Volt, Die Partei und Co.: Kleinparteien bei Landtagswahlen

Knallige Plakate, provokante Forderungen: So versuchen Volt, Tierschutzpartei, Die Partei und andere Kleinparteien, Wähler*innen zu gewinnen. Sie besetzen oft Themen, die bei großen Parteien zu kurz kommen. Das belebt den demokratischen Wettbewerb. Auch der Wahlomat schlägt progressiven Wähler*innen oft Kleinparteien vor. Doch wer Kleinparteien wählt, stärkt indirekt die AfD. Diese steht in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kurz vor der absoluten Mehrheit.1

Strategisch wählen: Auf dieser Seite erfährst Du, … 

Wie die AfD von Stimmen für Kleinparteien profitiert

Kleinparteien in Sachsenanhalt: Die Fünf-Prozent-Hürde ist als horizontale Linie bei 5 Prozent dargestellt. Volt erreichte bei der letzten Bundestagswahl in Sachsen-Anhalt 0,6 Prozent (als Vergleichswert, da die Partei 2021 nicht zur Landtagswahl antrat). Die Tierschutzpartei erreichte bei der Landtagswahl 2021 1,4 Prozent. Die Partei erreichte bei der Landtagswahl 2021 0,7 Prozent. Alle drei Parteien liegen deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde und würden den Einzug in den Landtag verfehlen.
Info-Grafik Kleinparteien Sachsen-Anhalt / Quelle: Campact

Das deutsche Wahlrecht setzt kleinen Parteien eine Grenze: die Fünf-Prozent-Hürde.2 Kleinparteien wie Volt, die Tierschutzpartei oder Die Partei, die weniger als fünf Prozent der Wählerstimmen bekommen, ziehen nicht ins Parlament ein. Ihre Sitze gehen an die Parteien, die es ins Parlament schaffen.3

In aktuellen Umfragen für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen viele kleine Parteien deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde – sie haben keine realistischen Chancen, in den Landtag einzuziehen. Alle Stimmen an diese Kleinparteien haben keine Wirkung. Sie werden im Parlament nicht repräsentiert.

Das ist gerade bei den Landtagswahlen im September besonders gefährlich. Denn die AfD ist in beiden Ländern sehr stark. Um die Rechtsextremen von der Macht fernzuhalten, kommt es auf jede Stimme an. Im schlimmsten Fall könnte die AfD sogar an die Regierung kommen, weil die entscheidenden demokratischen Stimmen fehlen. Deshalb zählt jede Stimme für Parteien, die echte Chancen haben, in den Landtag einzuziehen.4

Politikwissenschaftlerin Heinrike Rustenbeck von der Friedrich-Schiller-Universität Jena sagt: „Wenn man in Zeiten des wachsenden Extremismus taktisch wählen möchte, um diesem parlamentarisch etwas entgegenzusetzen, ist die Wahl einer Kleinpartei, bei der die Fünf-Prozent-Hürde in weiter Ferne liegt, tatsächlich keine gute Idee.“5

Wenn Du eine AfD-Regierung verhindern willst, solltest Du eine Partei wählen, die realistische Chancen hat, in den Landtag einzuziehen.

Kleinparteien in Mecklenburg-Vorpommern: Die Fünf-Prozent-Hürde ist als horizontale Linie bei 5 Prozent dargestellt. Volt erreichte bei der letzten Bundestagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 0,6 Prozent (als Vergleichswert, da die Partei 2021 nicht zur Landtagswahl antrat). Die Tierschutzpartei erreichte bei der Landtagswahl 2021 1,7 Prozent. Die Partei erreichte bei der Landtagswahl 2021 0,8 Prozent. Alle drei Parteien liegen deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde und würden den Einzug in den Landtag verfehlen.
Info-Grafik Kleinparteien Mecklenburg-Vorpommern / Quelle: Campact

Setze Deine Stimme strategisch gegen die AfD ein

Strategisch wählen bedeutet nicht, die eigene Überzeugung aufzugeben. Es geht darum mitzudenken, wie Deine Stimme auf die politischen Kräfteverhältnisse wirkt. 

