Bildung Europa Rechtsextremismus Demokratie Trump TTRex Demo Feminismus Soziale Gerechtigkeit WeAct

Anfang September 2026 berichtete ich hier bei Campact, dass der Bayerische Hof das demokratiefeindliche Mises-Institut vor die Tür setzt. Bis dahin war es ein weiter Weg. Ich hatte bereits 2013 in meinem Buch zur AfD auf das Mises-Institut verwiesen und darauf, dass August Baron von Finck indirekt sowohl das Mises-Institut unterstützt als auch mit einer Anfangsfinanzierung die AfD vorangebracht hat. Meine Podcast-Reihe Haus des Goldes informierte vor über sechs Jahren bereits über das Institut und Fincks weit reichende Verbindungen. Trotzdem war diese Szene den meisten kaum bekannt – aber allmählich erfährt sie Gegenwind.

Ein Rechtsextremist an der Uni Bayreuth

Als die AfD Bayern am 20. März 2025 mehrere Vertreter des Mises-Insituts ins Bayerische Parlament einlud, wurden Medien und Parlamentarier*innen in München aufmerksam. Im Bayerischen Parlament gab es daraufhin kritische Anfragen von SPD und Grünen. Letztere stellten kürzlich einen Antrag für die Sitzung am 11. November im Bayerischen Landtag: Sie fragen nach „Erkenntnisse[n] zu verfassungsfeindlichen Bestrebungen“ des Instituts.

Zuletzt reagierte auch der CSU-Wissenschaftsminister Markus Blume mit Blick auf die Uni Bayreuth, wo gleich zwei Personen aus AfD bzw. Mises-Institut Studierende unterrichten: Thorsten Polleit, Vorsitzender des Mises-Instituts, und Hans-Joachim Tillschneider, Rechtsextremist und Vizepräsident des Landtags in Sachsen-Anhalt. Tillschneider ist seit 2018 Privatdozent für Islamwissenschaft, Polleit seit 2014 Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. Blume möchte sie nicht mehr dulden und würde gerne das Hochschulgesetz verschärfen.

Seine Aussage „Wir dulden keine Extremisten an Hochschulen“ verheißt allerdings nichts Gutes. Denn dieses Extremismus-Narrativ ist mit dem sogenannten „Hufeisen“-Klassifikationssystem verbunden. Und der Mentor von Polleit, der explizite Demokratiefeind Hans-Hermann Hoppe, Dauergast beim Mises-Institut, sagte bereits vor über zwanzig Jahren der „Jungen Freiheit“ ganz offen: „Der Verfassungsschutz weiß doch gar nicht, was er mit mir und meiner Position anfangen soll. Ich befinde mich völlig außerhalb der gängigen politischen Klassifikationsschemata.“ Dementsprechend weiß auch die Presse – abgesehen von der Abendzeitung München und ihrem Autoren Alexander Spöri – Thorsten Polleit nicht richtig einzuordnen. Weder das Mises-Institut noch die politische Strömung, für die es steht, werden benannt. Die Rede ist nur von einem „Netzwerk, das das Ende von Staat und Demokratie durchdenke“.

TH Lübeck in Verbindung mit spanischen Anarchokapitalisten

Thorsten Polleits Anstellung an der Uni Bayreuth ist ohne Frage problematisch. Die Professur von Leef H. Dierks an der TH Lübeck stellt sie aber in den Schatten.

Die TH Lübeck hat eine Partneruniversität in Madrid, die Universidad Rey Juan Carlos. Mehrere Bachelor-Studiengänge der beiden Hochschulen sind über das Erasmusprogramm miteinander verbunden. An sich wäre dies begrüßenswert, wären nicht die beiden Hochschulen zugleich Ausrichterinnen der „Annual Madrid Conference on Austrian Economics“, die von Beginn an bis 2024 von Fincks Degussa Goldhandel, konkret vom spanischen Ableger „Degussa Metales Precioso“, bzw. der „Degussa Group España“ unterstützt wurde.

Ausgerichtet wurde die Konferenz von Prof. Dr. Jesús Huerta de Soto. Aber die TH Lübeck ist gleichberechtige Organisatorin, die Grußworte hält neben Huerta de Soto auch Dierks. Studierende der TH Lübeck werden mit Reisekostenunterstützung zu dieser Tagung eingeladen und knüpfen dann Kontakte in diese Szene. An sich unproblematisch – wäre Jesús Huerta de Soto nicht der Mentor vom argentinischen Staatspräsidenten Javier Milei und würde es während dieser Tagungen nur um ökonomische Fragen gehen und nicht um demokratiefeindliche Politik.

