
Die Debatte um Smartglasses (auch: Smart Glasses) reißt nicht ab. Tech-Enthusiasten hoffen, dass die smarten Brillen ihren Alltag erleichtern. Datenschützer*innen sorgen sich um persönliche Daten und das Recht am eigenen Bild. Mittendrin stehen die Menschen, die mit den Brillen filmen und genau damit diese Sorgen auslösen.
Hype um Smartglasses beginnt gerade erst
Marktforschungsunternehmen schätzen für das erste Halbjahr 2026 einen weltweiten Absatz von 4,2 Millionen Smartglasses – ein Plus von 127 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei gibt es bisher nur wenige Modelle. Marktführer ist eine Brille, die die Marke Ray-Ban gemeinsam mit Meta anbietet, dem Mutterkonzern von Facebook und Instagram. Apple, Samsung und Google wollen in den nächsten Monaten nachziehen und eigene Brillen auf den Markt bringen.
Viele Smartglasses haben nicht nur Kameras. Sie nutzen auch künstliche Intelligenz (KI), die zum Beispiel Objekte und Gesichter erkennt. Diesen Punkt greift die Illustratorin Dorit David in ihrer Karikatur auf. Statt die Person zu identifizieren, gibt die „smarte“ Brille nur die Info aus, dass die Person ihre Daten nicht freigeben will. Und damit ist der Herr in der Karikatur nicht alleine.
Kritik an Meta, Fielmann und Apollo Optik
Nicht alle Smartglasses haben Kameras – aber die, die welche haben, stehen stark in der Kritik. In Deutschland richtet sich der Protest gegen das US-amerikanische Unternehmen Meta – und gegen die Optikerketten Fielmann und Apollo Optik, die Metas Brille hierzulande verkaufen. Sie bewerben die „AI Glasses“ von Meta mit folgenden „Vorteilen“: „Wenn du AI Glasses für Reisefotos verwendest, ist das einfach und intuitiv. Die Kamera und die Mikrofone erfassen automatisch, was um dich herum geschieht.“
Genau da liegt das Problem. Die Brillen können nämlich problemlos und unauffällig zum Filmen von fremden Personen genutzt werden – oder für einen Blick unter Röcke beim Oktoberfest. Die Menschenrechtsorganisation HateAid hält den Vertrieb der Meta-Smart-Glasses in Deutschland daher für strafbar und hat Strafanzeige gestellt. Außerdem fordert die Organisation ein Verkaufsverbot.
Einzelne Stellen und Orte haben die Nutzung von Smartglasses in ihren Räumlichkeiten bereits verboten. Die Potsdamer Bäderlandschaft hat kürzlich ihre Nutzungsbedingungen angepasst. Heimliche Videos von Frauen im Bikini oder planschenden Kindern sind dort somit tabu. Aus solchen Aufnahmen können Täter*innen mit wenigen Klicks Deepfakes machen – täuschend echt gefälschte Bilder und Videos.
BigBrotherAward für Fielmann und Apollo Optik
Genau wegen dieser möglichen, heimlichen Verwendung und unsicherer Datensicherheit haben die Vertriebsstellen der Smartglasses in Deutschland einen Preis bekommen. Der Negativpreis „BigBrotherAward“ des Vereins Digitalcourage in der Kategorie Technik ging in der vergangenen Woche an Apollo Optik und Fielmann. Bei der Preisverleihung am 25. September in Bielefeld hob Rechtsanwältin Elisabeth Niekrenz in ihrer Laudatio hervor, dass sich die Optiker mit dem Verkauf der Smartglasses mitschuldig machen:
Smarte Brillen sind strukturell darauf angelegt, die Rechte Anderer zu verletzen. Im Freibad, Club, beim Date oder in der Sauna? Smart Glasses are watching you. (…) Diese Spionagegeräte werden nun beim vertrauten Optiker neben ganz normalen Brillen angeboten.
Elisabeth Niekrenz in ihrer Laudatio zum BigBrotherAward 2026
Niekrenz nannte Smartglasses außerdem einen Treiber von Misogynie, also von Frauenfeindlichkeit. Smart Glasses seien das perfekte Werkzeug, um Frauen als sexualisierten „Content“ für Klicks und Likes auszubeuten. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus Australien hat mit Smartglasses aufgenommene Videos analysiert. Das Ergebnis: Filmen Täter mit der Brille statt mit dem Handy, verhalten sie sich besonders übergriffig.
Auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, fordert das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie ein Verbot der „Spanner-Brillen“, die heimliches Filmen möglich machen. Schließe Dich über 190.000 Menschen an.