Neonazis tragen selten offen das Hakenkreuz auf der Brust. Das geschieht bewusst, um unter dem juristischen Radar zu fliegen. Denn in Deutschland sind so gut wie alle NS-Originalsymbole strafbar, wenn sie öffentlich gezeigt werden.
Rechte Modemarken verstecken daher ihre Botschaften in Runen, Zahlencodes und vermeintlich harmlosen Streetwear-Logos. Die codierten Anspielungen sind eine unmissverständliche Botschaft für Gleichgesinnte. Können aber auch eine Art Frühwarnsystem für diejenigen sein, die einer offenen Konfrontation mit Nazis lieber ausweichen wollen. Eine Übersicht rechter Kleidungsmarken und woran man sie erkennt.
Hier findest Du eine kurze Übersicht, welche Symbole in Deutschland strafbar sind.
Thor Steinar
Thor Steinar ist ein absolutes szenetypisches Erkennungsmerkmal unter Rechtsextremisten. Die Marke zu tragen, ist im Deutschen Bundestag, im Landtag Mecklenburg-Vorpommern und in mehreren Fußballstadien ausdrücklich verboten.
Das ursprüngliche Logo war eine Binderune aus Tiwaz-Rune und Sowilo-Rune, übereinandergelegt und schräg gestellt. Eine Symbolik, die stark an ein Zeichen der Waffen-SS erinnert.
Bis Februar 2005 bestätigten zwei Landgerichte das Verbot des Logos. Allein 2005 wurden dazu über 250 Strafverfahren eingeleitet. Daraufhin änderte Thor Steinar sein Logo zu einer gekreuzten Gebo-Rune mit zwei Punkten.
Kurz darauf hob das brandenburgische Oberlandesgericht das Verbot wieder auf – das Markenlogo sei nicht verwechselbar mit einem verfassungsfeindlichen Symbol. Die SS-ähnliche Binderune von Thor Steinar darf seitdem wieder verwendet und getragen werden.
Caps, Hoodies, Mützen, T-Shirts, Jacken: Die Marke entwirft Herren-, Damen- und Kinderbekleidung, häufig mit dem Schriftzug „Steinar“ auf der Brust. Oder mit großem, oft kreisrundem Druck auf dem Rücken im Runenstil. Dabei lehnt sich die Marke stilistisch an martialische Streetwearstyles an, beispielsweise mit Fleckentarnung, Wikingern, Thors Hammer oder Waffenmotiven.
Erik & Sons
Erik & Sons entstand aus dem Umfeld von Thor Steinar. Als Erkennungszeichen dient die Nauthiz-Rune, oft flankiert von Wikingerschiffen und der nordischen Sagenwelt. Laut Verfassungsschutzberichten ist die Marke eng mit der neonazistischen Hooligan- und Szenekultur verknüpft.
Erik & Sons spendete an den „Nationalen Widerstand Berlin“ und hatte Verkaufsstände auf dem „Schild und Schwert“-Festival, auch „SS“-Festival genannt. Eine rechtsextreme Großveranstaltung in Ostritz (Sachsen), mit rechtsextremen Konzerten und Politik sowie Kampfsportevents, die 2018 und 2019 stattfand.
Der Stil von Erik & Sons orientiert sich an Thor Steinar. Ob gestreifte Badehose mit dem Schriftzug „Deutsche Jungs“, die passende Bauchtasche in Homage an die rechtsextreme Hooligan-Band „Kategorie C“, Polohemden, Caps, Hoodies oder langärmelige Karo-Hemden: Die Textilien zeigen häufig das Logo – die umkreiste Nauthiz-Rune über Adlerschwingen. Meist in den Farben schwarz, weiß und bzw. oder rot.
Ansgar Aryan
Ansgar ist das althochdeutsche Wort für „Gottesspeer“, Aryan ist Englisch für arisch oder Arier. Die rechtsextreme Marke bekennt sich offen zur neonazistischen Szene. Beispielsweise hatte Ansgar Aryan schon Verkaufsstände auf dem NPD-Rechtsrock-Konzert „Rock für Deutschland“ in Gera oder auf dem Pressefest der NPD-Parteizeitung. Bis heute wirbt Ansgar Aryan auf einschlägigen Webportalen und sponsert zahlreiche rechtsextreme Bands.
