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5-Minuten-Info

Keine neuen Tagebaue!

Klimaschutz statt Kohlestrom

In ihrem Wahlprogramm hat die Brandenburger Linke festgelegt, dass es keine neuen Tagebaue mehr geben solle. In der Opposition beteiligte sie sich im vergangenen Winter sogar noch an einem Volksbegehren, das einen mittelfristigen Ausstieg aus der Braunkohle vorsah. Doch gleich in der ersten Runde der Koalitionsverhandlungen ist die Partei vor der SPD und dem Energiekonzern Vattenfall eingeknickt: Anstelle eines Ausstiegs aus der Braunkohle soll jetzt die Energiepolitik der alten Landesregierung fortgeschrieben werden.

Kohlekraftwerk

Es gibt gute Gründe gegen neue Braunkohletagebaue: Die Braunkohlenutzung ist die umwelt- und klimaschädlichste Form der Energieerzeugung überhaupt. Mit jedem Tagebau werden ganze Dörfer und ihr Lebensumfeld weggebaggert. Naturschutzgebiete von europäischer Bedeutung werden zerstört und der Grundwasserhaushalt im Braunkohlegebiet Lausitz massiv beeinträchtigt.

Dabei brauchen wir die neuen Tagebaue gar nicht: In den bereits genehmigten Gruben des Lausitzer Kohlereviers stehen noch rund 1,3 Milliarden Tonnen Kohle zur Verfügung – genug für die Stromerzeugung in den Brandenburger Kraftwerken bis in die 2030er Jahre. Dann muss die Produktion von Strom aus Kohle ohnehin auslaufen, wenn die Bundesrepublik die Klimaschutzziele ernst nimmt, die sie sich selbst auferlegt hat – minus 80 bis 95 Prozent bei Treibhausgasen.

Letztlich schaden Grundlastkraftwerke, und dazu zählen Braunkohlekraftwerke, die sich nur schwer regeln lassen, sogar dem Umstieg auf Erneuerbare Energien: Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, müssen andere Kraftwerke ihre Leistung reduzieren, denn im Stromnetz hat immer nur so viel Strom Platz, wie gerade verbraucht wird. Die anderen, weniger klimafreundlichen Kraftwerke müssen sich an die Erneuerbaren anpassen können. Doch Braunkohlekraftwerke gehören zu den unflexibelsten fossilen Kraftwerken. Sie brauchen zu lange, um ihre Stromproduktion zu regulieren und verhindern dadurch, dass die Erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden können.

Braunkohlebagger

Foto: cheesy42, flickr

Braunkohle ist der klimaschädlichste Energieträger überhaupt

Braunkohle zerstört nicht nur Landschaften, sie ist auch ein lausiger Brennstoff: Der Brennwert ist niedrig, der Wassergehalt hoch. Deshalb entsteht bei keiner anderen Form der Energieerzeugung so viel Kohlendioxid wie bei der Braunkohleverstromung. Das Öko-Institut hat die Gesamtemissionen von nuklearen, fossilen und erneuerbaren Technologien zur Strombereitstellung über ihren gesamten Lebenszyklus untersucht (Studie Öko-Institut). Bis zu 1.200 Gramm von dem Treibhausgas stoßen demnach deutsche Braunkohlekraftwerke pro erzeugter Kilowattstunde Elektrizität aus. Bei Steinkohlekraftwerken sind es nach Berechnungen des Öko-Institutes 949 Gramm je Kilowattstunde, bei einem modernen Erdgaskraftwerk sind es 428 Gramm Kohlendioxid. Bei einem Windpark sind es dagegen nur 24 Gramm.

Allein die beiden brandenburgischen Braunkohlekraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe stoßen jedes Jahr rund 36 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid aus. Jänschwalde pumpt genauso viel CO2 in die Luft, wie alle 283 in den Emissionshandel einbezogenen Betriebe und Kraftwerke in Bayern. Das macht das kleine Land Brandenburg zum zweitgrößten Treibhausgasproduzenten in Deutschland und weltweit zu einem der größten Emittenten auf kleinstem Raum. In Brandenburg werden derzeit rund 23 Tonnen CO2 pro Einwohner/in im Jahr produziert (bei Berücksichtigung des Stromexports immer noch 14 Tonnen), ökologisch nachhaltig wären aber nur zwei Tonnen.

Kohlekraftwerk mit Tagebau

Braunkohletagebaue zerstören gewachsene Dörfer

Allein in der Lausitz haben in den vergangenen 80 Jahren mehr als 30.000 Menschen ihre Heimat verloren, weil sie einem Tagebau weichen mussten. 136 Orte verschwanden ganz oder teilweise von der Landkarte. Umsiedlungen stellen für die Betroffenen eine komplexe Veränderung ihres sozialen Umfeldes dar. Wer sich umsiedeln lässt, erleidet zwar aus materieller Sicht keinen Nachteil. Der Verlust der eigenen Heimat lässt sich jedoch mit Geld nicht ersetzen. Dabei hatte der frühere SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe versprochen, Horno sei der letzte Ort in Brandenburg, dessen Bevölkerung den Braunkohlebaggern weichen müsse.

Braunkohletagebaue zerstören Naturschutzgebiete

Der Aufschluss neuer Tagebaue bedroht empfindliche Naturschutz-, Flora-Fauna-Habitat- und Wasserschutzgebiete, darunter geschützte Moore, Feuchtgebiete und Vogelbrutplätze. Entweder liegen Naturschutzflächen und Biotope direkt auf dem Gebiet der geplanten neuen Tagebaue. Oder ihnen drohen durch die mit dem Tagebau einhergehende Grundwasserabsenkung schwere Schäden, z.B. ein vermehrtes Baumsterben, die Austrocknung und Zersetzung wertvoller Moore und die Beschleunigung des Aussterbens von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten.

Ort des Kohlekraftwerks

Foto: Kai Löffelbein

CO2-freie Braunkohleverstromung wird es so bald nicht geben

Der Vattenfall-Konzern tut so, als ließe sich die Braunkohle in Brandenburg in absehbarer Zeit "CO2-frei" verstromen. Er verweist dabei auf das CCS-Verfahren (Carbon Dioxide Capture and Storage), das derzeit im Kraftwerk Schwarze Pumpe erprobt wird. Das Kohlendioxid soll dabei unter großem Energieaufwand aus den Abgasen abgeschieden und unter die Erde gepresst werden. Derzeit ist noch völlig ungeklärt, ob sich CCS jemals wirtschaftlich wird einsetzen lassen und ob das Verfahren technisch funktioniert. Wer heute so tut, als sei CCS ein Allheilmittel für die klimafeindliche Braunkohleverstromung, streut den Menschen Sand in den Augen. CCS ist eine Technologie mit vielen Fragezeichen, deren großindustrielle Tauglichkeit ebenso in den Sternen steht wie ihre Wirtschaftlichkeit. Mehrere CCS-Projekte – u.a. in den USA und Norwegen – wurden inzwischen aus Kostengründen gestoppt. Unklar ist auch, ob es ausreichend Speicherkapazitäten für Kohlendioxid gibt. So hat sich auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung berät, sehr skeptisch zu dieser Technologie geäußert. In den Regionen, wo das CO2 verpresst werden soll – in Brandenburg sind der Oderbruch und die Gemeinden Beeskow und Neutrebbin im Gespräch – gibt es massiven Protest gegen die unterirdischen Gaslager.

Weitere Informationen zum Braunkohletagebau unter www.lausitzer-braunkohle.de

Tagebau mit Braunkohlekraftwerken und Schaufelradbagger

Raimond Spekking/Wikipedia

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