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Alle 18 Minuten stirbt oder verletzt sich ein Kind in Deutschland im Straßenverkehr. Im Jahr 2025 waren das 29.270 Kinder unter 15 Jahren. Das sind 7 Prozent mehr als im Vorjahr. Schaut man nur auf die Zahl der getöteten Kinder, ist es noch schlimmer. Das waren 74 und damit fast 40 Prozent mehr als in 2024! Nachdem der langjährige Trend bei den Unfallzahlen negativ war, sind diese Zahlen ein Weckruf: Im Straßenverkehr läuft etwas schief.

Zu viel los auf den Straßen

Auf Deutschlands Straßen ist es so voll wie noch nie. 2026 kamen 593 Autos auf 1000 Einwohner*innen, das sind insgesamt 49,5 Millionen – ein Rekord! Angesichts der Performance der Bahn ist das leider wenig verwunderlich. Und eine Besserung scheint da ja auch nicht in Sicht. 

Immer mehr Autos sind natürlich ein Problem, denn Platz ist begrenzt und wenn alles voll ist, geht es nicht weiter. In Deutschlands Stau-Hauptstadt Köln standen Autofahrer*innen im letzten Jahr im Schnitt 67 Stunden im Stau.

Gefahr für Kinder morgens am größten

Das größte Problem für Kinder ist aber der Verkehr morgens zwischen 7 und 8 Uhr – dort passieren die meisten Unfälle. Klar, da ist Rush Hour, weil alle zur Arbeit wollen. Aber schlimmer noch: Zu dieser Zeit sind Eltern unterwegs, die ihre Kinder mit dem Auto zur Kita oder zur Schule bringen. Damit machen sie den Weg für alle anderen Kinder gefährlicher. 19 Prozent aller Schulkinder kommen mittlerweile so in die Schule. 

Flächendeckendes Tempo 30 in Städten würde die Gefahr schonmal etwas entschärfen. Denn wer sich noch an Reaktionsweg und Bremsweg aus der Fahrschule erinnern kann weiß, dass 20 km/h leicht über Leben und Tod entscheiden können. Das auf die Straße laufende Kind, vor dem ich bei Tempo 30 gerade noch zum Stehen komme, wird bei Tempo 50 mit voller Geschwindigkeit getroffen. Es dürfte also niemanden überraschen, dass es bei Tempo 30 weniger und weniger schlimme Unfälle gibt als bei Tempo 50. Studien haben außerdem belegt, dass sich die Fahrzeit kaum verlängert.

Trotzdem hält vor allem die CDU wenig von niedrigen Geschwindigkeiten und verkehrsberuhigten Straßen. In 11 sogenannten Kiezblocks in Berlin mit deutlich reduziertem Durchgangsverkehr ging die Zahl der Unfälle im Untersuchungszeitraum 2018 bis 2024 um 30 Prozent zurück. Trotzdem wollte die CDU die Zuschüsse für die Planung solcher Blocks streichen. Unfallschwerpunkte entschärfen? Radwege an allen Hauptstraßen? Das war mit der CDU in Berlin nicht zu machen. Diese Politik ist verantwortungslos – und wurde zurecht abgewählt! Das macht hoffentlich Schule.

Kommunen müssen handeln – und Eltern auch

Die letzte Novelle der Straßenverkehrsordnung hat die Möglichkeiten von Kommunen erhöht, Tempo 30 einzuführen oder Zebrastreifen einzurichten. Es wird höchste Zeit, dass diese Möglichkeiten genutzt werden. Außerdem braucht es mehr autofreie Zonen oder feste Bereiche für Elterntaxis an Schulen. Oder noch besser: Gute Radwege, damit Elterntaxis gar nicht nötig sind. Was es aber auch braucht: Die Einsicht der Eltern, dass das Auto für alle der gefährlichste Weg zur Schule ist.


Wenn mehr Kinder ihre Schule mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichen könnten, würde auch das gegen Elterntaxis vor den Schulen helfen. Ein Anreiz dafür wäre, den Nahverkehr für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren komplett kostenlos zu machen. Das fordert die Initiative NICE („Nahverkehr Ist Cooler Entgeltfrei“) in einer Petition auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact. Mobilität darf keine Frage des Geldbeutels sein! Schau Dir die Petition an und schließe Dich den Tausenden Unterzeichnenden an:

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Autor*innen

Matthias Flieder ist studierter Geisteswissenschaftler und seit 2017 Campaigner bei Campact. Nachdem er zuvor für Greenpeace hauptsächlich für Klima- und Umweltschutz aktiv war, versucht er jetzt in allen Politikfeldern progressive Politik voranzubringen. Für den Campact-Blog schreibt er eine Kolumne über die Freuden und Leiden des Fahrradfahrens und die deutsche Verkehrspolitik. Alle Beiträge

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