Modisch und etwas teurer: Statt einem Runen-Logo setzt die Marke auf Schriftzüge wie „Iron Cross“ oder „Aryan Resistance“. Häufig ist gut sichtbar das Wort „Elite“ auf den Artikeln zu sehen, dazu Motive der Spartaner, Waffen, Wikinger oder auch die Zahl 88. Obwohl Ansgar Aryan sich offen in der neonazistischen Szene bewegt und ihre Produkte einschlägige Motive zeigen, machen sie sich trotzdem juristisch nicht angreifbar. Ein Beispiel:
Ein Kapuzenpullover zeigt auf der Brust den Schriftzug „Strenght through Blood“ – also Kraft durch Blut. Eine Wortschöpfung aus der nationalsozialistischen Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ und der rassistischen NS-Ideologie von „Blut und Boden“. Auf dem Rücken ein Soldat mit knackigem Seitenscheitel. Das ist eine unmissverständliche Botschaft für Gleichgesinnte – für Außenstehende jedoch nicht direkt ersichtlich. Und zudem juristisch nicht strafbar.
Hier findest Du eine kurze Übersicht, welche Symbole in Deutschland strafbar sind.
Consdaple
Der Gründer von Consdaple blickt auf eine langjährige Karriere als Funktionär im rechtsextremen Spektrum, unter anderem bei NPD und REP zurück. Es ist daher wenig überraschend, dass sich hinter dem Scheinanglizismus „Consdaple“ das Parteikürzel „NSDAP“ und der englische Begriff für Wachmann verbirgt. Das Logo ähnelt dem des Modelabels „Lonsdale“ und ist meist mittig auf die Brust gedruckt.
In der rechtsextremen Szene sind T-Shirts und Hoodies der Marke Consdaple sehr beliebt. Denn bei offen getragener Bomberjacke werden die äußeren Buchstaben des Schriftzugs verdeckt. Übrig bleibt „NSDAP“. Dazu setzt Consdaple häufig einen Adler über den Schriftzug, der dem des Dritten Reichs zum Verwechseln ähnlich sieht.
Brachial
Im Umfeld rechtsoffener Security-Unternehmen gründete sich die Marke Brachial. Der Geschäftsführer gilt als PEGIDA- und AfD-Sympathisant. Ursprünglich war die Marke in der Hooligan-Szene zuhause, heute ist sie vor allem in der Kraftsport-Welt zu finden.
Brachial verwendet als Logo den eigenen Markennamen, manchmal ergänzt durch „Krawall“ oder generell die Abkürzung „BK“. Problematisch an Brachial ist weniger Kleidung oder Logo, sondern das Umfeld.
Label 23 / Boxing Connection
Der ehemalige Inhaber von „Boxing Connection“ ist Neonazi, Hooligan und Kickbox-Profi, der ins 2012 verbotene Neonazi-Netzwerk „Spreelichter“ eingebunden war. Die Zahl 23 steht für die Anfangsbuchstaben B und C. Die Marke vermeidet bewusst offensichtliche NS-Bezüge und setzt stattdessen auf Kampfsport- und Hooligan-Ästhetik.
Das Logo zeigt die Zahl 23 auf eine Art gekröntem Wappen, umrandet von Lorbeeren. Häufig sind die Drucke überproportional groß auf den Kleidungsstücken platziert. Dazu Sparta, Boxing, German Fighter und ähnliche Kampfsport-Slogans. Wobei Motive wie „Bound for Glory“ einen direkten Bezug zur gleichnamigen US-amerikanischen Rechtsrockband und damit zur Neonaziszene nahelegen.
White Rex
Gegründet von einem russischen Neonazi und Hooligan, angeblich am 14.08.08. Dahinter verbergen sich rechtsextreme Zahlencodes, die einerseits für „14 Words“, ein völkischer Slogan des amerikanischen Neonazis David Eden Lane stehen. Und andererseits „88“, der rechte Code für „Heil Hitler“.
