BSW und AfD
Wer verhindern will, dass die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommt, sollte wissen: Das BSW schließt Bündnisse mit den demokratischen Parteien aus, nicht aber eine Zusammenarbeit mit der AfD. Damit könnte das BSW dazu beitragen, dass Ulrich Siegmund der erste AfD-Ministerpräsident wird.
Das BSW hat angekündigt, bei der Wahl des Ministerpräsidenten weder für CDU-Kandidat Sven Schulze noch für AfD-Kandidat Ulrich Siegmund zu stimmen. Wegen einer Besonderheit im Wahlrecht könnte diese Enthaltung des BSW dann aber dazu führen, dass Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wird. Wer in Sachsen-Anhalt das BSW wählt, riskiert damit eine AfD-Alleinregierung.
In diesem Artikel erfährst Du, …
- warum es nach der Wahl auf die Stimmen des BSW ankommen könnte.
- was Sahra Wagenknecht zu einer Zusammenarbeit mit der AfD sagt.
- wie Du Deine Stimme wirksam einsetzen kannst, wenn Du keine AfD-Regierung willst.
BSW in Sachsen-Anhalt: Umfrage und Fünf-Prozent-Hürde

Wie das BSW die AfD an die Regierung bringen könnte
Aktuellen Umfragen zufolge könnte die AfD die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag knapp verfehlen. So knapp, dass es im Landtag bei wichtigen Abstimmungen auf jede einzelne Stimme ankommen könnte. So auch bei der Wahl des künftigen Ministerpräsidenten. Das BSW hat angekündigt, sich bei dieser Wahl zu enthalten.
Die Gefahr: Eine Enthaltung könnte Siegmund indirekt ins Amt des Ministerpräsidenten verhelfen. Denn im dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen für die Wahl des Ministerpräsidenten. Unter bestimmten Umständen könnte dann die Enthaltung des BSW den Unterschied machen – und Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten.
Die AfD hätte dann zwar keine Mehrheit im Landtag. Doch sie könnte alle Minister aus den eigenen Reihen stellen. Das BSW hätte mit seiner Enthaltung unmittelbar dafür gesorgt, dass eine AfD-Alleinregierung Sachsen-Anhalt anführt.
AfD-Minderheitsregierung dank BSW
Ein realistisches Szenario: Das BSW kann eine AfD-Minderheitsregierung dulden. Das bedeutet, dass die BSW-Abgeordneten sich bei der Abstimmung zum Ministerpräsidenten enthalten und Ulrich Siegmund nach dem dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Dann hätte das BSW Siegmund nicht direkt gewählt, ihm aber trotzdem zur Macht verholfen.
Das BSW könnte dann im Landtag für Anträge der AfD stimmen, ohne eine offizielle Koalition mit den Rechtsextremen zu bilden. Diese Option hält sich Sahra Wagenknecht offen.
In den Medien hat Wagenknecht für dieses Szenario bereits angekündigt: „Wir unterstützen das, was vernünftig ist“.2 Die Wahl des CDU-Kandidaten Schulze hat sie bereits ausgeschlossen. Deshalb ist die wahrscheinlichste Option: Das BSW würde vermutlich einen AfD-Ministerpräsidenten stützen.
Wagenknecht äußert sich unklar. Vieles schließt sie aus – aber nicht, dass das BSW einer AfD-Regierung ins Amt hilft. Niemand weiß sicher, wie Wagenknecht und ihre Partei sich nach der Wahl verhalten werden. Klar ist: Es gibt keine Garantie, dass das BSW die AfD von der Macht fernhält. Im Gegenteil. Wer das BSW wählt, könnte am Ende ungewollt der rechtsextremen AfD zur Regierungsmacht verhelfen.