Strategisch wählen: So kannst Du Dich entscheiden

Kleinparteien und Europawahlen

Wer Kleinparteien dauerhaft stärken will, hat bei Europa- und Kommunalwahlen die bessere Gelegenheit. Dort gibt es niedrigere oder keine Sperrklauseln.3 Volt, Tierschutzpartei, Die Partei und andere Kleinparteien haben dort echte Chancen, Sitze im Parlament zu erlangen. 

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern dagegen solltest Du Deine Stimme besser strategisch nutzen und keine Kleinpartei wählen, um die AfD von der Regierung fernzuhalten. 

Volt, Tierschutzpartei und Co.: Warum sie keine Chance haben

Kommunale Erfolge von Kleinparteien sagen wenig über ihre Chancen bei Landtagswahlen aus. Das zeigt sich in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Bei den Kommunalwahlen 2024 konnten Volt, die Tierschutzpartei und Die Partei einige Stadtratssitze erringen. Bei den Landtagswahlen 2026 dagegen haben sie keine Aussicht, in den Landtag einzuziehen. 

Bei den letzten Landtags- und Bundestagswahlen blieben Volt und Die Partei in beiden Bundesländern immer unter 1 Prozent.6,7,8,9 Die Tierschutzpartei schnitt 2021 mit 1,4 Prozent in Sachsen-Anhalt und 1,7 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern etwas besser ab.8,9 Doch auch sie ist weit davon entfernt, über 5 Prozent und damit in den Landtag zu kommen. 

Die Stimmen für diese Kleinparteien verfallen – und stärken indirekt die Rechtsextremen. Denn das Kräfteverhältnis im Parlament verschiebt sich dann zugunsten der stärksten Parteien – und damit zur AfD.

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern 2026 ist das Risiko besonders hoch. Dort könnte die rechtsextreme AfD eine absolute Mehrheit erreichen und allein regieren. Je mehr Parteien an der Sperrklausel scheitern, desto weniger Stimmen braucht die AfD dafür. Um eine AfD-Alleinregierung zu verhindern, zählt daher jede Stimme für Parteien, die realistische Chancen haben, in den Landtag einzuziehen.

Was ist Volt für eine Partei?

Lila Wahlplakate mit frechen Sprüchen: So präsentiert sich Volt. Die Partei steht für gerechten Klimaschutz, ein geeintes und demokratisches Europa und eine Reform des deutschen Bildungssystems.10,11

Bei der Europawahl 2024 erzielte Volt in Deutschland 2,6 Prozent der Stimmen und mit Nela Riehl, Damian Boeselager und Kai Tegethoff drei Mandate im Europäischen Parlament.12
Doch bei Bundestags- und Landtagswahlen hat die Partei keine Chance, über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Die Stimmen zählen bei der Sitzverteilung nicht – und stärken damit unbeabsichtigt andere Parteien. Allen voran die AfD. Bei der Sachsen-Anhalt-Wahl 2026 könnten das im schlimmsten Fall die entscheidenden Sitze sein, die den Rechtsextremen zur absoluten Mehrheit im Landtag verhelfen.

Parteienforscher*innen ordnen Volt im Mitte-Links-Spektrum ein.13 Die Partei versteht sich nach eigenen Angaben als progressiv und grenzt sich eindeutig von Rechtsextremismus, Rassismus und Populismus ab.14 Sie fordert eine konsequentere Klimapolitik und überschneidet sich dabei thematisch mit den Grünen. 