Universidad Rey Juan Carlos Madrid: Demokratie als „perverses System“

Während der diesjährigen Konferenz nahm Javier Miliei als Gast bei den Präsentationen des Masterstudiengangs zu Austrian Economics teil. Studentische Proteste, die ausgehend von Frankreich auch in Spanien größer werden, begleiteten den Besuch. Milei hatte im Jahr 2025 Huerta de Soto als einen „Koloss der Freiheitsrechte“ beschrieben und ihm einen Orden verliehen. Er bedankte sich zu Beginn der Tagung bei seinem „Mentor“ Jesús Huerta de Soto und entschuldigte sich für seinen reformistischen Kurs in Argentinien. Eigentlich sei er, wie Huera de Soto „Anarchokapitalist“, aber man müsse Verständnis dafür haben, dass er als Staatspräsident Kompromisse machen müsse. Er schloss seine Rede mit den Worten, dass auf lange Sicht der Anarchokapitalismus „triumphieren“ werde.

„Anarchokapitalismus“ bezeichnet den Vorgang, den Staat durch eine reine Privatrechtsgesellschaft zu ersetzen. Alles Staatliche, also beispielsweise Bildung, Gesundheit, aber auch Polizei, Militär und Justiz, wird privatisiert und Demokratie wird zur Abstimmung mit dem Geldbeutel.

Nach einer Umarmung mit Huerta de Soto setzte dieser die Redeliste fort. In seiner Rede griff Huerta de Soto explizit die Demokratie an. Wie zuvor schon Peter Thiel, der Freiheit und Demokratie als „Oxymoron“, als Widerspruch in selbst kennzeichnete, bezeichnete auch Huerta de Soto liberale Demokratie so: „Ein Widerspruch in sich selbst, so absurd wie … ein eckiger Kreis, heißer Schnee oder eine jungfräuliche Prostituierte“.

Und er setzte fort: „Es sollte daher nicht überraschen, dass die Demokratie immer wieder dazu neigt, ein perverses System zu sein, das auf Lügen und dem Kauf von Stimmen mit durch Steuern gestohlenem Geld beruht.“

Tech-Bro Alexander Tamas als neuer Sponsor

Wir können den Erb*innen des 2021 verstorbenen August Baron von Finck daher dankbar sein, dass Degussa Goldhandel diese Tagungen in München und Madrid nicht mehr unterstützt. Aber die haben anscheinend einen neuen Sponsor gefunden.

Im offiziellen Instagram-Video des Präsidenten Milei wird gezeigt, wie Jesús Huerta den Soto seinen Protegé Javier Milei empfängt, ihm stolz die Bibliothek zeigt und ihm dann zum Schluss drei Personen vorstellt: Alexander Tamas, dessen Frau und dessen Schwester Joana Cotar. Es gibt ein zweites Video, auf dem zu sehen ist, dass Huerta de Soto noch einmal Joana Cotar und Javier Milei miteinander bekannt macht.

Relevanter aber ist das offizielle Video mit der Sequenz mit Alexander Tamas. Dieser wird vorgestellt als „rechte Hand“ von Elon Musk. Und: Tamas gehöre zu den Spendern, die diese Tagung erst ermöglichen. In der spanischen Presse kommt der medienscheue Tamas nicht vor. Auch deutschen Medien ist er noch kaum bekannt.

Ein rechts„libertaristisches“ Netzwerk klinkt sich mit ein

Während bislang auf den Tagungen Preisgelder von mehreren hundert Euro vergeben wurden, gab es diesmal mit dem „Youth Liberty Prize“ Preise in Höhe von insgesamt 170.000 Euro. Es ist unklar, wer diesen Preis gestiftet hat. Verbunden ist er mit der „Huerta de Soto Stiftung“. In der Jury sitzen allerdings neben sechs Wissenschaftlern auch die Geschwister Alexander Tamas und Joana Cotar. Unterstützung findet der Youth Liberty Prize auch explizit durch Tamas Bekannten Pawel Durow, dem Gründer und Chef vom Messagerdienst Telegram.

