Tierwohl: So geht mehr Tierschutz im Stall

Was ist das Tierwohl-Label?

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte im Februar 2019 ein staatliches Tierwohl-Label vor, das Fleisch im Supermarkt mit drei Stufen kennzeichnen soll. Doch Klöckners Vorschlag ist unzureichend: Die Kriterien sind zu lasch und die Nutzung soll freiwillig sein – Tierhalter*innen müssen ihre Produkte also gar nicht kennzeichnen. Außerdem soll das Label erst einmal nur für Schweinefleisch gelten, nicht aber für Rindfleisch, Geflügel oder Milchprodukte. Der Gesetzesentwurf zur Einführung des Tierwohl-Labels wurde im September 2019 im Bundeskabinett beschlossen. Jetzt wird der Entwurf im Bundestag diskutiert. Die SPD lehnt die Pläne ab – sie fordert ein verpflichtendes Gütesiegel.

Warum ist Klöckners Tierwohl-Label zu lasch?

Schweine im Schweinestall hinter einem Gitter

Das Tierwohl-Label der Bundesagrarministerin sieht drei Stufen vor. In der untersten – Stufe 1 – sind 20 Prozent mehr Platz für Schweine vorgesehen. Bei einem Schwein, das 110 Kilogramm wiegt, ist das ein zusätzlicher Platz von zweieinhalb DIN-A4-Blättern. “Tierwohl” laut Stufe 1 heißt auch, dass man Ferkeln kurz nach der Geburt die Ringelschwänze abschneiden darf. Selbst das Abschleifen der Eckzähne wäre erlaubt – dabei ist das nach Vorgaben der EU seit 2008 nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig. Tierschutz sieht anders aus!

Mindert ein verpflichtendes, strenges Tierwohl-Label die Qual im Stall?

Ja, davon ist auszugehen. Gezeigt hat sich das bereits bei der Kennzeichnungspflicht von Eiern, die seit 2004 in der EU Pflicht ist. Die schlechteste Stufe 3 entspricht Käfighaltung, die beste – Stufe 0 – ist Bio-Standard. Seitdem Hersteller*innen ihre Eier kennzeichnen müssen, sind Eier aus Käfighaltung weitgehend aus den Supermarktregalen verschwunden.

Hühner auf einer Wiese

Einen solchen Effekt kann man von einer verpflichtenden Kennzeichnung von Fleisch- und Milchprodukten auch erwarten. Das heißt: Ein verpflichtendes Tierwohl-Label mit strengen Kriterien würde dazu führen, dass sich die Lebensbedingungen der Tiere im Stall verbessern.

Ist ein verpflichtendes Tierwohl-Label rechtlich möglich?

Ja, es ist rechtlich möglich – auch wenn Bundesagrarministerin Julia Klöckner das Gegenteil behauptet. Ein Rechtsgutachten der Universität Bayreuth im Auftrag des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg belegt: Eine verpflichtende nationale Kennzeichnung von Fleisch ist mit EU-Recht vereinbar, wenn sie einer freiwilligen Beteiligung von Importware offen steht. Klöckners Argument ist nur ein Vorwand, um ein wirksames Tierwohl-Label zu verhindern.

Machen Sie mit!

Menschen in Tier-Kostümen demonstrieren für mehr Tierwohl

Ferkeln die Ringelschwänze abschneiden – das darf in keinem Tierwohl-Label erlaubt sein. Informieren Sie sich über unsere Kampagne für ein strenges, verpflichtendes Tierwohl-Label – und machen Sie mit!

Massentierhaltung – nein danke!

Mehr als 90 Prozent der Verbraucher*innen sind bereit, mehr Geld für Fleisch auszugeben, das aus tierfreundlicher Haltung kommt. Nur mit einem verpflichtenden Tierwohl-Label können die Verbraucher*innen sehen, wie die Haltungsbedingungen im Stall sind – und diese Produkte meiden.

Der Preisdruck in der Fleischindustrie ist massiv. In den letzten 20 Jahren haben zum Beispiel über 100.000 Bauernhöfe die Haltung von Schweinen aufgegeben. Überleben konnten nur die Höfe, die immer größere Ställe mit immer mehr Technik errichteten, um die Arbeitskosten zu senken. Darunter leiden nicht nur die Tiere, sondern auch die Arbeitnehmer*innen. Die Arbeitsbedingungen sind oftmals katastrophal.

Die miesen Arbeitsbedingungen zeigten sich besonders deutlich während der Corona-Pandemie: Allein beim Fleisch-Riesen Tönnies waren über 1.000 Mitarbeiter*innen infiziert.

Schließt die Tierfabriken

Dieses System ist krank: Mensch, Tier und Umwelt leiden unter der Massenproduktion in der Fleischindustrie. Campact startet einen Appell

Die Corona-Fälle in einem Tönnies-Schlachthof zeigten die miesen Bedingungen in der Fleischindustrie. Die Massenproduktion schadet Menschen, Tieren und Umwelt. Agrarministerin Klöckner und Arbeitsminister Heil müssen das System Billigfleisch stoppen.