Die größte Kritik an Volt: Die Partei greife oft Themen auf, für die sich auch SPD, Grüne oder Linkspartei einsetzen.13 Ihre Forderungen wirkten „wie ein Best-of aus den Profilen und Forderungen von Grünen, SPD und FDP, nur eben ohne dieses nervige Regierenmüssen und Kompromissefinden“, schreibt beispielsweise die Taz.15

Bei Europawahlen sticht Volt als gesamteuropäische Partei thematisch heraus13 und muss keine Fünf-Prozent-Hürde überwinden, um ins Parlament einzuziehen. Bei Bundes- und Landtagswahlen hingegen hat sie keine Chance, es ins Parlament zu schaffen. Wähler*innen, die sich für Volt als Alternative zu SPD, Grünen oder Linken entscheiden, verschenken ihre Stimme und stärken unbeabsichtigt die AfD. 

Wofür steht die Tierschutzpartei?

Die Tierschutzpartei Deutschland – offiziell seit 2026 „Partei Mensch Klima Tierschutz”, zuvor „Mensch Umwelt Tierschutz” – wurde 1993 gegründet. Aktuell plant sie eine Fusion mit der Klimaliste Deutschland.16 Viele ihrer 2.400 Mitglieder kommen aus der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung, aus dem Klima-, Natur- und Umweltschutz oder interessieren sich für Menschenrechte und Frieden.17

Inhaltlich setzt die Partei auf drei Schwerpunkte: konsequenten Tierschutz und Tierrechte, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Sie versteht sich als Anwältin derer, die selbst keine Lobby bilden können – Tiere ebenso wie Menschen. Sie fordert unter anderem ein Verbot der Massentierhaltung und die Verankerung von Tierrechten im Grundgesetz.18

Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte sie 1,5 Prozent der Stimmen und war damit die stärkste Partei, die nicht im Bundestag oder einem Landtag vertreten ist.17 Bei Europa- und Kommunalwahlen, wo keine Fünf-Prozent-Hürde gilt, konnte die Partei bereits Mandate erringen. 2026 tritt die Partei bei allen Landtagswahlen an.19

Die Tierschutzpartei verortet sich im Mitte-Links-Spektrum und beschreibt sich selbst als Anwältin derer, die keine Lobby haben – von Langzeitarbeitslosen bis zu in Armut lebenden Kindern.20 Die Bundeszentrale für politische Bildung stuft ihr Programm als linksliberal, ökologisch und pazifistisch ein.21 

Mit ihren inhaltlichen Schwerpunkten auf Tier- und Umweltschutz, sozialer Gerechtigkeit und Menschenrechten zeigt sich bei Vergleichen mit etablierten Parteien: Die größte programmatische Nähe besteht zur Linkspartei, zur SPD und zu den Grünen. FDP, CDU/CSU und AfD stehen programmatisch am weitesten von ihr entfernt.

Die Partei grenzt sich ausdrücklich von rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräften ab und hat eine Zusammenarbeit mit diesen – auch in kommunalen Gremien – verbindlich ausgeschlossen.22

Eine wiederkehrende Kritik: Die Tierschutzpartei vertritt viele Themen, für die sich auch Grüne oder SPD einsetzen – von Klimaschutz über soziale Gerechtigkeit bis hin zu Tierrechten. Wer diese Themen im Parlament repräsentiert sehen will, fährt besser mit einer Partei, die die Fünf-Prozent-Hürde sicher überwindet.

Hinzu kommt: Auch rechte Parteien besetzen Tierschutzthemen – und verknüpfen diese mit ausgrenzender Meinungsmache.23 Die Tierschutzpartei distanziert sich davon. Trotzdem muss sie sich immer wieder rechtfertigen, ob ihr das konsequent gelingt.24 

2020 trat der damalige Tierschutzpartei-Europaabgeordnete Martin Buschmann zurück, nachdem seine frühere NPD-Mitgliedschaft bekannt geworden war. Die Partei hatte seinen Rücktritt selbst gefordert.25

Bei Bundestags- und Landtagswahlen bleibt der grundsätzliche Einwand derselbe wie bei anderen Kleinparteien: Stimmen für die Tierschutzpartei zählen bei der Sitzverteilung nicht – und fehlen damit den Parteien, die ihre Themen im Parlament tatsächlich einbringen können.

