„Markus Frohnmaier – Ministerpräsident 2026“. Die AfD in Baden-Württemberg hat ihren Landtagswahlkampf auf den außenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion zugeschnitten. Sein Gesicht ziert Plakate und Sharepics in den sozialen Netzwerken. Doch Frohnmaier steht weder auf Platz 1 noch auf Platz 2 der Landesliste – er hat überhaupt keinen Listenplatz. Trotzdem setzt der Landesverband auf ihn. Mit seiner bundesweiten Bekanntheit und medialen Präsenz soll er den erhofften Wahlerfolg sichern. In Wahlumfragen hält die AfD stabile 20 Prozent.
Am 8. März findet die Landtagswahl im „Ländle“ statt. In der Debatte um die selbsternannte Alternative wird in Medien und Politik jedoch vor allem die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt diskutiert. Dort steht die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund bei 40 Prozent. Am 6. September könnte die AfD in Magdeburg die parlamentarische Macht bekommen. 40 Prozent im Osten, 20 Prozent im Westen – die möglichen Erfolge in den Landtagen dürften nicht nur regional, sondern auch bundesweit unterschiedliche Folgen haben. Die „Gefahr aus dem Osten“ sollte aber nicht die Gefahr im Westen überblenden.

Landtagswahlen 2026: AfD stoppen
In Sachsen-Anhalt hofft die AfD auf eine Alleinregierung und steckt 1,5 Millionen Euro in den Wahlkampf. Mit dem NoAfD-Fonds kontert Campact jeden Euro der Rechtsextremen.
7,7 Millionen vs. 1,8 Millionen
Denn die Prozentzahlen lenken vom Potenzial der Partei im Westen ab. In Baden-Württemberg können am Wahltag etwa 7,7 Millionen Menschen wählen, in Sachsen-Anhalt sind es knapp 1,8 Millionen Wahlberechtigte. Schon bei den letzten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 wies der damalige AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen auf diesen Unterschied der Stimmanteile hin. Damals stimmten in Baden-Württemberg fast 10 Prozent (etwa 475.000 Menschen) für die AfD, in Sachsen-Anhalt etwas über 20 Prozent (knapp 232.000 Menschen).
In beiden Bundesländern droht jetzt eine Verdopplung des prozentualen Wahlzuspruchs. In tatsächlichen Zahlen wird der Unterschied noch deutlicher: Während „10 Prozent aller Wahlberechtigten“ in Baden-Württemberg im Jahr 2021 noch 475.000 Menschen entsprach, sind diese 10 Prozent heute schon knapp 770.000 Menschen. 2026 könnten statistisch gesehen 1,5 Millionen Menschen in Baden-Württemberg für die AfD stimmen, in Sachsen-Anhalt etwa 720.000 Wähler*innen.
Plötzlich mehr Wähler*innen in BW?
Am 8. März 2026 sind voraussichtlich 7,7 Millionen Menschen in Baden-Württemberg wahlberechtigt – ein neuer Höchststand. Grund dafür ist eine Wahlrechtsänderung, die auch auch 16- und 17-Jährigen das Wählen erlaubt. Das Statistische Landesamt rechnet daher mit deutlich mehr Erstwahlberechtigten als bei vorherigen Landtagswahlen.
„Das muss man doch sagen dürfen“
Über beide Wahlentwicklungen müsste diskutiert werden. Die Fixierung auf den Osten scheint allerdings weiter der Annahme geschuldet, dass im Westen Rechtsextremismus nicht als so relevant gesehen wird. Eine Problemverlagerung, die zugleich entlastet: Rechtsextremismus ist immer woanders, Rechtsextreme sind immer die anderen. Anstatt dass die Mitte der Gesellschaft die bundesweite Realität reflektiert, wird die angespannte Situation ignoriert.
Diese Ignoranz lässt Ressentiments der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit als legitim und normal erscheinen. Im Westen wird so auch eine Normalisierung von „Das muss man doch sagen dürfen“ forciert. Der Wahlkampf der AfD für das Stuttgarter Parlament beginnt prompt mit Parolen wie „#JetztMalEhrlich“ oder „Du sieht es doch auch“. Eine Rhetorik, die klare Assoziationen wecken soll – und es auch tut. Frohnmaier präsentiert einschlägige Positionen lächelnd auf der Landeswebseite: „Illegale fürchten diesen Blick“. Und ohne ein Bild des Spitzenkandidaten: „Es sind zu viele“.
Die Angst vor dem Wohlstandsverlust
In den Wahlkämpfen könnte die Nähe der AfD zum US-Präsidenten Donald Trump und der MAGA-Bewegung Stimmen kosten, heißt es. Aus der AfD ist zu hören, die aggressive Abschiebepraxis von ICE in den USA könnte die Akzeptanz für „Remigrations“-Vorschläge mindern. Doch erschüttern die Tode von Alex Pretti und Renée Good in den Vereinigten Staaten die Fanbase in der Bundesrepublik?
Wahlanalysen legen nahe, dass weitere Motive zur Wahl der AfD führen: Die Idee, dass Leistung sich lohnen muss, und wer leistet, sich auch was leisten darf. Diese Logik der Privilegien, die impliziert, die Privilegien mehr als nur zu schützen. Sie impliziert die Abwehr und Abwertung der Leistungsschwachen. Eine politische Wohlstandsverwahrlosung, die besonders im Auto-Land Baden-Württemberg greift, wenn privater Wohlstand bedroht scheint. Schon bei der letzten Landtagswahl hätte man diese Verschiebung hin zum privat-kapitalistischen Denken im Westen stärker wahrnehmen müssen.
Die Verengung auf „den Osten“ ist auch eine Verdrängung. Gerade im gut situierten Baden-Württemberg feierte einst eine Partei jenseits der CDU große Erfolge: die Republikaner (REP). 1992 zogen sie mit 10,9 Prozent in den Landtag ein, 1996 mit 9,1 Prozent. Einer ihrer Wahl-Slogans damals: „Das Boot ist voll! – Schluß mit Asylbetrug“, die populistische Schrift- und Bildsprache entsprechend der üblichen Ressentiments. In keinem anderen Bundesland erzielten die Rechtsextremen damals solche Erfolge. Wohlstand schützt weder damals noch heute vor dem Extremismus der Mitte.