5-Minuten-Info: Glyphosat

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzengift. Das Totalherbizid tötet jede Pflanze, die vorher nicht entsprechend gentechnisch verändert wurde. In Deutschland wird Glyphosat vor allem eingesetzt, um Felder vor der Aussaat von Wildkräutern zu befreien. In anderen Ländern spielt auch der Anbau von Pflanzen, die mit Gentechnik glyphosatresistent gemacht wurden, eine große Rolle.

Glyphosat wurde von dem US-Konzern Monsanto patentiert und ist zum Beispiel in dem Pestizid Round-Up enthalten. Inzwischen ist das Patent ausgelaufen und zahlreiche Firmen bieten Pestizide mit Glyphosat an.

Warum ist Glyphosat gefährlich für unsere Gesundheit?

Glyphosat wurde von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Laut den Expert/innen der WHO gebe es „überzeugende Belege“ dafür, dass Glyphosat bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache. Außerdem sehen die WHO-Expert/innen „begrenzte Belege“ dafür, dass Glyphosat auch beim Menschen krebserregend wirkt. Die WHO hat das Herbizid in die zweithöchste Risikostufe („wahrscheinlich krebserregend“) eingestuft.

Warum ist der EU Risikobewertung für Glyphosat nicht zu trauen?

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) halten Glyphosat für ungefährlich. Sie stützen sich dabei auf einen Bericht des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Doch das BfR hat in seinem Gutachten entscheidende Passagen aus dem Zulassungsantrag von Monsanto abgeschrieben – und das nicht kenntlich gemacht. Außerdem wurden wichtige Studien, die eine Krebsgefahr belegen, als irrelevant aussortiert. Eine unabhängige Prüfung der Gesundheitsgefahren durch Glyphosat hat das BfR nicht vorgenommen. Das EU-Parlament hat deshalb einen Sonderausschuss eingerichtet, der die Vorgänge bei der Glyphosat-Bewertung aufklären soll.

Wie kann die Bundesregierung ein nationales Glyphosat-Verbot durchsetzen?

Ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags belegt ganz klar: Deutschland kann auf nationaler Ebene den Glyphosat-Ausstieg beschließen. Zwar hat die EU den Wirkstoff Glyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen. Doch die Bundesregierung kann die weitere Zulassung von Pestiziden mit Glyphosat verweigern. Im Dezember 2018 endet die Zulassung der meisten glyphosathaltigen Pestizide. Bis dahin muss die Regierung entscheiden, ob sie aus Glyphosat aussteigt - oder die Pestizide für fünf weitere Jahre genehmigt.

Was haben CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart?

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, den Einsatz von Glyphosat zunächst mit einer “Minderungsstrategie” deutlich einzuschränken. Zudem haben sie sich das Ziel gesetzt, die “Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden”. Dazu wollen sie im Rahmen einer sogenannten “Ackerbaustrategie” Alternativen für die Landwirtschaft entwickeln.

Dass die Union jetzt - zumindest im Prinzip - dem Glyphosat-Ausstieg zugestimmt hat, ist ein großer Erfolg. Doch die neue Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) weicht die Pläne schon wieder auf. Obwohl die größten Mengen Glyphosat in der Landwirtschaft eingesetzt werden, sei ihr Fokus “nicht primär auf der Landwirtschaft”. Zudem lässt der Koalitionsvertrag offen, wie sich die Bundesregierung zu den 2018 anstehenden Zulassungen für Pestizide mit Glyphosat verhalten wird. Wenn die neue Bundesregierung diese erneut genehmigt, sind die Pestizide für fünf Jahre zugelassen. Die Regierung hätte keine rechtliche Möglichkeit mehr, die Glyphosat-Anwendung zu beenden.  

Warum ist Glyphosat schlecht für die Umwelt?

Neben den Gefahren für die Gesundheit ist Glyphosat auch eine große Bedrohung für die Artenvielfalt. Als Totalherbizid tötet Glyphosat alle Pflanzen auf dem Acker, die nicht entsprechend gentechnisch verändert wurden. Die Folge ist ein starker Rückgang von Wildkräutern, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Insekten und Vögel sind. Auch für Regenwürmer, Amphibien und Fische sind negative Auswirkungen belegt. Daher fordert das Bundesamt für Naturschutz den Glyphosat-Ausstieg.

Welche Alternativen gibt es?

Das dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstellte Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) zeigte 2016 in einer Studie, dass mechanische Methoden wie das Pflügen und der Einsatz des Grubbers die gleiche Wirkung haben wie Glyphosat. Wenn Landwirte sowieso den Pflug nutzen, dann ergeben sich laut JKI auch keine ökonomischen Verluste.

Die Autor/innen des Glyphosat-Reports des Pestizid-Aktions-Netzwerks PAN International betonen zudem, dass Wildkräuter auf dem Acker die Produktivität nicht grundsätzlich verringern. Im Gegenteil: Wildkräuter könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, Schädlinge zu bekämpfen, die Qualität der Böden zu verbessern und die Ernteerträge zu erhöhen.

Spenden Sie für ein nationales Glyphosat-Verbot

Zulassung von Roundup und Co. - ja oder nein? Die GroKo muss das bald entscheiden. Mit starken Aktionen streiten wir für ein Verbot.

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