Campact verbindet 2.208.966 engagierte Menschen. Werden auch Sie Teil dieses Netzwerkes!

Stellungnahmen von Abgeordneten des Agrarausschusses

Mehrere Abgeordnete haben auf unseren Appell für eine massive Reduktion von Antibiotika in der Tierhaltung mit einer Stellungnahme geantwortet. Hier sind sie zu lesen.

Dr. Wilhelm Priesmeier, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, bei einer Rede im Bundestag.

Dr. Wilhelm Priesmeier, agrarpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag

Auszüge aus dem Brief von Herrn Dr. Priesmeier, den Sie mit einem Klick auf den Link unten in voller Länge lesen können:

"(...) Bereits im Herbst 2011 hat die SPD-Bundestagsfraktion ihren Antrag "Antibiotika in der Tierhaltung senken und eine wirksame Reduktionsstrategie umsetzen" (Drs. 17/8157) und ihre Ideen für ein effektives Antibiotika-Minimierungskonzept vorgelegt. Mittlerweile haben wir fast ein Jahr verloren, denn die Bundesregierung hat zu langsam gehandelt. Der nun von der schwarz-gelben Koalition vorgelegte Entwurf für die Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) reicht nicht aus, um die Situation zeitnah zu verbessern."

"Die Bundesregierung will den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung künftig lediglich stärker beobachten, statt ihn drastisch zu senken. Die SPD fordert die vollständige Transparenz beim Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Dazu müssen die Antibiotika-Verbrauchsmengen in allen landwirtschaftlichen Nutztierhaltungsanlagen erfasst werden. Ein novelliertes Arzneimittelgesetz muss Milchkühe, Legehennen und Fischzuchten einbeziehen. (...)"

"Die SPD fordert ein Antibiotika-Minimierungskonzept mit klaren und eindeutigen Zielvorgaben, an denen sich Landwirte und Tierärzte orientieren können. Wir fordern daher, dass in den kommenden zwei Jahren der Verbrauch von Antibiotika in der deutschen Tierhaltung um 30 Prozent gesenkt wird. (...)"

Foto des Grünen Abgeordneten und agrarpolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion Friedrich Ostendorff

Friedrich Ostendorff, Agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Bundetag

"Zu spät, zu wenig- der Gesetzentwurf der Bundesregierung ist völlig unzureichend. Dem selbst formulierten Anspruch, die Antibiotikamengen in der Tierhaltung zu reduzieren, werden die vorgelegten Maßnahmen in keiner Weise gerecht.

Die vorgesehenen Reduktionsmaßnahmen verdienen diesen Namen nicht. Grundlage für die Maßnahmen sollen die durchschnittlichen Behandlungstage aus dem letzten halben Jahr sein. Wenn ein Tierhalter die so ermittelte Kennzahl überschritten hat, muss er einen Reduktionsplan erarbeiten. Sein Ziel ist es dann, den Durchschnittswert wieder zu erreichen. Wir sagen: Es kann nicht das Ziel eines Reduktionsgesetzes sein, den Status Quo zu zementieren. Der Durchschnittsverbrauch ist der Skandal. Wir müssen endlich den massenhaften prophylaktischen Antibiotikaeinsatz beenden.

Hinzu kommt, dass wahrscheinlich erst 2015 erste Reduktionsmaßnahmen angeordnet werden - viel zu spät angesichts von zuletzt eingesetzten 1734 Tonnen Antibiotika. Es ist verantwortungslos, die Feuerwehr erst eingreifen zu lassen, wenn das Haus fast abgebrannt ist.

Der Umbau der Haltung ist die entscheidende Aufgabe bei der Drosselung des Antibiotikaeinsatzes. Dieser Aufgabe stellt sich die Bundesregierung nicht. Wenn tausende von Tieren, die ausschließlich auf schnelle Gewichtszunahme gezüchtet sind, in drangvoller Enge zusammenstehen, dann ist permanenter Antibiotikaeinsatz die logische Konsequenz. Das ist verantwortungslos gegenüber den geschundenen Tieren, aber auch gegenüber den Menschen, die immer stärker von multiresistenten Keimen und Antibiotika-Knappheit bedroht sind."

Harald Ebner, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Auszug aus dem Brief von Herrn Harald Ebner, den Sie mit einem Klick auf den Link unten in voller Länge lesen können:

"Ich danke allen Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern, dass sie die CAMPACT-Petition „Keine Killerkeime auf meinen Teller!“ unterstützen. Wie akut der Handlungsbedarf bei diesem Thema ist, zeigt auch das Ergebnis eines aktuellen Tests im Auftrag der Grünen Bundestagsfraktion, wo die Belastung von Schweinemett mit antibiotikaresistenten Keimen untersucht wurde: In nahezu jeder sechsten Probe wurden Enzyme (ESBL) von solchen Bakterien gefunden, zu denen auch Krankheitserreger wie Salmonellen, Klebsiellen oder Escherichia coli gehören. Im vergangenen Jahr haben weitere Stichprobenuntersuchungen von Schweinefleisch und Geflügel bei 40 bzw. 50 Prozent der Proben eine Belastung mit antibiotikaresistenten Keimen bzw. deren Enzyme ergeben (u.a. Tests vom BUND und vom Stern/Stern TV). Einige Bakterientypen, die ESBL bilden, sind bereits gegen wichtige Reserve-Antibiotika für die Humanmedizin resistent. Damit gefährdet der massive Antibiotika-Missbrauch in der Tierhaltung auch die menschliche Gesundheit - bis hin zu Menschenleben! (...)"

Die Abgeordnete des Bundestags der Linken und Obfrau ihrer Fraktion im Agrarausschuss, Karin Binder, im Berliner Regierungsviertel.

Karin Binder, Obfrau der Fraktion der Linken im Agrarausschuss des Bundestags

Liebe Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Campact-Petition,

auch ich will keine Killerkeime auf meinem Teller. Der Antibiotika-Einsatz in Ställen muss schnellstmöglich und drastisch verringert werden. Der von der schwarz-gelben Bunderegierung vorgelegte Gesetzentwurf zur Novelle des Arzneimittelgesetzes wird das Problem nicht beseitigen. Die Vorlage wird kaum dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zu senken. Es müssen nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen beseitigt werden.

Das gesundheitliche Risikos eines allzu leichtfertigen Antibiotika-Einsatzes im Stall ist für Mensch und Tiere viel zu hoch. DIE LINKE fordert deshalb, den Einsatz von Antibiotika bei Bestandsbehandlungen konsequent auf Ausnahmesituationen zu beschränken. Zusätzlich ist eine begleitende tierärztliche Betreuung der Tierbestände in allen Produktionsstufen unerlässlich. Im Kampf gegen den zu hohen Antibiotika-Verbrauch müssen auch die Tierärzte als Fachleute stärker eingebunden werden. Sie sollten alle Daten erfassen und an die Behörden melden.

Gleichzeitig brauchen wir auch eine deutlich verbesserte Seuchenkunde in Ausbildung und Forschung. Zur weiteren Bekämpfung der Ursachen solcher Erkrankungen in Nutztierbeständen, die Antibiotika-Einsätze erforderlich machen, muss das Wohl des Tieres im Vordergrund stehen und nicht der Profit. Dazu gehören auch verbindliche Regelungen für artgerechte Tierhaltungsbedingungen. Nicht zuletzt müssen Verstöße gegen die Vorschriften im Arzneimittelgesetz konsequenter verfolgt und geahndet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Binder