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Deutschland will zuckerhaltige Getränke künftig dreimal so hoch besteuern wie Bier. Nur der Sekt steuert noch mehr. Aber immerhin für die kaiserliche Flotte.

Ein geschichtlicher Steuerausflug: Kaiser Wilhelm der II. brauchte 1902 Geld für seine Kriegsflotte und besteuerte kurzum den Sekt. Wenig überraschend liegt die Flotte längst auf dem Meeresgrund, doch die Schaumweinsteuer erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit: 1 Euro netto pro Flasche, unverändert seit 1982.

Nun soll ab Juli 2027 auch der Zucker im Getränk extra kosten. Geplant waren mal drei Stufen: 26 Cent, 32 Cent und 38 Cent – je nachdem wie viel Zucker drin ist. Dann kam der Rotstift und übrig blieb die Light-Version einer Steuer: Frei bleiben Saft, Milch, Haferdrink, Zero-Cola und alles mit Alkohol.

Was kann die Zuckersteuer stopfen?

Offiziell soll die Zuckersteuer das deutsche Gesundheitsproblem hinbiegen. Tatsächlich stammt die Idee aber aus einem Sparpaket, nicht aus einer Ernährungsberatung. Denn für den Haushalt von 2027 fehlten 34 Milliarden Euro, das Loch ist groß. Stopfen soll es nicht die Zuckersteuer allein. Dazu beitragen soll auch der Umbau von Krankenversicherung, Pflege- und Rentenversicherung; auch bei familien- und wohnungspolitischen Leistungen wird gespart. Weniger Subventionen und Steuervergünstigungen, höhere Tabak- und Alkoholsteuer.

Die Zuckersteuer ist dabei fast schon symbolisch. Denn sie wird nicht einmal drei Prozent der fehlenden Gelder im Gesundheitssystem liefern können. Den gesetzlichen Krankenversicherungen fehlen 2027 rund 15 Milliarden Euro. Bis 2030 könnten es 40 Milliarden sein. Zum Vergleich: Die Zuckersteuer soll 2027 gerade einmal rund 690 Millionen einbringen.

Zucker im Schafspelz

Dass die Zuckersteuer auf eine gewisse Art funktionieren kann, zeigt Großbritannien. Dort sank der Zuckergehalt in den betroffenen Getränken um 46 Prozent. Denn die Steuer zielt auch auf die Hersteller: Wer weniger Zucker rein rührt, rutscht unter die gesetzliche Zuckerschwelle und zahlt weniger Steuern. Klingt einfach.

Doch nur weil Getränke weniger Zucker enthalten, verschreckt das nicht den Zucker im Schafspelz. Ob Toastbrot, Gewürzgurken, Fertig-Tomatensuppen, Tiefkühl-Pizzen, Heringsalat, Fertig-Salatsoßen, Ketchup, Fruchtjoghurt, Pflanzendrinks oder Cornflakes – die Liste ist lang. Vor allem bei fettreduzierten Produkten setzen Hersteller liebend gerne Zucker als Ersatz ein, um den Geschmack auszugleichen.

Die Industrie behauptet, die Steuer sei Symbolpolitik. Die Briten seien, trotz weniger Zucker im Getränk, dicker geworden. Nun, eine bloße Zuckersteuer ändert schließlich nicht die Ernährungsgewohnheiten eines gesamten Landes. Und stopft auch kein Milliardenloch im Haushalt.

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