Feminismus AfD CDU Wahlen Medien Demokratie WeAct Rechtsextremismus Montagslächeln Gemeinnützigkeit

Niederlage in Sachsen-Anhalt, schlechte Umfragewerte in Mecklenburg-Vorpommern: Friedrich Merz wankt als Regierungschef und CDU-Chef. Dabei hatte Merz selbst angekündigt: „Wir können wieder bis zu 40 % erzielen und die AfD halbieren. Das geht!“ 

Das ist nun fast acht Jahre her und Merz ist an der Aufgabe offensichtlich gescheitert. Die Werte seiner CDU sind ähnlich schlecht wie seine persönlichen Zustimmungswerte. Dafür gibt es mehrere Gründe. Auch Merz‘ Aussagen und seine Wortwahl haben dazu beigetragen. Zeit, genauer hinzuhören: 

Stadtbild-Argumentation 

Man erinnere sich an seine Stadtbild-Thesen im Herbst 2025, in der der Bundeskanzler seine Eindrücke von Problemen im Stadtbild mit dem Plan für mehr Abschiebungen verband.

„Wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen.“ (Pressekonferenz, 14.10.2025) 

Auch der vermeintlich importierte Antisemitismus, die Sprachenvielfalt auf Schulhöfen und der vermeintliche Sozialtourismus brachte Merz in Wallungen. 

„Wir haben eine Art importierten Antisemitismus mit dieser großen Anzahl von Migranten, die wir in den letzten zehn Jahren haben.“ (Fox News Interview, 6. Juni 2025)

„Es geht nicht, dass auf den Schulhöfen andere Sprachen als Deutsch gesprochen werden.“ (Welt Interview, 10.01.2023)

„Mittlerweile erleben wir einen Sozialtourismus dieser Flüchtlinge: nach Deutschland, zurück in die Ukraine, nach Deutschland, zurück in die Ukraine. Von den Flüchtlingen macht mittlerweile eine größere Zahl sich dieses System zunutze.“ (BILD-TV Interview, 26.09.2022)

Merz-Mimimi

Viele Politiker stehen im Rampenlicht und müssen öffentliche Kritik aushalten. Bestes Beispiel: Angela Merkel. Die Ex-CDU-Kanzlerin bekam in ihrer Amtszeit einiges ab. Vor allem während der Corona-Pandemie und wegen ihrer Flüchtlingspolitik wurde sie permanent diffamiert, ausgepfiffen und massiv bedroht. Als sie 2016 darauf angesprochen wurde, dass sie verehrt und gehasst wird, antwortete sie: „Als Bundeskanzlerin muss ich mit beidem leben.“  

Merz suhlt sich lieber in seiner Opfer-Rolle. Kein Kanzler vor ihm hätte jemals solche Herabwürdigungen ertragen müssen.

Ich bin nur gelegentlich auf Social Media unterwegs. Aber wenn Sie mal schauen, was dort über mich verbreitet wird, wie ich da angegriffen und herabgewürdigt werde – kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.

Friedrich Merz (Spiegel, 29.04.2026)

In der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ diskutierte der Kanzler am 27. August mit Bürger*innnen – darunter auch die niedersächsische Kinderärztin Bea Merscher. Sie kritisierte das Sparpaket im Gesundheitswesen und warf ihm vor, „menschenverachtende und zerstörerische Gesetze“ zu erlassen.

Merz konterte: „Das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus.“ (RTL, 27.08.2026)

Mit Kritik scheint der Kanzler sowieso ein Problem zu haben. In der Sendung von Caren Miosga sagte er im Mai 2026:  

„Über Erfolge wird dann meistens schnell hinweggegangen, und Dinge, die nicht so einfach laufen, werden intensiv diskutiert.“ (Caren Miosga, 3.05.2026)

Bröckelnde Brandmauer 

Dezember 2021: Friedrich Merz wird der neue Parteivorsitzende CDU. In seiner ersten Rede nach der finalen Abstimmung findet er klare Worte: „Mit mir wird es eine Brandmauer zur AfD geben.“ Und: „Wenn irgendjemand von uns die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am nächsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an.“ Eine klare Positionierung für die Demokratie sowie gegen die AfD und ihre regionalen und lokalen Verbände, könnte man meinen.

Doch kurz vor der vorgezogenen Bundestagswahl im Januar 2025, sagte Merz über seine verschärften Pläne zum Thema Migration: „Wir werden sie einbringen, unabhängig davon, wer ihnen zustimmt.“ Das ebnete den Weg für den Tabubruch, der kurz darauf folgte – die erste Zusammenarbeit von CDU und AfD auf Bundesebene. 

„Wir haben jetzt das, was wir für richtig halten, in den Bundestag eingebracht und dafür auch eine Mehrheit bekommen.“ Zugleich sagte Merz: „Brandmauer ist das falsche Bild.“ (Bundestag, 29.01.2025)

Ob Merz sich für klug genug hielt, die AfD ausschließlich für die eigenen Zwecke nutzen zu können? Oder ob er sich deren Argumentation zu eigen machte, um Rechts seine schwindenden Zustimmungswerte abzuluchsen? Jedenfalls verkündete er reißerisch in einer Wahlkampfrede Ende Februar 2025: 

„Links ist vorbei. Es gibt keine linke Politik und keine linke Mehrheit mehr in Deutschland.“ Die Union werde „wieder Politik machen für die Mehrheit der Bevölkerung“ und definitiv keine für „irgendwelche grünen und linken Spinner“. (Wahlkampfrede, 22. Februar 2025)

Auf die rechte Trommel hatte Merz schon vorher geschlagen:

„Die werden doch wahnsinnig, die Leute, wenn die sehen, dass 300.000 Asylbewerber abgelehnt sind, nicht ausreisen, die vollen Leistungen bekommen, die volle Heilfürsorge bekommen. Die sitzen beim Arzt und lassen sich die Zähne neu machen, und die deutschen Bürger nebendran kriegen keine Termine.“ (Welt-Talk, 27.09.2023)

Kein Plan von Klimakrise

Die Bundesregierung streicht Milliarden für Klimaschutz. Dabei hat die Hitzewelle im Sommer deutlich gezeigt: Wir brauchen Lösungen – bevor es zu spät ist. Tagelang extrem hohe Temperaturen sind lebensgefährlich. 

