Kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern warnt die Kampagnen-Organisation Campact vor einer AfD-geführten Landesregierung und ruft Wähler*innen zur strategischen Wahl der Grünen auf, um eine demokratische Mehrheit zu sichern. Für die AfD könnte es mit Unterstützung des BSW im Schweriner Landtag zu einer Mehrheit reichen, wenn die kleineren demokratischen Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Campact kritisiert deshalb die Zuspitzung des Wahlkampfs auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD.
Christoph Bautz, geschäftsführender Vorstand von Campact e.V.: “Manuela Schwesigs Slogan ‚Die Frau gegen Blau‘ könnte am Ende das komplette Gegenteil bewirken und den Blauen zur Regierungsmacht verhelfen. Entscheidend ist nicht, wer am Ende stärkste Kraft wird, sondern dass genügend demokratische Kräfte im Landtag vertreten sind. Daher gilt: Wer am 20. September eine AfD-geführte Landesregierung sicher verhindern will, sollte die Grünen wählen.”
Eine repräsentative Umfrage von Pollytix im Auftrag von Campact zeigt, wie knapp die Lage ist: Die AfD liegt aktuell bei 36 Prozent, die SPD bei 30 Prozent und die Linke bei zwölf Prozent. Bündnis 90/Die Grünen und die CDU kommen auf jeweils sechs Prozent, das BSW liegt bei fünf Prozent. Scheitern die kleineren demokratischen Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde, könnten AfD und BSW gemeinsam knapp vor SPD und Linke liegen.
Schon bei früheren Landtagswahlen hatte die Konzentration des Wahlkampfs auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der stärksten demokratischen Partei und der AfD problematische Folgen für die Zusammensetzung der Parlamente. Bei der Landtagswahl in Brandenburg 2024 verpassten Grüne und Linke aufgrund einer solchen Dynamik für Dietmar Woidke von der SPD den Einzug in den Landtag. Dies verschaffte der AfD eine Sperrminorität im Landtag. Campact warnt davor, dass sich ein solcher Effekt in Mecklenburg-Vorpommern noch gravierender auswirken kann – und eine AfD-Regierung möglich macht.
Auch wenn der Einzug einer weiteren demokratischen Partei – Bündnis 90/Die Grünen oder CDU – nach den aktuellen Umfragen ausreichen würde, um eine Mehrheit von AfD und BSW zu verhindern, empfiehlt Campact nur die Wahl der Grünen. Ausschlaggebend dafür ist die Haltung der Parteien zur Brandmauer.
Christoph Bautz: “Wir geben eine Wahlempfehlung für die Grünen ab, weil sie aus unserer Sicht verlässlich für die Brandmauer stehen. In der CDU Mecklenburg-Vorpommern bringen Einzelne immer wieder eine Zusammenarbeit mit der AfD ins Spiel – und bei der Brandmauer gegen die Rechtsextremen braucht es Verlässlichkeit. Nach dem Wahlausgang in Sachsen-Anhalt dürfen wir nicht darauf hoffen, dass es schon irgendwie gut geht.”
Insgesamt investiert Campact 150.000 Euro in die “Strategisch-wählen-Kampagne” in Mecklenburg-Vorpommern. Mit Anzeigen, 8.250 Plakaten und 195.000 Postwurfsendungen richtet sich die Kampagne direkt an die Wähler*innen. Die Ausgaben werden laut Gesetz wie eine Spende an Bündnis 90/Die Grünen behandelt, es fließt allerdings kein Geld an die Partei. Campact finanziert damit ausschließlich die eigene Kampagne. Die Mittel stammen aus dem NoAfD-Fonds, den Campact im Herbst vergangenen Jahres eingerichtet hat und der aus Spenden von mehr als 75.000 Menschen finanziert wird.
Weiterführende Hinweise:
Weitere Informationen zur Strategisch-wählen-Kampagne in Mecklenburg-Vorpommern sowie dem NoAfD-Fonds gibt es hier:
https://www.campact.de/strategisch-waehlen/mecklenburg-vorpommern-2026/
https://www.campact.de/rechtsextremismus/no-afd-fonds/
Die Pollytix-Befragung wurde im Auftrag von Campact im Vorfeld der Landtagswahl im Zeitraum vom 8. und 9. September 2026 unter 1.252 Wahlberechtigten durchgeführt.