Wie ein AfD-Ministerpräsident durch das BSW ins Amt kommen könnte
Scheitern die ersten beiden Wahlgänge, reicht im dritten Wahlgang die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Ein AfD-Kandidat könnte dann ohne eigene Mehrheit im Parlament zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Ausschlaggebend wäre dafür das BSW: indem es für den AfD-Kandidaten stimmt oder sich enthält und ihm so zur nötigen Mehrheit verhilft.
Die AfD könnte dadurch mithilfe des BSW regieren, obwohl diese bei der Landtagswahl keine absolute Mehrheit erreicht hat. Wer nicht möchte, dass Ulrich Siegmund von der AfD Ministerpräsident wird, sollte nicht das BSW wählen.
Gegenüber Welt-TV sagte Ulrich Siegmund, er wolle sich „selbstverständlich nicht“ mithilfe einer BSW-Enthaltung im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten wählen lassen und strebe eine Alleinregierung der AfD an.3 Doch sollte Siegmund nach einem dritten Wahlgang nur dank BSW-Enthaltungen gewählt werden, dürfte der Druck auf ihn hoch sein, dieses Amt anzunehmen.
Zusammenarbeit zwischen Bündnis Sahra Wagenknecht und AfD?
Der BSW-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, verweist auf grundlegende Unterschiede zwischen seiner Partei und der AfD: etwa in der Sozial-, Familien- und Sicherheitspolitik. Eine formelle Koalition mit der AfD schließt das BSW Sachsen-Anhalt daher bislang aus.
Ausgeschlossen ist damit aber nicht jede Kooperation. In einem Strategiepapier des Landesverbandes verbirgt sich das Angebot einer Zusammenarbeit mit der AfD. Der Politologe Oliver Lembcke geht davon aus, dass das BSW sich dabei als möglicher Mehrheitsbeschaffer für die AfD positionieren möchte.4
Das BSW um Sahra Wagenknecht lehnt die Brandmauer ab und möchte Mehrheiten mit der AfD suchen. Die Parteispitze wirbt für einen überparteilichen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten und unter Einbindung der AfD regiert. Das ist jedoch unrealistisch, weil dafür keine Mehrheiten in Sicht sind. Das BSW schließt dafür gemeinsame Abstimmungen, wechselnde Mehrheiten und eine Enthaltung, die einer AfD-Minderheitsregierung helfen könnte, ausdrücklich nicht aus.
Für Sachsen-Anhalt hat Wagenknecht angekündigt, dass sich das BSW bei der Wahl zum Ministerpräsidenten enthalten werde – selbst wenn dadurch eine AfD-Minderheitsregierung ermöglicht wird. Eine solche Enthaltung könnte dazu führen, dass der AfD-Kandidat in der dritten Abstimmungsrunde zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Das wäre kein festes Regierungsbündnis mit Koalitionsvertrag zwischen AfD und BSW. Aber das Abstimmungsverhalten des BSW hätte der AfD zur Macht verholfen.
Dann könnte die AfD ihr Regierungsprogramm in großen Teilen durchsetzen. Die AfD will die Schulpflicht abschaffen, um Heimunterricht zu ermöglichen, die Meinungsfreiheit stärker einschränken und kritische Bildungsarbeit zurückdrängen. Dringend benötigte ausländische Mediziner bezeichnet sie abwertend als „Importärzte“.5 Im Bundestagswahlprogramm fordert die AfD zudem eine stärkere und finanziell besser ausgestattete Bundeswehr, die Wiedereinführung der Wehrpflicht und den Ausbau der deutschen Rüstungsindustrie. Was die AfD noch vorhat, steht hier.
Wer nicht möchte, dass jemand von der AfD Ministerpräsident wird, sollte nicht das BSW wählen.
