Stell Dir vor, Du bekommst am 1. Januar Dein gesamtes Jahresgehalt auf einmal. Du kaufst freudig ein und lässt es Dir über die Maßen gut gehen. Aber am 10. Mai ist Dein Konto leer. Alles Geld ist weg. Und für das restliche Jahr musst Du dich hoch verschulden. Man könnte auch sagen: Leben auf Pump.
Das Verhältnis zwischen Mensch und Erde ist ähnlich. Es ist kein Geheimnis, dass die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Doch der Mensch kann ein sehr gieriges Wesen sein und verbraucht mehr, als er sollte, um beispielsweise bequemen Wohlstand zu erhalten.
Der Earth Overshoot Day ist deshalb der Tag, an dem das „Jahresbudget“ der Erde aufgebraucht ist. Beispielsweise hatte Deutschland 2026 seine vorhandenen Ressourcen am 10. Mai eigentlich schon verbraucht. Seit den frühen 2000ern berechnet die US-NGO Global Footprint Network die hypothetische Erdüberlastung. Aber was bedeutet das genau?
Earth Overshoot Day: Nach uns die Sintflut?
In die hypothetische Rechnung des Global Footprint Network fließen viele Faktoren rein, doch die Frage dahinter ist relativ einfach: Wie viele wachsende oder regenerierende Ressourcen stellt die Erde jährlich bereit? Wie viel verbraucht der Mensch? Und, geht diese Summe auf?
Durch diese Rechnung lässt sich ein Tag im Jahr ermitteln: Der weltweite Überlastungstag, also der Earth Overshoot Day, fiel im vergangenen Jahr auf den 24. Juli 2025. Seit 1970, die NGO berechnete auch rückwirkend, klettert der Earth Overshoot Day im Kalender weiter nach vorne. Das zeigt, die Menschheit verbraucht natürliche Ressourcen deutlich schneller, als die Erde sich regenerieren kann. Wir überziehen massiv das ökologische Konto. Getreu dem Motto: Nach uns die Sintflut.
Was ist der Country Overshoot Day?
Manche Länder verbrauchen aber mehr als andere. Unter dem sogenannten Country Overshoot Day berechnet das Global Footprint Network die Frage: Wenn weltweit alle Länder ihre Ressourcen so verbrauchen würden, wie beispielsweise Deutschland – wann wäre die Erde aufgebraucht?
Zentral für die Berechnung ist die sogenannte Biokapazität. Das beinhaltet, wie viel Nahrung und Rohstoffe kann die Natur in diesem Land produzieren? Wie schnell regeneriert sie sich? Oder auch: Wie viel Abfälle kann die Natur aufnehmen?
Wichtig sind hierfür Wälder, die CO2 binden. Aber auch Ackerland für Nahrung, Meere für Fisch und Grasland für das Vieh. All das wird in Global-Hektar gerechnet. In die Gleichung fließen außerdem der ökologische Fußabdruck des Landes, die Zahl der Weltbevölkerung und 365 Tage, also ein Jahr.
Deutschlands Verbrauch fordert 2,8 Erden
Aus dieser Rechnung ergibt sich für jedes berechnete Land ein bestimmter Tag: der Country Overshoot Day. Katar führt die Liste im negativen Sinne an. Klimaanlagen, Meerwasserentsalzung, Infrastrukturen im Wüstenklima: Sollten die Menschen weltweit so viel verbrauchen wie Katar, wären am 4. Februar die jährlichen Ressourcen weg. So bräuchten wir nicht nur eine Erde – sondern neun.
Aber selbst Schweden mit seinen kilometerweiten Wäldern, klaren Seen und Flüssen steht schlecht da: Durch den sehr hohen Pro-Kopf-Verbrauch an Energie und Ressourcen, wäre die Erde am 4. April aufgebraucht. Mit schwedischem Verbraucherstil wären vier Erden nötig.
Und wie steht es um Deutschland? Laut dem Global Footprint Network wären am 10. Mai 2026 die weltweiten Ressourcen verbraucht und die Menschheit bräuchte statt einer insgesamt 2,8 Erden. Grund dafür sind unter anderem der hohe Lebensstandard, Mobilität und fossile, energieintensive Industrien. China, flächenmäßig das viertgrößte Land der Erde, schneidet nur minimal besser ab. Mit deren Verbrauch wären weltweit die Ressourcen am 27. Mai 2026 aus.
In der zweiten Jahreshälfte der Berechnung für den Earth Overshoot Day finden sich vor allem ressourcenärmere Länder, wie Aserbaidschan, der Libanon oder auch die Dominikanische Republik. Würden zum Beispiel alle Länder so verbrauchen wie Ghana, wäre weltweit der Ressourcen-Kontostand erst am 25. September auf Null. Honduras bildet am 27. November 2026 das Schlusslicht des Country Overshoot Day.
In welchen Bereichen könnte Deutschland Ressourcen einsparen?
Ressourcen zu schonen bedeutet nicht nur, sparsam mit ihnen umzugehen, sondern diese wertzuschätzen und Alternativen zu finden, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Dafür gibt es einfache Hebel, darunter auch: Mobilität. Zum Beispiel mehr öffentlicher Personennahverkehr, weniger Auto.
Ein weiterer großer Ressourcenverbraucher ist die Lebensmittelproduktion. Wir bauen Essen an, transportieren es, kühlen es, kaufen es und schmeißen es dann weg. Rund ein Viertel der gesamten deutschen Ackerflächen werden bewirtschaftet. Insgesamt 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in der Mülltonne – der größte Teil davon in privaten Haushalten. Auch die Ernährung spielt eine Rolle, denn Fleisch und Milchprodukte sind besonders klimaschädlich.
Dazu verursacht der Gebäudesektor in Deutschland rund 16 Prozent der Treibhausgasemissionen, meldet das Fraunhofer-Institut. Laut Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur könnte der Gebäudesektor sogar für bis zu 40 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich sein. Grund dafür ist die Wärmeversorgung durch Erdgas und Heizöl.
Die deutsche Industrie könnte 44 Prozent ihres Energieverbrauchs einsparen. Und zwar mit Technologien, die es längst gibt, etwa erneuerbare Energien. Stattdessen legt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter Katherina Reiche eine Kehrtwende hin und bremst erneuerbare Energien aus. Forschende und Expert*innen, die auf die gravierend negativen Folgen davon hinweisen, ignoriert Reiche.
Dabei steht Deutschland schon jetzt im Country Overshoot Day schlecht da – und wird durch Reiches Kurs weiter abrutschen. Denn der vermeintliche Wohlstand von heute, der Raubbau an Ressourcen, ist vor allem für die kommenden Generationen ein großes Problem. Dabei gäbe es so einige Möglichkeiten, um langfristig das Klima zu schützen und somit Ressourcen für die Zukunft zu schonen.
Als ehemalige Gas-Lobbyistin stellt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche die Klimaziele nicht nur spöttisch infrage. Ihr Ministerium bittet auch um wegweisenden Input vom Gas- und Energiekonzern EnBW. Statt zukunftsgerichtet und ressourcenschonend, setzt Reiche auf fossilen Rückschritt. Das macht uns nicht nur fassungslos, sondern wütend. Du auch? Dann mach mit und schließe Dich uns an!