Was ist Die Partei und wofür steht sie?

Die Partei wurde 2004 gegründet. Ausgeschrieben lautet ihr Name: Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative.26 Im Europaparlament ist sie seit 2014 durch Martin Sonneborn vertreten, seit 2024 außerdem durch die Schriftstellerin Sibylle Berg.27 

Die Partei ist eng mit der Satirezeitschrift Titanic verbunden. Als Satirepartei parodiert sie Symbolik und Rhetorik der deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts sowie das Auftreten etablierter Parteien. 

Häufig wird Die Partei als „Spaßpartei” bezeichnet. Dabei vertritt sie ernsthafte politische Anliegen: den Abbau sozialer Ungleichheit, mehr Nachhaltigkeit im Umwelt- und Tierschutz sowie mehr direkte Demokratie auf Bundesebene. In ihrem Grundsatzprogramm bekennt sie sich zu den Werten Freiheit, Gleichheit und Schwesterlichkeit.28

Eine eindeutige Einordnung fällt schwer – und das ist durchaus Absicht. Im Mittelpunkt steht keine ausgefeilte Programmatik. Stattdessen macht sie sich mit Ironie und übertriebenen Forderungen über den politischen Betrieb und andere Parteien lustig. 

Besonders ins Visier nimmt Die Partei die AfD: Mit gezielten Aktionen und satirischen Angriffen versucht sie, die rechtsextreme Partei zu entlarven und lächerlich zu machen.26 Mit ihren wirtschafts-, sozial- und umweltpolitischen Positionen sowie einem klaren Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes ist sie am ehesten im linksliberalen Spektrum zu verorten.26 

Die häufigste Kritik: Wer eine Satirepartei wählt, nehme Politik nicht ernst genug – erst recht nicht in Zeiten, in denen es auf jede Stimme ankommt. Der Taz-Redakteur Martin Kaul brachte dieses Unbehagen pointiert auf den Punkt: „Was hast Du getan, als 2017 die AfD ins Parlament kam?” – „Eine Spaßpartei gewählt.”29

Auch intern gab es Auseinandersetzungen. Der frühere Europaabgeordnete Nico Semsrott verließ Die Partei, weil der Parteivorsitzende Martin Sonneborn zuvor Rassismusvorwürfe ignoriert hatte.30 

Hinzu kommt ein strukturelles Problem. Die Partei zieht überwiegend Wähler*innen an, die sonst eher links oder linksliberal wählen würden. Die Partei schneidet besonders stark in Universitätsstädten ab, etwa bei der Europawahl 2019.26 Bei Bundestags- und Landtagswahlen bleibt sie weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Die Wahlplakate von Die Partei sind ein eigenständiges Satireprojekt. Auf Wahlplakaten und in den sozialen Medien parodiert Die Partei den aktuellen Wahlkampf anderer Parteien: mit ihrer Bildsprache ebenso wie inhaltlich.26 Sie bringt politische Widersprüche auf den Punkt. 

Das Prinzip ist einfach und wirksam. Die Plakatmotive werden über die sozialen Medien massenhaft geteilt. Die Partei versteht politische Satire als Mittel, um Missstände zu thematisieren.26 Aufmerksamkeit hilft dabei. Doch die Stimmen ihrer Wähler*innen sind im Parlament nicht repräsentiert, bei politischen Entscheidungen bleiben sie wirkungslos. 

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Häufige Fragen: Volt, Kleinparteien und Fünf-Prozent-Hürde

Der Wahlomat empfiehlt progressiv denkenden Menschen oft Kleinparteien wie die Tierschutzpartei, Volt oder Die Partei. Denn diese Parteien stehen inhaltlich für Themen wie Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit oder ein starkes Europa. 

Das Problem: Kleinparteien können sich für diese Themen im Parlament gar nicht einsetzen, weil sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Den Parteien, die ins Parlament kommen und dort Entscheidungen wirklich beeinflussen können, fehlen diese Stimmen.