Was Sahra Wagenknecht und andere über die AfD sagen
Sahra Wagenknecht wirbt für einen parteilosen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regiert und dabei auch die AfD einbindet. Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass es dazu kommt. Eine formelle Koalition von BSW und AfD schließen Wagenknecht sowie die Parteivorsitzenden Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali aus.6 De Masi lehnt zugleich eine reine „Anti-AfD-Koalition“ ab, Mohamed Ali will AfD-Anträgen zustimmen, wenn das Bündnis Sahra Wagenknecht sie inhaltlich für richtig hält.7
Auch für Sachsen-Anhalt schließt das BSW sowohl eine Koalition mit der AfD als auch die Wahl ihres Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund aus. Offen bleibt jedoch, ob das BSW einen parteilosen, von der AfD vorgeschlagenen Kandidaten unterstützen, eine Minderheitsregierung dulden oder der AfD durch Enthaltung indirekt zur Macht verhelfen würde. Das BSW will unter Umständen den Weg für einen AfD-Ministerpräsidenten freimachen.8
Über die Ablehnung der Brandmauer hinaus sucht die BSW-Spitze demonstrativ die Nähe zur AfD. In einem von den Parteivorsitzenden Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali sowie dem Generalsekretär Oliver Ruhnert unterzeichneten Brief bot sie Alice Weidel und Tino Chrupalla gemeinsame Wahlkampfauftritte mit Sahra Wagenknecht in Magdeburg und Schwerin an und warb für Ministerpräsidenten, die mit wechselnden Mehrheiten „unter Einbindung der AfD“ regieren. Alice Weidel lehnte das Angebot des BSW ab.9
Mit der Nähe zur AfD begründeten jüngst 21 Mitglieder aus Sachsen-Anhalt, darunter drei Kreisvorsitzende, ihren Austritt aus der Partei. Die ehemaligen BSW-Mitglieder werfen der Landesspitze einen autoritären Führungsstil, Intransparenz, Gezerre um Posten „sowie eine Kultur des Misstrauens und der Überwachung“ vor.10
Koalition, Duldung oder Minderheitsregierung – wo liegt der Unterschied?
Eine Koalition ist eine formelle gemeinsame Regierung mehrerer Parteien. Bei einer Duldung unterstützt eine Partei eine Minderheitsregierung, ohne selbst Minister zu stellen – etwa bei der Wahl des Ministerpräsidenten oder bei entscheidenden Abstimmungen im Landtag.
Deshalb schließt die Aussage „keine BSW-AfD-Koalition“ nicht automatisch jede BSW-Zusammenarbeit mit der AfD oder andere Formen der Kooperation aus. Wähler des BSW könnten also letztlich der AfD zum Posten des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt verhelfen.
Die AfD will die Schulpflicht abschaffen, um Heimunterricht zu ermöglichen, die Meinungsfreiheit stärker einschränken und kritische Bildungsarbeit zurückdrängen. Dringend benötigte ausländische Mediziner bezeichnet sie abwertend als „Importärzte“.5 Im Bundestagswahlprogramm fordert die AfD zudem eine stärkere und finanziell besser ausgestattete Bundeswehr, die Wiedereinführung der Wehrpflicht und den Ausbau der deutschen Rüstungsindustrie. Was die AfD sonst noch vorhat, steht hier.
Deine Sorgen sind berechtigt, aber kann das BSW sie lösen?
Die Sorge vor einem größeren Krieg, steigenden Preisen, unsicheren Arbeitsplätzen und zu niedrigen Löhnen oder Renten ist berechtigt. Viele Wähler interessieren sich für das BSW, weil sie sich einen Waffenstillstand, eine andere Politik gegenüber der Ukraine und Russland sowie mehr wirtschaftliche und soziale Sicherheit wünschen.
Das außenpolitische Profil ist klar: Unter dem Schlagwort Frieden fordert die Partei weniger Aufrüstung, ein Ende von Waffenlieferungen in Kriegsgebiete und mehr Diplomatie. Auch das BSW Sachsen-Anhalt verbindet seine Friedenspolitik mit den Folgen hoher Energiepreise und der Sorge um Industriearbeitsplätze.