Nachdem Feuerwehrleute den Waldbrand in Hürtgenwald gelöscht hatten, besuchte Merz sie, um Danke zu sagen. Vermeintlich einsichtig erklärte er: „Wir müssen damit rechnen, dass wir häufiger solche Ereignisse haben. Das ist Klimawandel.“ 

Externer Inhalt von Instagram: Mit einem Klick kannst Du Dir den Inhalt ansehen. Lies mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Mehr als 14.000 Hitzetote soll es laut Robert-Koch-Institut 2026 gegeben haben. Merz dazu: „Wir können das nicht alles allein vom Staat her lösen. Wir brauchen auch ein hohes Maß an Mitwirkung der Familien, der Menschen in Deutschland. Wir brauchen auch gegenseitige Rücksichtnahme.“ Er empfiehlt, dass Eltern Kindern immer eine Flasche Wasser mitgeben. Danke dafür.

Beim Petersberger Klimadialog betonte Merz: „Klimaschutz darf industrielle Basis nicht gefährden.” Dabei missachtet er, dass es vor allem die Folgen der Klimakrise sind, die der Wirtschaft massiv schaden. Dazu gehören niedrige Flusspegel, schlechte Ernten, Waldbrände. Laut einer Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG verursache ein einziger Tag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius in Deutschland wirtschaftliche Schäden von rund 431 Millionen Euro. 

Kein Kanzler für Frauenrechte 

„Fragen Sie mal Ihre Töchter.“ – Töchter, Ehepartnerinnen, Frauen müssen oft herhalten, wenn Merz einer These besonders viel Nachdruck verleihen möchte. Schon im Wahlkampf betonte der CDU-Kanzlerkandidat immer wieder seinen Einsatz für die Sicherheit von Frauen. Dabei lehnte er die Stärkung von Frauenrechte im Bundestag immer wieder ab – ob bei der Reform von Paragraf 218, dem Gleichbehandlungsgesetz oder beim Schutz vor Vergewaltigungen in der Ehe. 

Auch sonst versagte Merz in der Vergangenheit beim Thema Gleichstellung. Als er im Oktober 2024 von n-tv gefragt wurde, ob er sein Kabinett als Kanzler mit Ministerinnen besetzen wollte, antwortete er: „Wir tun damit auch den Frauen keinen Gefallen.“

Über die Ex-Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte er weiter: „Sehen Sie, das ist so schiefgegangen in der letzten Bundesregierung, mit der Verteidigungsministerin, das war eine so krasse Fehlbesetzung – das sollten wir nicht wiederholen.“ (NTV,

Ein Frauenproblem habe er allerdings nicht, meint Merz. „Wenn ich wirklich ein Frauenproblem hätte, wie manche sagen, dann hätten mir meine Töchter längst die Gelbe Karte gezeigt – und meine Frau hätte mich nicht vor 40 Jahren geheiratet.“ (Digitaler Parteitag der CDU, 16.01.2021) 

Kurz nach Annegret Kramp-Karrenbauers Rücktritt als CDU-Chefin im Jahr 2020 sagte er herablassend: „Reiner Zufall, dass Tiefs im Augenblick Frauennamen tragen.“

Ob sich das bald ändern wird?


 

Du willst nichts mehr verpassen? Dann abonniere hier den Campact-Newsletter.

Hier Newsletter bestellen

Autor*innen

Appelle, Aktionen, Erfolge und weitere Themen aus dem Campact-Kosmos: Darüber schreibt das Campact-Team. Alle Beiträge

Auch interessant

AfD Campact-Team „Wir dürfen nicht nur darauf hoffen, dass es schon irgendwie gut geht“ Mehr erfahren
AfD WeAct-Team Rechtsextrem im Kinderkanal: Schüler*innen wehren sich Mehr erfahren
AfD Dr. Astrid Deilmann Wie freie Medien den Rechtsextremismus normalisieren, der sie abschaffen will   Mehr erfahren
AfD Linda Hopius Wo geht es mit der Demokratie hin? Mehr erfahren
AfD Andreas Speit Blauer Erfolg in Niedersachsen Mehr erfahren
CDU Campact-Team Montagslächeln: Gegenwind für Merz und CDU Mehr erfahren
AfD Campact-Team Fördergeld als Waffe: Sachsen-Anhalt als Blaupause fürs Defunding der Zivilgesellschaft Mehr erfahren
AfD WeAct-Team Warum schützt die GESA die Simson-Marke nicht? Mehr erfahren
AfD Matthias Meisner Mit Steuergeld auf Tuchfühlung mit Moskaus Diplomaten Mehr erfahren
AfD Campact-Team Gegen Rechts: Sprüche und Plakate für Demos Mehr erfahren