Auf der Videoplattform YouTube haben sich dutzende Kanäle etabliert, die mit menschenverachtenden Inhalten Millionen Klicks erzielen. Auf genau solchen Kanälen läuft Werbung namhafter Unternehmen. Durch die automatisierte Ausspielung der Werbeinhalte wissen Unternehmen oft nicht, dass ihre Werbung vor Hass und Hetze läuft – bislang. Eine Recherche der Kampagnen-Organisation Campact weist nun auf rund 90 relevante Unternehmen hin, deren Werbung mehrfach auf Hetzkanälen gemeldet wurde. Campact informierte die Unternehmen darüber und rief sie zum Handeln auf. Mit Erfolg: Innerhalb der ersten Woche zogen bereits knapp 30 Unternehmen Konsequenzen und kündigten an, dass sie die Kanäle auf ihre Sperrlisten setzen oder diesen Schritt zumindest prüfen – darunter u.a. Aldi Süd und Kleinanzeigen.

Dazu erklärt Friederike Gravenhorst, Teamleitung Kampagnen: „Kein Unternehmen würde freiwillig sein Logo neben Hass, Hetze und Verschwörungstheorien aufhängen. Auf YouTube passiert genau das – und zwar jeden Tag. Dabei sind Unternehmen dem YouTube-Algorithmus nicht hilflos ausgeliefert. Sie können Hetzkanäle bei der Werbeschaltung ausschließen. Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen – ihre Werbebudgets dürfen nicht dazu beitragen, Kanäle zu finanzieren, die Hass und Hetze verbreiten.”

Ziel der Campact-Recherche war, ein erstes Lagebild zu erstellen. Dafür hat die Organisation mit einem eigens entwickelten Online-Tool untersucht, welche Unternehmenswerbung auf den rund 60 ausgewählten Hetzkanälen bei YouTube geschaltet wurde – von kleinen Kanälen mit etwa 10.000 bis zu großen mit bis zu 800.000 Follower*innen. Ausgewählt wurden Kanäle, die systematisch gegen Minderheiten hetzen, der rechtsextremen AfD nahestehen oder durchweg Falschinformationen verbreiten. Rund 15.000 Menschen beteiligten sich an der Recherche und meldeten knapp 40.000 Werbeanzeigen. So entstand ein breites Bild davon, welche Unternehmen auf diesen Kanälen mit Werbung auftauchen.

„Die größte Bedrohung für unsere Demokratie geht derzeit vom Rechtsextremismus aus. Dabei hat sich YouTube zu einer wichtigen Radikalisierungsplattform für die extreme Rechte entwickelt. Wenn Werbung Hass und Hetze mitfinanziert, läuft etwas schief. Daher freuen wir uns über die ersten positiven Reaktionen der Unternehmen auf unsere Sensibilisierungskampagne – das gibt uns enormen Rückenwind. Wir werden weiter an dem Thema dran bleiben”, kündigt Friederike Gravenhorst an.

Weitere Informationen:

Folgende Unternehmen haben bereits angekündigt, ihre Sperrlisten anzupassen: Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Constantin Film, Wolt, Bergfreunde, Immowelt, Euronics, Axa, Berliner Wasserbetriebe, Milram, dm, Immoscout, Edeka, Flixtrain, Bifi, Klosterfrau, Procter & Gamble. Darüber hinaus haben Miniatur Wunderland, LG Electronics, Krombacher, Sparkasse, Sumup, Lenor, Rewe, Booking und Samsung zurückgemeldet, sie wollen dies prüfen.

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