Doch eine Landtagswahl ist keine Bundestagswahl. Über deutsche Außenpolitik, Waffenlieferungen oder Verteidigung entscheidet nicht der Landtag in Magdeburg, sondern vor allem der Bund in Berlin. Sanktionen gegen Russland werden zudem wesentlich auf europäischer Ebene beschlossen, während ein Waffenstillstand in der Ukraine nur durch die beteiligten Staaten und internationale Verhandlungen erreicht werden kann. Auswärtige Angelegenheiten fallen nach dem Grundgesetz in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes.
Ähnliches gilt für zentrale sozialpolitische Versprechen aus dem BSW-Bundestagswahlprogramm „Unser Land verdient mehr“: Ein höherer Mindestlohn, ein grundlegend anderes Rentensystem oder Steuerentlastungen bei der Rente müssen überwiegend auf Bundesebene beschlossen werden. Das BSW fordert dort unter anderem 15 Euro Mindestlohn, eine stärkere Tarifbindung und ein Rentensystem nach österreichischem Vorbild. Doch ein Landesparlament kann diese Vorhaben nicht umsetzen.
Eine Stimme für das BSW hat bei der Landtagswahl deshalb außenpolitisch kaum eine Wirkung. Sie entscheidet aber mit, wer zum Ministerpräsidenten gewählt und wie die Landesregierung gebildet wird. Und darüber, welche Mehrheiten über Schulen, Polizei, Krankenhäuser und öffentliche Mittel bestimmen.
Der Landtag beschließt Landesgesetze, kontrolliert die Regierung und wählt den Ministerpräsidenten – dabei kann ein knappes BSW-Wahlergebnis unmittelbare Folgen für Sachsen-Anhalt haben. Denn wenn das BSW sich, wie angekündigt, bei der Wahl des Ministerpräsidenten enthält, könnte das Ulrich Siegmund ins Amt bringen. Was die AfD sonst vorhat, steht hier.
BSW wählen? So setzt Du Deine Stimme strategisch ein
Strategisch wählen bedeutet: Wähler berücksichtigen nicht nur, welcher Partei sie inhaltlich am nächsten stehen. Sondern auch, welche Mehrheiten die eigene Stimme im Landtag ermöglicht.
Wer mit seiner Wahl eine AfD-geführte Regierung möglichst sicher verhindern möchte, sollte deshalb prüfen, welche Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD verlässlich ausschließen. Dabei geht es nicht nur um eine formelle Koalition: Auch eine Duldung, die Unterstützung einer Minderheitsregierung oder Stimmen bei der Wahl des Ministerpräsidenten können entscheidend sein.
Bei der Frage „Sollte man das BSW wählen?“ ist deshalb auch das Verhältnis von BSW und AfD relevant. Das BSW Sachsen-Anhalt lehnt eine Koalition mit der AfD zwar ab. Doch es will AfD-Anträge nicht grundsätzlich zurückweisen und sich keiner Koalition anschließen, deren vorrangiges Ziel die Verhinderung einer AfD-Regierung ist. Durch eine Enthaltung im Landtag könnte das BSW der AfD sogar zum Posten des Ministerpräsidenten verhelfen.
Keine andere Partei ist für BSW-nahe Wähler die perfekte Alternative. Strategisches Wählen bedeutet, unterschiedliche Interessen abzuwägen: die inhaltliche Nähe zu einer Partei, ihre Chancen auf den Einzug in den Landtag und die tatsächlichen Folgen der Stimme für die Regierungsbildung.
Strategisch wählen – AfD-Alleinregierung verhindern: Mehr Infos.

Was ist das BSW – und wofür steht das Bündnis Sahra Wagenknecht?
Das Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit, kurz BSW, wurde am 8. Januar 2024 gegründet. Die BSW-Partei entstand aus einem Richtungsstreit innerhalb der Linken: Sahra Wagenknecht, Amira Mohamed Ali und weitere Abgeordnete hatten Die Linke 2023 verlassen. Wagenknecht prägte die BSW-Gründung und das öffentliche Profil der Partei maßgeblich. Ende 2025 gab sie den Parteivorsitz allerdings ab und tritt auch deutlich seltener in Erscheinung, seit die Partei nicht mehr so erfolgreich ist.
