Ob im Familienchat, am Arbeitsplatz, auf der Straße, in Kommentarspalten oder in der Kneipe: Stammtischparolen und rechte Parolen werten ab, bauen Feindbilder auf, brechen Tabus und fordern ein „Wir gegen die Anderen“.
Oft kommen sie als einfache Sprüche daher, aber verbreiten Vorurteile, Ausgrenzung und Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen. Und damit stellen sie demokratische Grundwerte infrage.
Gegenrede heißt: Du schweigst nicht, wenn jemand andere Menschen abwertet. Du musst nicht jedes Gespräch gewinnen und jede Stammtischparole kontern. Aber Du kannst widersprechen, nachfragen und signalisieren: Diese Aussage bleibt nicht unwidersprochen.
In der Reihe „Wie Rechte reden“ analysieren Johannes Giesler und Maria Timtschenko:
- wie rechte Sprache und rechtsextreme Aussagen funktionieren,
- wie Du sie erkennst,
- welche Gegenrede-Strategien helfen,
- und wie Du auf typische Parolen konkret antworten kannst.
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Stammtischparolen kontern: Fünf Gegenrede-Strategien
„Die Politiker …“, „Die Ausländer …“, „Die Bürgergeldempfänger …“ – Stammtischparolen leben von Populismus, Verallgemeinerung und Abwertung. Ihnen zu widersprechen, ist nicht immer einfach. Aber wichtig.
Dafür brauchst Du keine perfekten Argumente. Meistens helfen schon kurze Reaktionen, klare Fragen und eine sichtbare Haltung. Warum sich Gegenrede lohnt, liest Du hier.
1. Nachfragen
„Was meinst Du damit genau?“
„Wen meinst Du mit ‚die‘?“
„Kannst Du ein konkretes Beispiel nennen?“
2. Pauschalisierungen stoppen
„Das ist eine starke Verallgemeinerung.“
„So kann man nicht über eine ganze Gruppe sprechen.“
3. Eigene Werte benennen
„Mir ist wichtig, dass wir Menschen nicht abwerten.“
„Kritik ist okay – Hetze gegen Gruppen nicht, weil das einer offenen Demokratie widerspricht.“
4. Grenzen setzen
„Ich diskutiere gern, aber nicht auf Kosten anderer Menschen.“
„Diese Aussage ist rassistisch. So möchte ich nicht weiterreden.“
Klare Regeln strukturieren das Gespräch. Bewusste Gesprächsführung verhindert Eskalation. Und wenn nichts hilft: Gespräch beenden.
5. An Andere denken
Gegenrede überzeugt Dein Gegenüber nicht immer. Aber sie zeigt Betroffenen und Mitlesenden: Du bist nicht allein. Diese Parole bleibt nicht unwidersprochen. Mehr Hintergründe: Warum Gegenrede gegen rechte Aussagen wichtig ist
Rechte Sprache erkennen
Ob „Remigration“, „Großer Austausch“ oder „Frühsexualisierung“: Wie Menschen sprechen und welche Begriffe sie nutzen, daraus lässt sich eine Menge ablesen. Schon die Nationalsozialisten haben bestehende Begriffe umgedeutet (Lies hier mehr zu Nazi-Sprech, der heute noch verwendet wird). Auch die AfD beherrscht es, die „Grenzen des Sagbaren“ zu verschieben.
Aber woran kannst Du rechte Sprache erkennen? Rechtsextreme nutzen wiederkehrende Strategien: Sie spalten die Gesellschaft in ein angebliches „Wir“ und „die Anderen“. Sie grenzen aus, klagen an, deuten Begriffe um und tarnen Diskriminierung als Sorge oder Meinungsfreiheit. Wer diese Muster erkennt, kann besser reagieren.
Häufige Muster rechter Sprache:
- Sie baut Feindbilder auf.
- Sie macht Minderheiten für Probleme verantwortlich.
- Sie verkauft Tabubrüche als Mut.
- Sie stellt Kritik als „Zensur“ dar.
- Sie tarnt Diskriminierung als „Sorge“.
- Sie stellt demokratische Institutionen infrage oder macht sie lächerlich.
„Wie Rechte reden“
In der Campact-Reihe „Wie Rechte reden“ analysieren Johannes Giesler und Maria Timtschenko rechte Aussagen, Narrative und Strategien. Die Beiträge zeigen, wie rechte Sprache funktioniert und warum eine Demokratie Gegenrede braucht.
Warum Gegenrede wichtig ist
Sollte man rechten Aussagen widersprechen – oder macht man sie dadurch nur größer? Dieser Beitrag erklärt, warum Gegenrede wichtig ist: Sie ist eine Chance, Rassismus und rechtsextreme Aussagen nicht unwidersprochen stehen zu lassen.
