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Es war einmal die Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“ und die geht so: Es gibt geheime Kräfte, die die weiße Bevölkerung europäischer Länder, der USA, Neuseeland oder Australien ersetzen wollen. Und zwar durch Migrant*innen aus mehrheitlich muslimischen beziehungsweise afrikanischen Ländern, weil diese angeblich leichter „beherrschbar“ seien. Wichtig in der Verschwörung ist auch, dass Menschen mit Migrationsgeschichte – insbesondere, wenn sie nicht weiß sind – keine „richtigen“ Deutschen sein können. 

Das ist natürlich Quatsch.

Glaube an den „Großen Austausch“ ist weit verbreitet

Umfragen zeigen, dass die rechtsextreme Propaganda längst verfangen hat. „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ ist eine Aussage aus der Leipziger Autoritarismusstudie aus dem Jahr 2024. Mehr als 30 Prozent der Befragten in Deutschland stimmen dieser Aussage überwiegend oder voll und ganz zu. Ein nahrhafter Boden für die Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“. Was steckt dahinter?

Umvolkung und weitere Synonyme

Für den Verschwörungsmythos des „Großen Austauschs“ gibt es mehrere Synonyme. Etwa die englische Entsprechung „Great Replacement“. Aber auch Begriffe wie „Bevölkerungsaustausch“, „Umvolkung“ oder „Ersetzungsmigration“. 

Allesamt eng verknüpft mit einem „sterbenden“ Volk, ausschließlich weiß und oft auch christlich. Hier schleichen sich häufig auch einschlägige Begriffe wie „Überfremdung“, oder die besonders drastischen Varianten „White Genocide“ oder „Volkstod“ ein. 

Diese Drohkulisse ist zentral für die rechtsextreme Forderung nach „Remigration“. Also der Plan, Menschen, die als „nicht deutsch“ markiert werden, zu deportieren und zu vertreiben. In den USA zeigen mehrere Umfragen, dass auch dort der Glaube an die Verschwörungserzählung weit verbreitet ist. Das gilt insbesondere für Anhänger*innen der Republikaner.

Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus als Basis

Als geheime und mächtige Drahtzieher, die laut der Verschwörungserzählung ganze Migrations- und Fluchtbewegungen orchestrieren, werden immer wieder Jüdinnen und Juden genannt. Darunter konkret der jüdische Milliardär George Soros. Diese würden sogar Kriege anzetteln, nur um Menschen zur Flucht in andere Länder zu zwingen. Eine solche antisemitische Komponente ist zentral für zahlreiche Verschwörungserzählungen.

Um die angebliche Verschwörung zu untermauern, werden zusammenhanglos Fälle von Gewalt angeführt, die von Geflüchteten, Migrant*innen oder Menschen mit Migrationsgeschichte und nicht-urdeutschen Namen verübt wurden. Dazu werden Geburtenraten von Migrant*innen im Vergleich zu weißen Deutschen aufgeführt. Teilweise ist sogar der Feminismus und damit einhergehend auch Kinderlosigkeit und Abtreibungen „Schuld“ an der erzählten Situation. 

Wer verbreitet die Geschichte vom „Great Replacement“? 

Der Begriff des „Großen Austausch“ geht zurück auf den französischen Publizisten Renaud Camus. Dieser nutzte den französischen Begriff des „Grand Remplacement“ als Titel für ein 2010 veröffentlichtes Buch.

Der angebliche „Große Austausch“ ist Kern der Erzählungen der rechtsextremen Identitären Bewegung und anderer Teile der sogenannten Neuen Rechten. Auch in weiten Teilen der AfD ist der Begriff seit den 2010er Jahren geläufig und hat sich seitdem verbreitet. Nicht zuletzt auch, weil die Partei den Begriff der „Remigration“ längst offen spielt.

Mehrere Rechtsterroristen nennen die Verschwörungserzählung als Begründung für ihre Anschläge. Zum Beispiel der Terrorist von Christchurch, der im März 2019 bei einem Anschlag auf muslimische Einrichtungen 51 Menschen ermordete und viele weitere verletzte. 

Zuvor hatte der Christchurch-Attentäter Kontakt zur Identitären Bewegung und deren früherem Sprecher Martin Sellner gesucht. Der Österreicher Sellner ist seit Jahren treibende Kraft hinter der Verschwörungserzählung vom „Großen Austausch“. 

Erzählungen von der „ethnischen Wahl“ 

Zuletzt hat ein weiterer verwandter Begriff aus der Erzählung die Runde gemacht: die „ethnische Wahl“. Zum Wahlergebnis in Berlin im September 2026 veröffentlichte die Welt einen Beitrag, in dem der frühere Chefredakteur Ulf Poschardt sich die Erzählung dahinter aneignet.

Eng verknüpft mit dem Verschwörungsmythos des „Großen Austauschs“, behauptet diese Erzählung: Progressive Parteien würden gezielt Migrant*innen und Geflüchtete in ihre jeweiligen Länder holen, um Wahlen zu gewinnen. 

Rechtspopulistische und rechtsextreme Kreise nennen dann Manipulation als mögliche Erklärung, wenn Menschen mit Migrationsgeschichte oder Muslim*innen bei Wahlen überwiegend SPD, Grüne oder Linke wählen.  

Dass etwa abwertende bis migrationsfeindliche Äußerungen und Programme konservativer bis rechter Parteien auf das Wahlverhalten einen Einfluss haben könnten, ist kein Thema.

Autor*innen

Karolin Schwarz arbeitet als Autorin und hat die Angewohnheit, ihre Nase in die dunklen Ecken des Internets zu stecken. Sie beschäftigt sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit Desinformation, Rechtsextremismus und Plattformen. Ihr Buch "Hasskrieger: Der neue globale Rechtsextremismus" erschien 2020 im Verlag Herder. Als Gast-Autorin für Campact schreibt sie über Desinformation. Alle Beiträge

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