Kein Jamaika mit Glyphosat!

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Bevor die Grünen im Jamaika-Kabinett sitzen, könnte Kanzlerin Merkel in Brüssel noch schnell Glyphosat durchwinken. Dann landet das Ackergift für weitere zehn Jahre auf unseren Feldern. Und das, obwohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei Monsanto abgeschrieben hat, als es Glyphosat als sicher einstufte.

Unterzeichnen Sie unseren Eil-Appell, damit die Jamaika-Parteien jetzt für ein klares Nein zu Glyphosat sorgen!

5-Min-Info Glyphosat

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Pflanzengift. Das Totalherbizid tötet jede Pflanze, die vorher nicht entsprechend gentechnisch verändert wurde. In Deutschland wird Glyphosat vor allem eingesetzt, um Felder vor der Aussaat von Wildkräutern zu befreien. In anderen Ländern spielt auch der Anbau von glyphosatresistenten Pflanzen eine große Rolle.

Glyphosat wurde von dem US-Konzern Monsanto patentiert und ist auch unter dem Namen Round-Up bekannt. Inzwischen ist das Patent ausgelaufen und zahlreiche Firmen bieten Pestizide mit Glyphosat an.
Glyphosat wurde von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Laut den Expert/innen der WHO gebe es „überzeugende Belege“ dafür, dass Glyphosat bei Labortieren wie Mäusen und Ratten Krebs verursache. Außerdem sehen die WHO-Expert/innen „begrenzte Belege“ dafür, dass Glyphosat auch beim Menschen krebserregend wirkt. Die WHO hat das Herbizid in die zweithöchste Risikostufe („wahrscheinlich krebserregend“) eingestuft.
Damit die Zulassung von Glyphosat verlängert werden kann, musste das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Gefahren des Pestizids für Mensch und Umwelt untersuchen. Mit diesem Gutachten hat das BfR die entscheidende Vorarbeit für die Bewertungen durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) und die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) geleistet. Doch das BfR hat in seinem Gutachten entscheidende Passagen aus dem Zulassungsantrag von Monsanto abgeschrieben – und das nicht kenntlich gemacht.

Außerdem wurden wichtige Studien, die eine Krebsgefahr belegen, als irrelevant aussortiert. Eine unabhängige Prüfung der Gesundheitsgefahren durch Glyphosat hat das BfR nicht vorgenommen. Aus diesem Grund fordern inzwischen zahlreiche EU-Abgeordnete einen Untersuchungsausschuss, der die Vorgänge bei der Glyphosat-Bewertung aufklären soll.
Die Hersteller von Glyphosat haben bei der EU beantragt, dass die Genehmigung für Glyphosat verlängert wird. Die EU-Kommission hat eine Wiederzulassung für zehn Jahre vorgeschlagen. Darüber stimmen die EU-Staaten voraussichtlich am 25. Oktober ab. Mehrere Länder, darunter Frankreich, Italien und Österreich, wollen mit Nein stimmen.

Im vergangenen Jahr hat sich Deutschland enthalten und somit die Verlängerung der Zulassung um 18 Monate ermöglicht. Mit Deutschlands Enthaltung gab es 2016 nicht genügend Länder, die gegen die Zulassung stimmten.
Wenn sich bei der Abstimmung über die Glyphosat-Zulassung am 25. Oktober viele Länder enthalten und es keine qualifizierte Mehrheit für ein Ja oder Nein gibt, dann kann die Kommission im Alleingang entscheiden. Auch Deutschlands Enthaltung bei der Abstimmung 2016 führte zu einer Zulassung. Das darf nicht noch einmal passieren. Deshalb brauchen wir auf jeden Fall ein klares Nein von Deutschland.
Eine Wiederzulassung von Glyphosat für weitere zehn Jahre wäre richtungsweisend für die neue Bundesregierung: Jamaika wäre von Beginn an eine Koalition der Konzernlobbyisten. Im Wahlkampf haben sich die Grünen für „eine giftfreie Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel“ eingesetzt. Die Partei hat die Europäische Bürgerinitiative „Stopp Glyphosat“ offiziell unterstützt.

An diesen Zielen müssen die Grünen auch in den Koalitionsgesprächen festhalten und klarstellen, dass es mit ihnen nur eine Koalition geben wird, wenn Deutschland gegen die Wiederzulassung von Glyphosat stimmt. Dieses Druckmittel haben die Grünen in der Hand. Wenn sie es mit dem Glyphosat-Ausstieg ernst meinen, dann müssen sie es jetzt auch nutzen.
Neben den Gefahren für die Gesundheit ist Glyphosat auch eine große Bedrohung für die Artenvielfalt. Als Totalherbizid tötet Glyphosat alle Pflanzen auf dem Acker, die nicht entsprechend gentechnisch verändert wurden. Die Folge ist ein starker Rückgang von Wildkräutern, die wiederum die Nahrungsgrundlage für Insekten und Vögel sind. Auch für Regenwürmer, Amphibien und Fische sind negative Auswirkungen belegt.
Das dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterstellte Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) zeigte 2016 in einer Studie, dass mechanische Methoden wie das Pflügen und der Einsatz des Grubbers die gleiche Wirkung haben wie Glyphosat. Wenn Landwirte sowieso den Pflug nutzen, dann ergeben sich laut JKI auch keine ökonomischen Verluste.

Die Autor/innen des Glyphosat-Reports des Pestizid-Aktions-Netzwerks PAN International betonen zudem, dass Wildkräuter auf dem Acker die Produktivität nicht grundsätzlich verringern. Im Gegenteil: Wildkräuter könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, Schädlinge zu bekämpfen, die Qualität der Böden zu verbessern und die Ernteerträge zu erhöhen.

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