„Mama, ich hab Angst vorm Sommer“ heißt der Song von Marlo Grosshardt, den ich vor ein paar Wochen in Dauerschleife gehört habe. Denn es war unerträglich heiß, jeden Tag und jede Nacht wurde der Hitzerekord vom Vortag geknackt. Über 40 Grad in Deutschland am letzten Juni-Wochenende. Die erste große Hitzewelle 2026.
In diesen Tagen habe ich die Nachrichten verfolgt und zum Beispiel Bilder aus Frankreich gesehen, wo bereits das Wasser knapp wurde. Und ich habe genau das gefühlt, was Marlo in seinem Song beschreibt: Angst vorm Sommer.
Trockenheit, Waldbrände, Tote
Denn eins war schon klar: Das war eben nur die erste Hitzewelle in diesem Sommer. Marlo singt weiter: „In Kanada brennen die Wälder – ja, in New York geht keiner mehr raus“. Genau diese Bilder habe ich dann wenig später gesehen. Aber nicht nur in Kanada brennen die Wälder, sondern auch in Spanien, Frankreich, Griechenland und hier in Deutschland. Wälder, die noch nicht einmal annähernd eine Chance hatten, sich vom letzten Brand zu erholen, stehen wieder in Flammen. Großstädten droht die Evakuierung, Existenzen werden vom Feuer verschluckt. Riesige Waldbrände sind längst keine weit entfernte, diffuse Gefahr mehr.
Letzte Woche hat das Robert-Koch-Institut Zahlen dazu veröffentlicht, wie viele Menschen dieses Jahr bereits an der Hitze gestorben sind – mehr als 10.000. Eine gigantisch große Zahl, vor allem für Ende Juli. Während ich wie viele andere einfach nur wütend und fassungslos war, habe ich mich auch gefragt: Was sagt eigentlich die Bundesregierung dazu? Zu dieser Katastrophe, die sich hier gerade vor unseren Augen nicht nur abspielt, sondern auch immer und immer schlimmer wird? Fragt man Bundeskanzler Merz, was er und die Bundesregierung gegen die Hitze machen, dann reicht es laut ihm aus, das Wetter zu beobachten. An diesem Punkt kann mir keiner mehr sagen, dass der Kanzler nicht verstanden hat, was hier passiert. Dass das die Klimakrise ist. Er ignoriert diese Krise bewusst.
Hitze ist politisch
Marlo fragt in seinem Song auch: „Kann mir bitte jemand sagen, was wir machen, wenn das hier so weiter steigt?“ – Ja, was machen wir? Wo ist die Klimabewegung? Wo sind die Leute, die solche Aussagen vom Bundeskanzler und diese lebensbedrohliche Krise nicht einfach so hinnehmen?
Diese Menschen standen Ende Juni mit uns im Invalidenpark, und sie standen gestern, am 6. August, mit uns vor dem Kanzleramt.
Diese Hitze ist politisch. All das kann nur passieren, weil die letzten Jahrzehnte von durch und durch fossiler Politik geprägt waren. Weil in Kohle, Öl und Gas investiert wurde und immer noch daran festgehalten wird. Weil Politiker*innen ihre Verantwortung für unsere Zukunft – und unsere Gegenwart – nicht ernst nehmen.
Deshalb haben wir, als es so richtig heiß war, Kundgebungen als Reaktion auf die Hitze organisiert. Um Raum zu geben für alle, die von der Hitze betroffen sind, und um uns Raum zu nehmen, um darüber zu sprechen. Um zusammenzukommen, gemeinsam wütend und laut zu sein, zu tanzen, aber auch einfach mal zu weinen. Um am Ende die Angst in Hoffnung zu verwandeln, weil noch nicht alles verloren ist.
Recht auf Zukunft statt Angst vorm Sommer
Vor fünf Jahren wurde uns vor dem Bundesverfassungsgericht das Recht auf Zukunft zugesprochen. Es ist die Verantwortung der Bundesregierung, dass wir das wahrnehmen können.
Es ist eigentlich ganz einfach: Eine Bundesregierung, die es mit Menschenleben ernst meint, würde handeln, sie würde Solidarität zeigen mit allen Betroffenen dieser Hitze. Eine Bundesregierung, die den Ernst der Lage nicht wissentlich ignoriert, würde handeln. Sie würde zum Beispiel eine Wirtschaftsministerin entlassen, die Gesetze für fossile Konzerne macht. Sie würde Klimaziele verschärfen und wieder richtig kontrollieren. Sie würde alles dafür tun, dass der nächste Sommer nicht gleich wieder alle Hitzerekorde bricht. Sie würde ihren verdammten Job machen.
Während ich die letzten Zeilen hier schreibe, höre ich nochmal Marlos Song. Spüre die Angst, die Wut, aber auch die Hoffnung. Der wirksamste Schutz vor Hitze ist Klimaschutz. Und der ist kein Nice-to-have, der ist überlebenswichtig. Der ist auch unser Recht. Ich habe wirklich keinen Bock, dass jeder Sommer für den Rest meines Lebens so heiß wird. Und erst recht nicht, dass es noch heißer wird. Deshalb sind wir gestern auf die Straße gegangen, und deshalb werden wir weitermachen. Weil eine andere Welt möglich ist.
Text: Nele Evers, Fridays for Future Berlin
Der diesjährige Sommer zeigt nur den Anfang dessen, was uns in den nächsten Jahren erwarten wird. Campact unterstützt deshalb die Petition von GermanZero, die fordert, dass Investitionen dorthin fließen, wo sie das Klima und Menschen vor Hitze schützen. Die konkreten Forderungen: Zweckentfremdung des Klimafonds stoppen, keine Kürzungen bei der Förderung für Wärmepumpen mit Kühlfunktion und ein Hitze-Sofortprogramm! Über 130.000 Menschen haben sich der Petition bereits angeschlossen. Sei auch Du dabei: