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5-Minuten-Info:
Gentechnik-Verbot in den Koalitionsvertrag

Die große Mehrheit der Bürger/innen will kein Genfood auf dem Teller und keine Gentechnik auf dem Acker. Bisher gibt es nur zwei Gentech-Pflanzen die in der EU zum Anbau zugelassen sind: MON-810-Mais von Monsanto und die Kartoffel „Amflora“ von Bayer. Beide Sorten sind bisher gefloppt, Amflora wird in der EU gar nicht mehr angebaut, MON 810 nur noch vereinzelt. In Deutschland stehen derzeit gar keine Genpflanzen mehr auf den Feldern.

Dieser positive Zustand ist jetzt bedroht. Am 6. November hat die EU-Kommission erstmals seit Jahren den Gentech-Mais „1507“ des Konzerns DuPont-Pioneer zur Zulassung empfohlen. Wenn der EU-Ministerrat dagegen nicht jetzt mit einer Zweidrittelmehrheit einschreitet, könnte „1507“ schon im Frühjahr auch auf deutschen Äckern stehen. Ohne eine klare Ablehnung durch die deutsche Bundesregierung wäre die Zulassung so gut wie sicher.

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„1507“ hat zwei Genmodifikationen: Einerseits produziert der Gen-Mais ständig ein Insektengift aus der Gruppe der Bt-Toxine – unabhängig davon, ob tatsächlich ein problematischer Schädlingsbefall vorliegt. Das von „1507“ produzierte Bt-Toxin erweist sich als besonders giftig für Schmetterlinge, schadet aber auch Bienen und anderen Insekten. „1507“ enthält auch deutlich mehr Bt-Toxine als MON 810.

Als zweite Eigenschaft ist „1507“ resistent gegen das Totalherbizid Glufosinat der Firma Bayer (Markennamen: BASTA und „Liberty“). Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums soll dieses Mittel spätestens 2017 bei der Novellierung der EU-Pestizidrichtlinie verboten werden, weil es unter anderem die Fortpflanzungsfähigkeit schädigt.

Chance: Koalitionsverhandlungen

Aufgrund der klaren Einstellung der Bürger/innen gegen Gentechnik, setzen sich SPD und CSU in den Koalitionsverhandlungen für ein Verbot des Anbaus von Gentechnik-Pflanzen ein. Dagegen wehrt sich bisher die CDU. Aus Verhandlungskreisen wissen wir, dass sich die Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Umwelt hier nicht einigen konnte. Dieses brisante Thema wird stattdessen eines für die Runde der drei Parteichefs – Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer – werden.

Angela Merkel hat es also in der Hand: Will sie wirklich für die Gentechnik-Industrie und gegen die überwältigende Mehrheit der Bürger/innen kämpfen? Vieles spricht dafür, dass die Pragmatikerin bei genügend Druck nicht gegen ihre eigenen Wähler/innen agieren wird.

Selbst wenn die EU den 1507-Gentechnikmais genehmigen sollte, kann die neue Bundesregierung zumindest verhindern, dass er in Deutschland angebaut wird. Wenn sie es denn will und die Möglichkeiten der Gesetzgebung und der Genehmigungspraxis nutzt.

Gabriel und Seehofer: Ernsthaftes Anliegen oder Lippenbekenntnisse?

Am Ergebnis der Koalitionsverhandlungen wird es sich auch zeigen, ob Sigmar Gabriel und Horst Seehofer das Gentechnik-Verbot wirklich wichtig ist, oder ob sie Theaterdonner veranstalten. Ein Koalitionsvertrag mit Rückschritten bei der Gentechnik wird also nicht nur Merkel angelastet werden. - Ein Grund mehr für uns, aktiv zu werden.

Einmal freigesetzt, immer freigesetzt

Die Kontaminationsgefahr ist ein entscheidendes Argument gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft. Der Wind oder Insekten tragen die Pollen von Gentech-Pflanzen zu vorher gentechnikfreien Kultur- und Wildpflanzen. Damit übertragen sie auch die genmanipulierten Eigenschaften. Wenn diese Kontamination bei Wildpflanzen geschieht (etwa bei Raps) oder wenn die genmanipulierten Erbinformationen ins Saatgut gelangen, ist die weitere Ausbreitung dieser Erbinformationen nicht mehr kontrollier- oder rückholbar.