Die Marke ist international ausgerichtet, um rechtsextreme Kampfsportler untereinander zu vernetzen. Demnach war White Rex auch häufig beim „Kampf der Nibelungen“ in Deutschland zu sehen.
Das Logo zeigt ein slawisches Sonnensymbol, ein sogenanntes Kolovrat. Das sieht aus wie ein Rad mit acht angewinkelten Armen, beziehungsweise zwei übereinander gelegte Hakenkreuze. In der Mitte des Kolovrat ist das frontale Gesicht eines Wikingers mit Helm zu sehen. White Rex druckt T-Shirts mit verbotenen SS-Runen, 88-Aufdruck, Gewaltästhetik, Rassismus, Boxen oder auch Wikingern.
Black Legion
Der Name der Cottbuser Marke stammt von der US-amerikanischen „Black Legion“; eine militante Ku-Klux-Klan-Abspaltung in den 1930er-Jahren mit über 20.000 bewaffneten Mitgliedern, die für die „weiße Vorherrschaft“ kämpften. Black Legion sponserte den „Kampf der Nibelungen“ sowie das rechtsextreme „Rock für Deutschland“-Festival.
Das Black Legion Logo ist ein leicht verschlungenes „2L“, wobei die zwei für das „B“ steht. Die T-Shirts haben häufig den gesamten Markennamen mittig auf der Brust, während Trainingsanzüge etwas versteckter nur das Logo tragen.
Dazu druckt die Marke Gesichter von NSDAP-Märtyrern, nationalsozialistischer „Helden“ oder Solidaritätsbekundungen für verhaftete Nazi-Kameraden auf T-Shirts. Selbst Hitlerzitate und Liedzeilen der Rechtsrockband „Störkraft“ landen bei Black Legion auf der Kleidung.
Welche Symbole sind in Deutschland strafbar?
- das Hakenkreuz, in allen Varianten
- die doppelte Sig-Rune der SS
- der SS-Totenkopf
- Hitler-Gruß und die abgewandelte Form, der Kühnen-Gruß
- die Parole „Sieg Heil“
- sämtliche Original-Abzeichen der NSDAP, SA, SS, HJ und angeschlossenen Verbänden – ausgenommen sind Kunst, Wissenschaft, Schulunterricht, Berichterstattung und erkennbar ablehnende Darstellungen
- Beispielsweise die Odalrune oder die Wolfsangel sind alte germanische Schriftzeichen und tauchen bis heute in Gemeindewappen oder bei der Bundeswehr auf. Erst als die 1994 verbotene „Wiking-Jugend“ sie als Erkennungszeichen nutzte, waren sie strafbar.
- Das Keltenkreuz spielt eine Sonderrolle. 2008 entschied der Bundesgerichtshof, dass die öffentliche Verwendung grundsätzlich strafbar ist. Denn es gilt als Symbol der rechtsextremen und verbotenen „Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands / Partei der Arbeit“, kurz VSBD/PdA.
- die Lebensrune
- die alte Reichskriegsflagge von 1867–1921
- das Buch „Mein Kampf“, aber nur als historisches Dokument. Sollte ein Nachdruck gezielt als Propagandamittel eingesetzt werden, greift § 130 StGB: Volksverhetzung
Von Nazis unfreiwillig vereinnahmte Marken
Nicht jede Marke, die in der rechtsextremen Szene getragen wird, will dort auch sein. Die Outdoormarke „Helly Hansen“ hat das Kürzel „HH“, was die rechtsextreme Szene zu „Heil Hitler“ umdeutet. Bei „New Balance“ interpretiert die Szene das große „N“ auf den Sneakern zu „Nationalsozialismus“. Die Marke „Fred Perry“ liefert mit dem Lorbeerkranz ein vermeintliches Siegessymbol.
Auch „Lonsdale“ hat die Buchstabenfolge „NSDAP“ im Namen, nur sichtbar bei offener Jacke. Schon vor über zwanzig Jahren versuchte „Lonsdale“ mit der Kampagne „Lonsdale loves all colours“ die Reißleine zu Rechts ziehen und verfügte einen Lieferstopp an bekannte Neonazi-Läden. Laut Unternehmensangaben führte das allein in Sachsen zu einem Umsatzrückgang von 75 Prozent.