Daher solltest Du Deine Wahlentscheidung nicht allein anhand des Wahlomaten treffen. Es ist sinnvoll abzuwägen: Was bewirkt Deine Stimme, wenn Du die AfD schwächen willst? Hat Deine Wunschpartei realistische Chancen, über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen? Und wenn nicht: Welche größere Partei vertritt ähnliche Ziele?

Kleinparteien beleben den demokratischen Wettbewerb, manchmal bilden sie auch gesellschaftliche Nischenthemen ab.31 Ihre Forderungen sind oft konsequenter und unbequemer als die der großen Parteien. Damit setzen sie diese unter Druck und können Identifikation für enttäuschte Wähler*innen bieten. 

Kleinparteien haben viel weniger Geld als größere Parteien, sind aber auch ohne Parlamentsmandate nicht völlig ohne finanzielle Ausstattung. Für ihre Wahlstimmen erhalten sie staatliche Mittel aus der Parteienfinanzierung, wenn sie bei der jeweils jüngsten Europa- oder Bundestagswahl mindestens 0,5 Prozent oder bei einer Landtagswahl 1 Prozent der Stimmen erreicht haben.32

Im Europaparlament und in kommunalen Parlamenten haben sie reale Aussichten auf Mandate und können dort Politik gestalten. Bei Bundestags- und Landtagswahlen allerdings haben sie kaum Chancen, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden – ihre Stimmen zählen bei der Sitzverteilung nicht mit. 

Bei Kommunal- und Europawahlen gelten keine oder niedrigere Sperrklauseln. Deshalb haben Kleinparteien hier reale Chancen, Mandate zu erringen. So sitzen Vertreter*innen von Kleinparteien wie Volt, Tierschutzpartei oder Die Partei vielerorts in Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten. Auch im Europaparlament sind sie vertreten: Aktuell stellen dort die Tierschutzpartei einen, Die Partei zwei und Volt Deutschland drei Abgeordnete.33 

Eine Stimme hat keine Repräsentation im Parlament, wenn die gewählte Partei unter der Fünf-Prozent-Hürde bleibt. Bei den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sieht es für Kleinparteien schlecht aus: Umfragen führen Volt, Tierschutzpartei, Die Partei und andere meist nicht einmal mehr einzeln auf. Weil ihre Werte unter 3 Prozent liegen, werden sie unter „Sonstige” zusammengefasst.34, 35 Zugleich steuert die rechtsextreme AfD auf eine absolute Mehrheit zu. Jede Stimme kann entscheiden.

Eigentlich soll die Fünf-Prozent-Hürde die Demokratie stärken: Das Parlament soll nicht in zu viele kleine Gruppen zersplittern.2 Denn viele kleine Parteien erschweren es, Entscheidungen zu finden und eine stabile Regierung zu bilden. 

Im Bundestag und manchen Landtagen können Sperrklauseln ausgehebelt werden: Über die sogenannte Grundmandatsklausel ziehen Parteien dort auch dann ins Parlament ein, wenn sie eine bestimmte Zahl an Direktmandaten erzielen.36 Aber nicht in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dort gibt es keine Grundmandatsklausel. Eine Partei kann nur dann Sitze im Landtag bekommen, wenn sie mindestens 5 Prozent der Wählerstimmen erringt.37 

Die Fünf-Prozent-Hürde ist seit ihrer Einführung im Jahr 1953 umstritten. Kleinparteien wie die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)38 oder Die Piraten39 fordern seit Jahrzehnten ihre Abschaffung – mit dem Argument, dass jede Stimme gleiches Gewicht haben sollte. Auch der Verein Mehr Demokratie setzt sich für eine Reform ein und hat 2023 erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt.40 

Das Gericht machte den Weg für eine Absenkung frei. Eine Gesetzesänderung erfordert aber eine Mehrheit im Parlament. Diese ist momentan nicht in Sicht. Dabei sprechen sich auch Politikwissenschaftler*innen für eine niedrigere Sperrklausel aus.41 Besonders intensive Debatten gab es nach der Bundestagswahl 2013.42 Damals entfielen über 15 Prozent der Zweitstimmen auf kleine Parteien, die nicht in den Bundestag einzogen.