Nicht mehr frei wählen

Die Verbraucher verlieren die Freiheit, zwischen Lebensmitteln mit und ohne Gentechnik wählen zu können, wenn gentechnisch verändertes Erbgut die Ernte von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten belastet. Die Kontamination ist häufig nur schwer und mit aufwendigen Analysemethoden nachweisbar. Jüngstes Beispiel: Erbgut der gentechnisch veränderten Reissorte LL 601 hatte sich in den USA auf ungeklärtem Weg auf konventionell angebauten Reis übertragen. Da die Sorte seit 2001 auch in Versuchen nicht mehr angebaut wurde und zum konventionellen Anbau nie frei gegeben worden war, wiegten sich alle in der Sicherheit, dass der Reis keine Gefahr darstelle. Es beruht auf einem Zufall, dass die Kontamination entdeckt worden ist.

Zu wenig erforscht

Die Auswirkungen des Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen auf unsere Gesundheit sind nicht ausreichend erforscht. Die gesundheitlichen Folgen neuer Stoffe treten häufig erst nach Jahren in Erscheinung und lassen sich nur über Langzeitstudien ermitteln – das hat etwa das Beispiel Asbest gezeigt. Statt diese durchzuführen, lassen die Gentech-Konzerne Millionen Menschen ihre Produkte konsumieren, die damit zu Probanden werden. Dies ist insbesondere für Allergiker/innen problematisch, die beim Verzehr von Gen-Lebensmitteln nicht mehr wissen, ob artfremde DNA von Lebensmitteln, gegen die sie allergisch sind, in ihrem Essen sind. Zudem ist unklar, ob Gentechnik-Produkte, die antibiotikaresistente Bestandteile enthalten, über die menschliche Darmflora zu Antibiotikaresistenzen bei Menschen führen können.

Auch das Wissen über die Auswirkungen von Gentech-Pflanzen auf ökologische Systeme ist sehr gering – etwa wie sich der Gentech-Anbau auf den Boden auswirkt, oder wie stark sich Gentech-Pflanzen mit verwandten Wildpflanzen auskreuzen können.

75 Prozent der weltweit kommerziell genutzten Gentechnik-Pflanzen weisen eine Herbizidresistenz auf. Die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass die Anwendung von herbizidresistenten Pflanzen mittelfristig zu einem höheren Pestizideinsatz führt - mit negativen Folgen für Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Gewässer. Zudem führen die Totalherbizide, die auf Feldern mit den herbizidresistenten Gen-Pflanzen eingesetzt werden, wiederum zu Herbizid-Resistenzen bei Unkräutern.

Durch genmanipulierte insektenresistente Pflanzen wie den Bt-Mais DuPont 517 oder MON 810 werden erhebliche Toxinmengen freigesetzt, welche die Gen-Pflanzen gegen die Insekten produzieren. Die Wirkung auf Nicht-Zielorganismen wie Schmetterlinge, Regenwürmer, Honigbienen und Spinnen sind alles andere als harmlos. Wissenschaftliche Studien haben hier immer wieder erhebliche Risiken festgestellt.

Gentechnik nützt einer Handvoll großer Konzerne...

Die herkömmlichen Verfahren der Beeinflussung der Eigenschaften von Nutzpflanzen durch Züchtung haben in den vergangenen Jahrzehnten zu großen Fortschritten geführt und sind völlig ausreichend. So ist die Gentechnik-Lobby im Unrecht, wenn sie genmanipulierte Maispflanzen als einzige Alternative zur Bekämpfung des Schädlings Maiswurzelbohrer darstellt. So züchtete die Saaten-Union mit herkömmlichen Methoden eine Maissorte, die gegen den Wurzelbohrer resistent ist. Gentechnik-Befürworter versprechen höhere Ernten und nahrhaftere Produkte durch den Einsatz von Gentech-Pflanzen. Dies soll insbesondere den Ländern des Südens zugute kommen, wodurch dort der Hunger bekämpft werden könne. Doch der Anbau von Gentech-Pflanzen ist für Kleinbauern in den Ländern des Südens völlig ungeeignet. Das Saatgut ist für sie nur teuer zu erwerben, erfordert den Einsatz dafür konzipierter Pestizide und darf nicht weiter vermehrt werden. Die Landwirte verschulden sich zum Erwerb des Saatguts und machen sich abhängig von großen Gen-Saatgut-Konzernen. Das Hungerproblem ließe sich hingegen in vielen Ländern mit einer gerechteren Landverteilung lösen. Ein weiterer Schlüssel: Nicht länger sollte die Hälfte der produzierten pflanzlichen Nahrungsmittel als Futtermittel in der Viehzucht verfüttert werden.

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