Wer fragt, wofür das BSW steht, stößt auf verschiedene Positionen: In der Wirtschafts- und Sozialpolitik fordert die Partei höhere Löhne und Renten, Entlastungen für geringe und mittlere Einkommen sowie eine stärkere staatliche Industriepolitik. Gleichzeitig vertritt sie bei Migration restriktivere Positionen: Sie ist für eine stärkere Begrenzung der Migration oder schnellere Asylverfahren.
In der Friedens- und Außenpolitik lehnt das BSW Aufrüstung und Waffenlieferungen ab und fordert Verhandlungen sowie eine Verständigung mit Russland. Diese Schwerpunkte finden sich auch im BSW-Bundestagswahlprogramm.
Bei der Europawahl 2024 erreichte das BSW 6,2 Prozent. Bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg folgten Ergebnisse zwischen 11,8 und 15,8 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 scheiterte die Partei dagegen mit 4,981 Prozent knapp am Einzug. Das BSW fordert eine Neuauszählung. Und vor allem Fabio de Masi wiederholte öffentlich, dass das BSW wegen Wahlunregelmäßigkeiten nicht in den Bundestag eingezogen sei.
Politische Ausrichtung: Ist das BSW links oder rechts?
Ob das Bündnis Sahra Wagenknecht links oder rechts ist, lässt sich nicht leicht beantworten. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik wird das BSW meist links eingeordnet: Die Partei fordert höhere Löhne und Renten, stärkere staatliche Eingriffe in die Wirtschaft sowie eine höhere Besteuerung großer Vermögen und Konzerne. In der Gesellschafts- und Migrationspolitik vertritt sie dagegen restriktive und konservative Positionen. Deshalb wird die politische Ausrichtung des BSW häufig als linkskonservativ beschrieben.
Auch die Wählerschaft spiegelt diese Mischung wider. Die Nachwahlstudie zur letzten Bundestagswahl der Sozialwissenschaftler Helge Emmler und Daniel Seikel zeigt, dass viele BSW-Wähler linke wirtschafts- und sozialpolitische Vorstellungen mit konservativen gesellschaftspolitischen Einstellungen verbinden.11 Sie waren überdurchschnittlich häufig weiblich, ostdeutsch und einkommensschwächer, sorgten sich um die wirtschaftliche Entwicklung sowie eine Ausweitung von Kriegen und hatten vergleichsweise wenig Vertrauen in staatliche Institutionen.
Mit der Linken gibt es Gemeinsamkeiten in der Sozial- und Friedenspolitik. Beide lehnen weitere Waffenlieferungen ab und fordern Verhandlungen. Bei Migration und gesellschaftspolitischen Fragen positioniert sich das BSW jedoch deutlich restriktiver. Mit der AfD bestehen Überschneidungen in der Kritik an Migration und in Teilen der Russlandpolitik. Anders als die AfD setzt das BSW wirtschaftspolitisch aber stärker auf Umverteilung und einen ausgebauten Sozialstaat.
Der Politikwissenschaftler Jan Philipp Thomeczek untersuchte Reden und Pressemitteilungen von Mitgliedern des BSW und das erste Bundestagsprogramm der Partei. Seine Analyse kommt auch zu dem Schluss, dass man das BSW nicht klar als links oder rechts einordnen kann.12
Bündnis Sahra Wagenknecht: Wahlprogramm und zentrale Positionen
Viele Wähler interessieren sich für das BSW, weil die Partei höhere Löhne, sichere Renten, bezahlbare Energie und einen stärkeren Sozialstaat verspricht.