Wenn sich Queerfeindlichkeit als Sorge tarnt
Rechte und rechtspopulistische Akteure verpacken Ausgrenzung oft als Schutzbehauptung: Es gehe angeblich um Kinder, Familie oder Normalität. Dieser Beitrag zeigt, wie solche Parolen funktionieren – und woran Du die Strategie dahinter erkennst.
Weitere Beiträge von „Wie Rechte reden“
An jedem 1. eines Monats findest Du neue Analysen von „Wie Rechte reden“ zu rechter Sprache, rechtsextremen Narrativen, Stammtischparolen und demokratischer Gegenrede im Campact-Blog.
Häufige Fragen und Antworten zu Gegenrede und Stammtischparolen
Gegenrede bedeutet, menschenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen, queerfeindlichen oder demokratiefeindlichen Aussagen zu widersprechen. Der englischsprachige Begriff „Counterspeech“ (deutsch: Gegenrede) bezeichnet Strategien, um auf Hass im Netz zu reagieren. Durch die Gegenrede merken Hater*innen im besten Fall, wie daneben ihr Kommentar war. Dazu sehen auch andere Menschen, dass diese Aussage nicht allgemeingültig ist.
Gegenrede richtet sich nicht nur an die Person, die eine rechte Parole sagt. Sie ist genauso wichtig für andere, die mithören oder mitlesen. Gegenrede macht sichtbar, dass rechte Sprache, Hassrede und Stammtischparolen nicht normal sind.
Ein Stammtisch kann schön sein. Menschen kommen zusammen, tauschen sich aus. Stammtischparolen haben damit nichts mehr gemein.
Stammtischparolen sind pauschale, zugespitzte Aussagen, die komplizierte Probleme vermeintlich einfach erklären. Sie arbeiten oft mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen und einem Gegensatz zwischen „Wir“ und „die Anderen“. Solche Parolen fallen aber nicht nur am Stammtisch. Sie tauchen in Familienfeiern, Chats, Schulen, Betrieben, Kommentarspalten oder auf der Straße auf.
Beispiele für typische Muster:
- „Man wird ja wohl noch sagen dürfen …“
- „Die da oben machen doch sowieso, was sie wollen.“
- „Ich habe ja nichts gegen … , aber …“
- „Früher war das noch normal.“
- „Das ist doch keine Diskriminierung, das ist nur Meinung.“
Die Reihe „Wie Rechte reden“ zeigt an konkreten Beispielen, wie solche Parolen funktionieren.
Hilfreich sind Nachfragen, klare Grenzen und kurze Gegenrede. Du kannst zum Beispiel fragen: „Was meinst Du genau?“, „Wen meinst Du mit die?“ oder „Woher hast Du diese Information?“. Je nach Situation hilft es auch, die Parole zu unterbrechen und das Gespräch auf eine sachliche Ebene zu lenken.
Rechtsextreme werten Menschen ab, konstruieren Feindbilder und stellen demokratische Grundwerte infrage – auch in ihrer Sprache. Sie nutzen oft Kampfbegriffe, Tabubrüche und ein „Wir gegen die Anderen“-Denken, wobei ihre Vertreter meist ein angeblich einheitliches Volk gegen andere Gruppen in Stellung bringen.
Gegenrede lässt sich üben. Bevor Du direkt am Gartenzaun mit der Nachbarin oder dem Nachbarn in die Konfrontation gehst, gibt es andere leichtgewichtigere Möglichkeiten. Gerade im Internet kannst Du erst durchatmen, Dich kurz vorbereiten und dann reagieren – zum Beispiel indem Du die Aussage anzweifelst, sie mit Fakten widerlegst oder es mit Humor versuchst.
Oft wird Gegenrede auch im politischen Bildungsbereich – zum Beispiel in der Erwachsenenbildung – eingeübt. Das Argumentationstraining gegen Stammtischparolen hat Dr. Klaus-Peter Hufer geprägt. Er ist außerplanmäßiger Professor an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen.
Argumentationstraining stärkt rhetorische Fähigkeiten und Selbstsicherheit. Die Teilnehmer*innen üben das in spielerischen Auseinandersetzungen. Die richtigen Taktiken und Argumente zu kennen kann helfen: im Gespräch, online, am Arbeitsplatz, in der Schule oder auf Familienfeiern.
Rechte Parolen nicht unwidersprochen lassen
Ganz wichtig: Gegenrede braucht keine perfekten Argumente, sondern Haltung. Sie braucht Menschen, die kontern, wenn jemand andere abwertet. Die Beiträge aus „Wie Rechte reden“ helfen Dir, rechte Sprache zu erkennen und im Alltag handlungsfähig zu bleiben.