Züge blieben liegen, Straßen wurden unbefahrbar und sogar der Flugverkehr in Hamburg lief nicht wie geplant – Hitze hatte den Beton auf einer Start- und Landebahn aufbrechen lassen. Mit Rekordtemperaturen von bis zu 41,7 Grad Celsius zog eine Hitzewelle über Deutschland hinweg, die mehr als deutlich gemacht hat, dass Deutschland darauf nicht eingestellt ist.
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Autobahnen explodieren oder werden weich
Straßen und Autobahnen überall im Land waren der Hitze nicht gewachsen. An mehreren Orten kam es zu sogenannten Blow-ups. Dabei dehnt sich der Beton so sehr, dass die Fahrbahndecke aufplatzt. Besonders bei hohen Geschwindigkeiten können die dadurch entstehenden Risse und Huckel zu tödlichen Unfällen führen. Einige Autobahnen mussten darum aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Besonders ältere Trassen sind davon betroffen, bei neu gebauten ist eine Ausdehnung mit berücksichtigt.
Bei Asphalt-Autobahnen, die etwa 75 Prozent aller Autobahnen ausmachen, gibt es keine Blow-ups, dafür aber ein anderes Problem: Durch die Sonneneinstrahlung kann die Fahrbahn auf mehr als 60 Grad Celsius aufheizen. Kühlt der Belag über Nacht nicht genug ab, wird das im Asphalt enthaltene Bindemittel Bitumen weich und kann an die Oberfläche treten. Unter der Last des Verkehrs können sich in der Folge Spurrinnen, Verdrückungen oder Aufwölbungen bilden – sogar Asphaltstücke können sich lösen. Auch hier besteht erhöhte Unfallgefahr.
Bahnfahren nicht sicher
Auf den Zug umzusteigen ist leider keine Alternative: Die Bahn selber riet am letzten Wochenende davon ab, die Bahn zu nutzen! Wegen der hohen Hitze konnten Kund*innen ihre vor dem 23. Juni gekauften Zugtickets kostenfrei stornieren. Das wirkt kulant, ist aber in Wahrheit reiner Selbstschutz. Schließlich muss die Bahn Schadensersatz für Verspätungen zahlen und sich um gestrandete Fahrgäste kümmern. Dazu kommt der Imageschaden, der umso größer wird, je mehr Menschen vergeblich auf ihre Züge warten.
Neben dem Ausfall von Klimaanlagen fürchtete die Bahn Probleme mit Weichen, Leit- und Sicherheitstechnik sowie Böschungsbrände. Außerdem sind viele Züge nicht auf hohe Temperaturen ausgerichtet. Die Klimaanlagen älterer ICE-Züge etwa halten nur bis 32 Grad – wenn sie welche haben. Gleiches gilt für Regionalzüge. Selbst relativ neue Züge können nicht immer den hohen Temperaturen standhalten: Jeder dritte Zug des Rhein-Ruhr-Express fiel wegen der Hitze aus. Ein Zug blieb sogar auf offener Strecke liegen – 475 Menschen mussten evakuiert werden.
Milliarden Kosten vs. Milliarden Schäden
Die Probleme machen deutlich, dass die Infrastruktur in Deutschland nicht gut vorbereitet ist. Die Regierungen haben die drohenden Szenarien nicht ernst genug genommen. Obwohl seit Jahrzehnten klar ist, auf welche Temperaturanstiege wir zusteuern und dass das mit Extremwettern wie Stürmen, Starkregen oder Hitze einhergeht, sind weder Straßen noch Züge und das Schienennetz darauf ausgelegt.
Gemeinsam gegen Gas-Lobby-Katharina

Die Klimakrise ist da – wir können sie nicht mehr verhindern, sondern nur noch eindämmen. Dafür sollten wir erneuerbare Energien ausbauen und so schnell wie möglich weg von fossilen Energien. Die schwarz-rote Bundesregierung mit ihrer Lobby-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche macht im Moment das genaue Gegenteil. Deswegen fordert Campact in einem Appell:
Was wir auf jeden Fall tun müssen, ist uns an die Folgen der schon nicht mehr zu verhindernden Erderwärmung anzupassen. Dafür müssen wir Milliarden ausgeben, klar, aber das ist viel besser als Milliarden durch kaputte Straßen und liegengebliebene Züge zu verlieren.
Hitzeschutzpläne und Zuständigkeiten
Für den Hitzeschutz vor Ort sind in Deutschland Städte und Kommunen zuständig. Die erstellen Hitzeschutzpläne, haben aber oft kein Geld, um sie auch umzusetzen. Weil der Bund bisher nur gewisse Förderungen vornehmen kann, ist eine Grundgesetzänderung nötig, die Hitzeschutz zum Teil von Krisenvorsorge und Katastrophenschutz macht. Dann könnte der Bund Hitzeschutzmaßnahmen besser finanzieren.
Dazu müsste die Regierung das Problem natürlich erstmal entsprechend wahrnehmen. Bisher war das nämlich nicht der Fall. So hat die Regierung in diesem Jahr ein Programm gestrichen, dass Pflegeheime, Kitas und Schulen die Möglichkeit gab, Umbaumaßnahmen vorzunehmen, die vor großer Hitze schützen.
Die Bund muss jetzt handeln
Bei Autobahnen und Bahnanlagen hat der Bund aber jetzt schon alle Möglichkeiten. Für die Autobahnen ist er direkt zuständig und das Schienennetz gehört auch dem Bund. Hier macht sich auch bemerkbar, dass die Bahn in den 2000er Jahren für den Börsengang zusammengespart wurde: Der aktuelle Investitionsrückstand wird auf 130 Milliarden Euro geschätzt.
Statt neue Autobahnen zu bauen, muss die Regierung die bestehenden Trassen extremwetterfest machen. Es muss mehr Geld in das Schienennetz fließen und alte Züge müssen so bald wie möglich ausgetauscht oder nachgerüstet werden. Das sind notwendige Investitionen, die Deutschland krisenfest machen. Das ist nicht nur gut für die Menschen und die Wirtschaft, sondern auch für die Demokratie. Denn ein Staat, der Probleme in den Griff bekommt, hat viel mehr Rückhalt in der Bevölkerung als einer, der sich darüber zerstreitet. Das ist in Zeiten von Klimakrise und Extremwetter noch wichtiger als ohnehin schon.