In seinem Bundestagswahlprogramm fordert das BSW unter anderem einen Mindestlohn von 15 Euro, Steuerentlastungen für geringe und mittlere Einkommen sowie eine Reform der gesetzlichen Rente. Diese zentralen BSW-Ziele müssten allerdings in Berlin auf Bundesebene beschlossen werden – ein Landtag kann weder den gesetzlichen Mindestlohn noch das Renten- oder Steuersystem grundlegend verändern.
Ein weiterer Schwerpunkt des BSW-Parteiprogramms ist die Wirtschaftspolitik. Das BSW will Industrie, Unternehmen, Handwerk und Mittelstand durch niedrigere Energiepreise, weniger Bürokratie und staatliche Investitionen stärken. Sachsen-Anhalt kann etwa über den Landeshaushalt, die Landesverwaltung, Förderprogramme, Infrastruktur, Digitalisierung und öffentliche Aufträge Einfluss nehmen. Energie- und Mehrwertsteuern oder bundesweite Unternehmensregeln kann das Land dagegen nicht allein ändern, sondern höchstens über den Bundesrat beeinflussen.
In der Migrationspolitik fordert die Partei eine stärkere Begrenzung der Migration und schnellere Asylverfahren möglichst außerhalb der EU. Das Asylrecht und die grundlegenden Regeln der Einwanderung werden jedoch überwiegend von Bund und EU bestimmt. Landespolitisch relevant sind vor allem Unterbringung, Verwaltung, Polizei, Abschiebungen und Integrationsangebote.
Besonders bekannt ist das BSW-Programm für seine Positionen zur Ukraine: Das BSW lehnt weitere Waffenlieferungen ab und fordert einen Waffenstillstand sowie Friedensverhandlungen mit Russland. Diese BSW-Friedenspolitik prägt die bisherige Geschichte der Partei, kann durch eine Landtagswahl aber nicht unmittelbar umgesetzt werden. Über Außenpolitik, Sanktionen und Waffenlieferungen entscheidet vor allem der Bund.
Welche Kritik gibt es am BSW?
Ein häufiger Punkt der BSW-Kritik ist die starke Aufmerksamkeit auf Parteigründerin Sahra Wagenknecht. Nach ihr ist die Partei benannt. Ende 2025 gab sie den Parteivorsitz ab und ist inzwischen medial viel weniger präsent.
Auch gibt es Diskussionen darüber, wie demokratisch das BSW intern organisiert ist. Kritisiert wird die geringe Eigenständigkeit der Landesverbände und der große Einfluss des Bundesvorstands. Das BSW hat seine Mitgliederzahl und seine regionalen Strukturen inzwischen ausgebaut. Die grundsätzliche Kritik an einer stark von oben gesteuerten Partei besteht jedoch fort.
Als wenig berechenbar gilt der Kurs gegenüber möglichen Bündnispartnern. Nach den Landtagswahlen 2024 trat das BSW in Thüringen und Brandenburg in Regierungen ein. Später bezeichnete Sahra Wagenknecht diese Regierungsbeteiligungen als “schweren Anfängerfehler”, während das BSW in Thüringen weiter an der Koalition mit CDU und SPD festhielt.13
Auch für Sachsen-Anhalt wechselten die Signale: Zunächst kündigte die Landespartei eine grundsätzliche Oppositionsrolle an, später warb sie für eine „Bürgerregierung“ mit wechselnden Mehrheiten. Eine formelle Koalition mit der AfD schließt das BSW Sachsen-Anhalt zwar aus. Gleichzeitig lehnt die Partei eine grundsätzliche Abgrenzung ab und will Anträgen der AfD zustimmen, wenn sie diese inhaltlich für richtig hält. Sie möchte sich nicht an einem Bündnis beteiligen, dessen Ziel es ist, eine AfD-Regierung zu verhindern.14
Damit bleiben Fragen zu einer möglichen Duldung, zu wechselnden Mehrheiten und zur Wahl des Ministerpräsidenten offen. Eine formelle Koalition ist schließlich nicht die einzige Möglichkeit, eine Minderheitsregierung ins Amt zu bringen oder politisch handlungsfähig zu halten. Somit könnte eine Stimme für das BSW Ulrich Siegmund indirekt zum Amt des Ministerpräsidenten verhelfen.15
Für zusätzliche Kritik sorgt das für den 30. August 2026 in Magdeburg angekündigte „Festival der Meinungsfreiheit“ gegen „Cancel Culture“, das vom BSW organisiert wird. Unter den angekündigten Gästen befinden sich mit Stefan Homburg und Tom Lausen zwei Personen, die von der AfD in die Corona-Untersuchungskommission berufen wurden, beziehungsweise regelmäßig bei AfD-Veranstaltungen auftreten. Diese Auswahl der Gäste ist eine weitere Annäherung des BSW an das Umfeld der AfD.
