohnt sich.
Was Du jetzt tun kannst:
- Es werden immer noch Ehrenamtliche gesucht, die sich vorstellen können, Geflüchtete in ihrer Anfangszeit zu begleiten – deutschlandweit und insbesondere an den Standorten Köln, Berlin, Hannover, Münster, Bremen, Witten und Bonn. Wenn Du Dir das vorstellen kannst, wende Dich an NesTMentorinnen2025@gmx.de.
- Unterzeichne die Petition für die Fortsetzung des aktuell pausierten Resettlement-Programms, um auch den letzten Baustein der Kampagne noch zum Erfolg zu bringen.
- Dich nervt ein Thema, das die Politik mal endlich angehen müsste? Dass starte jetzt Deine eigene Petition auf WeAct.