Beide kennen sich noch aus der Zeit, als sie in Russland das „russische Facebook“ VK aufbauten, wo Tamas Geschäftsführer war. Heute leben beide in Dubai und sitzen gemeinsam als Berater in der „Kammer für Digitalökonomie“ von Dubai. Das „Liberty“ des „Youth Liberty Prize“ richtet sich gegen den Digital Service Act der EU (DSA), also für die Freiheit der miliardenschweren Unternehmer von Social Media und KI und gegen demokratische Regulierung. Dazu passt: Früher war Joana Cotar die digitalpolitsche Sprecherin der AfD im Bundestag. Heute ist sie mit der ehemaligen Vorsitzenden der AfD, Frauke Petry, und Thomas Kemmerich, der sich in Thüringen von Björn Höcke zum Ministerpräsidenten wählen ließ, im „Team Freiheit“ aktiv.

Tamas ist dort, wo es sich für ihn lohnt

Mit „rechte Hand von Elon Musk“ meinte Huerta de Soto wahrscheinlich, dass Alexander Tamas zu den frühzeitigen Hauptinvestoren von Musks Unternehmen gehörte. Insbesondere ist hier auch Neuralink zu nennen; ein Neurotechnologie-Unternehmen, das Gehirn-Computer-Schnittstellen erforscht und produzieren möchte. Tamas‘ zwanzigköpfiges Unternehmen „Vy Capital“ wurde im Juni mit 50 Milliarden US-Dollar bewertet, im Dezember war es noch bei 26 Milliarden. Nach einem Bericht von „Medium“ könnte Tamas durch diese Verbindung noch sehr viel reicher werden, da „Neuralink“ die größten Gewinnspannen im Musk-Universum verspreche. Vy Capital wird in dem Bericht mehrfach neben dem „Founders Fund“ von Peter Thiel genannt.

Bislang ist nur die finanzielle Unterstützung von Tamas für Huerta de Sotos Stiftung und die Tagung von Madrid bekannt. Hier stellt sich die Frage, warum Tamas eine Organisation in Spanien unterstützt, wo doch seine Schwester in entsprechenden Organisiationen in Deutschland aktiv ist. Ob diese Organisationen, wie „Team Freiheit“ oder das „Javier Milei Institut“, auch schon von Tamas unterstützt werden? Belege gibt es dafür (noch) nicht.

Autor*innen

Andreas Kemper recherchiert als freischaffender Soziologe zu Netzwerken der Ungleichheit und analysiert deren Ideologien. Seine kritischen Analysen zu Klassismus/Neoliberalismus (klassismus.de), Rassenbiologie und organisiertem Antifeminismus (diskursatlas.de) führten bereits im Juli 2013 zu seinem Buch „Rechte Euro-Rebellion“ zur AfD als Sammelbecken dieser Strömungen. Es handelte sich hierbei um die mit Abstand erste kritische Buchpublikation zur AfD. Kemper warnte hier nicht nur vor der Entstehung einer rechten Partei, sondern konnte auch als erster die Anschubfinanzierung durch die Finck-Gruppe genau bestimmen. Nicht zuletzt seine profunden Recherchen zu Björn Höcke (alias Landolf Ladig) führten zur Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz. Aktuell recherchiert Kemper zu „Libertarismus“, totalitär-kapitalistischen Privatstadtprojekten und schreibt an einem Buch zur Vorherrschaft des Adels im Antifeminismus („Die Aristokratie des Antifeminismus“). Im Campact-Blog schreibt er als Gast-Autor über seine aktuellen Recherchen und Beobachtungen. Alle Beiträge

Auch interessant

AfD „Wie Rechte reden“ „Institut für Remigration“: So soll Sachsen-Anhalt zum Modell werden Mehr erfahren
Europa Fridays for Future Berlin Die 2,8-Grad-Konferenz Mehr erfahren
AfD Campact-Team AfD in Sachsen-Anhalt: Müssen Lehrkräfte neutral sein? Mehr erfahren
Medien Matthias Meisner Halle an der Saale: Wo Grenzen verschwimmen Mehr erfahren
Rechtsextremismus Valerie Zöllner Söders Extremismusklausel Mehr erfahren
Rechtsextremismus Karolin Schwarz Was ist der „Große Austausch“? Mehr erfahren
Feminismus Andreas Kemper Harald Martenstein und der enttabuisierte Faschismus Mehr erfahren
CDU Andreas Speit Extremismus der Mitte – die Gefährder der liberalen Demokratie Mehr erfahren
AfD Campact-Team Fünf Gründe für ein AfD-Verbot  Mehr erfahren
AfD Campact-Team Linke Socken statt Linker Tränen Mehr erfahren
Initiative Transparente Zivilgesellschaft NewsletterHilfe und FAQKontaktDatenschutzImpressumCookie Einstellungen