Häufige Fragen zu BSW und Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Der Wahlomat zeigt, wie stark Deine Antworten mit den Positionen einer Partei übereinstimmen. Der Wahlomat bewertet aber weder mögliche Koalitionen noch die parlamentarische Wirkung der Stimme und ist ausdrücklich keine Wahlempfehlung. Für Deine Wahlentscheidung ist zusätzlich wichtig: Was steht im BSW-Wahlprogramm und was macht die Partei nach der Wahl mit den Stimmen? Wer keine AfD-Regierung will, sollte nicht das BSW wählen.
Die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges ist nachvollziehbar. Das BSW profiliert sich mit seiner Friedenspolitik, der Ablehnung weiterer Waffenlieferungen an die Ukraine und der Forderung nach Verhandlungen. Über Außenpolitik, Verteidigung und Waffenlieferungen entscheidet jedoch vor allem der Bund – nicht der Landtag Sachsen-Anhalt. Dort beeinflusst eine BSW-Stimme vor allem die Regierungsbildung und landespolitische Entscheidungen.
Eine formelle BSW-AfD-Koalition wurde von den führenden Vertretern des BSW Sachsen-Anhalt öffentlich ausgeschlossen. Gleichzeitig lehnt das BSW eine Anti-AfD-Koalition ab und befürwortet punktuelle Kooperation sowie wechselnde Mehrheiten auch mit der AfD. Wenn sich das BSW, wie angekündigt, bei einer Wahl zwischen dem AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund und dem CDU-Kandidaten Sven Schulze enthält, dann könnte es damit dem AfD-Kandidaten zum Sieg und der AfD an die Regierung verhelfen.
Das BSW schlägt für Sachsen-Anhalt eine „Bürgerregierung“ mit einem überparteilichen Ministerpräsidenten und wechselnden Mehrheiten im Landtag vor. Dass sich das BSW in Sachsen-Anhalt mit diesem Vorschlag durchsetzt, gilt aber als sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass sich das BSW im dritten Wahlgang enthält und Ulrich Siegmund so indirekt ins Amt des Ministerpräsidenten verhilft. Für eine mögliche Wahl reicht dann die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
Frust über etablierte Parteien ist ein verständliches Motiv, das BSW oder eine andere kleine oder neue Partei zu wählen. Bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalt kannst Du neben der inhaltlichen Nähe aber auch berücksichtigen, ob eine Partei voraussichtlich in den Landtag einzieht und welche Regierungsmodelle oder Mehrheiten sie unterstützt.
Für eine strategische Wahlentscheidung mit dem Ziel, die AfD zu verhindern, sind deshalb drei Fragen wichtig: Welche Parteien haben realistische Chancen, in den Landtag einzuziehen? Welche schließen Koalition, Duldung und Unterstützung einer AfD-Regierung verlässlich aus? Und welche Mehrheiten könnte Deine Stimme ermöglichen?
Du willst die AfD bei der Landtagswahl schwächen? Erfahre hier, wie Du das schaffen kannst: Wähle strategisch!
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Quellen
[1] „Umfrage sieht AfD bei 43 Prozent in Sachsen-Anhalt”, Zeit Online, 12. August 2026: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/landtagswahl-sachsen-anhalt-afd-umfrage-pollytix-campact-gxe
[2] „Wagenknecht dient sich AfD an”, ZDF Online, 2. Juni 2026: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/landtagswahlen-bsw-wagenknecht-afd-100.html
[3] „Siegmund weist BSW-Hilfe zurück – und fordert eigene Mehrheit mit ,45 Prozent plus X’”, Welt Online, 12. August 2026: https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7b64e467ddb2e13c584772/siegmund-will-afd-regierung-ohne-hilfe-des-bsw.html
[4] „Strategiepapier zur Sachsen-Anhalt-Wahl enthüllt: BSW will einen Machtwechsel mit der AfD”, Bild Online, 9. August 2026: https://www.bild.de/politik/inland/sachsen-anhalt-bsw-will-einen-machtwechsel-mit-der-afd-6a7628b50e3689919ec745ce
[5] „AfD Wahlprogramm Sachsen-Anhalt: Was will der Landesverband?”, Campact Blog, 13. April 2026: https://www.campact.de/blog/2026/04/afd-wahlprogramm-sachsen-anhalt-landesverband/
[6] „Landtagswahl Sachsen-Anhalt: De Masi lehnt Koalition mit AfD ab”, MDR Online, 2. Dezember 2025: https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/de-masi-bsw-koalition-afd-100.html
[7] „BSW-Chefin Mohamed Ali: Brandmauer hat die AfD stärker gemacht”, NDR Online, 3. Juni 2026: https://www.ndr.de/nachrichten/info/bsw-chefin-mohamed-ali-brandmauer-hat-die-afd-staerker-gemacht%2Cmohamed-ali-106.html
[8] „BSW will unter Umständen Weg für AfD-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt freimachen”, Deutschlandfunk Online, 12. August 2026: https://www.deutschlandfunk.de/bsw-will-unter-umstaenden-weg-fuer-afd-ministerpraesidenten-in-sachsen-anhalt-freimachen-100.html
[9] „AfD-Chefin Weidel erteilt BSW-Angebot über gemeinsame Wahlkampf-Auftritte mit Wagenknecht eine Absage”, Deutschlandfunk Online, 1. Juli 2026: https://www.deutschlandfunk.de/afd-chefin-weidel-erteilt-bsw-angebot-ueber-gemeinsame-wahlkampf-auftritte-mit-wagenknecht-eine-absa-102.html
[10] „Exodus der Wagenknecht-Fans”, Taz Online, 8. August 2026: https://taz.de/Austrittswelle-beim-BSW-Sachsen-Anhalt/!6203037/
[11] Die Wählerschaft des BSW bei der Bundestagswahl 2025, Befunde aus der WSI-Nachwahlbefragung, April 2025: Häufige Fragen zu BSW und Landtagswahl in Sachsen-Anhaltttps://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?produkt=HBS-009382
[12] „Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): links-konservativ – und populistisch? Eine empirische Einordnung”, Jan Philipp Thomeczek, 28. Mai 2024: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/315570/1/11615_2024_Article_544.pdf
[13] „,Schwerer Anfängerfehler’: Wagenknecht schießt wieder mal gegen BSW in Thüringen”, MDR Online, 4. April 2026:
https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/wagenknecht-kritisiert-bsw-koalition-100.html
[14] BSW und Umgang mit AfD – Interview mit Amira Mohamed Ali vom BSW, Deutschlandfunk, 14. August 2026: https://www.deutschlandfunk.de/bsw-und-umgang-mit-afd-interview-mit-amira-mohamed-ali-bsw-100.html
[15] „,Daran würde das BSW zerbrechen’: Parteiinterner Streit um mögliche AfD-Mehrheitsbeschaffung”, Correctiv Online, 16. Juni 2026: https://correctiv.org/buendnis-sahra-wagenknecht/2026/06/16/bsw-parteiinterner-streit-um-moeglichen-afd-ministerpraesidenten/