Die Gegenargumente ergeben sich aus der Geschichte: Eine niedrigere Hürde könnte das Parlament zersplittern und stabile Regierungen erschweren – Lehren, die aus dem Scheitern der Weimarer Republik gezogen wurden.43 Das Bundesverfassungsgericht hat diese Argumentation grundsätzlich anerkannt, betont aber, dass die Verfassungsmäßigkeit einer Sperrklausel immer von den tatsächlichen politischen Verhältnissen abhängt.44

Bei den Landtagswahlen 2026 in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird das Dilemma besonders deutlich: Grüne, FDP und BSW könnten dort unter 5 Prozent landen – in Sachsen-Anhalt sogar die SPD. 15 bis 20 Prozent aller Stimmen gingen in diesem Fall verloren. Der rechtsextremen Partei würden dann schon etwas mehr als 40 Prozent für eine absolute Mehrheit reichen.1 Alle im Landtag vertretenen Parteien lehnen eine Änderung der Sperrklausel dennoch ab.45 Solange das so bleibt, gilt: Wer die AfD schwächen will, sollte seine Stimme einer Partei geben, die realistische Chancen hat, in den Landtag einzuziehen.

Quellen:

[1] „Das Worst-Case-Szenario”, Taz Online, 26. Mai 2026: https://taz.de/Drohende-AfD-Regierung-in-Ostdeutschland/!6177987/
[2] „Fünf-Prozent-Hürde”, Bundeszentrale für politische Bildung, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-in-einfacher-sprache/292100/fuenf-prozent-huerde/
[3] „Sperrklausel”, Die Bundeswahlleiter, eingesehen am 7. Juli 2026: https://bundeswahlleiterin.de/service/glossar/s/sperrklausel.html#id-0 
[4] „AfD feiert Umfragehoch in Sachsen-Anhalt”, T-Online, 7. Mai 2026: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_101245142/afd-feiert-umfragehoch-in-sachsen-anhalt.html
[5] „Die Angst vor der verschenkten Stimme”, Web.de, 19. Februar 2025: https://web.de/magazine/politik/wahlen/bundestagswahl/volt-co-sinnvoll-kleinparteien-waehlen-40639594
[6] Bundestagswahlergebnisse 2025 in Sachsen-Anhalt, eingesehen am 30. Juli 2026 https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99/land-15.html#zweitstimmen-prozente82 
[7] Bundestagswahlergebnisse 2025 in Mecklenburg-Vorpommern, eingesehen am 30. Juli 2026: https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99/land-13.html#zweitstimmen-prozente62 
[8] Landtagswahlergebnisse 2021 in Sachsen-Anhalt, eingesehen am 30. Juli 2026: https://wahlergebnisse.sachsen-anhalt.de/wahlen/lt21/erg/kreis/lt.15.ergtab.php 
[9] Landtagswahlergebnisse 2021 in Mecklenburg-Vorpommern, eingesehen am 30. Juli 2026: https://wahlen.mvnet.de/dateien/ergebnisse.2021/landtagswahl/html/l_proz_zweit.html
[10] „Kernthemen”, Volt Deutschland, eingesehen am 7. Juli 2026: https://voltdeutschland.org/programm/programme/themen
[11] „Unsere Geschichte”, Webseite Volt Deutschland, eingesehen am 7. Juli 2026: https://voltdeutschland.org/ueber-uns
[12] „Ein lila Funken Hoffnung: Volt mit fünf Abgeordneten im Europaparlament“, Webseite Volt Deutschland, eingesehen am 7. Juli 2026: https://voltdeutschland.org/schleswig-holstein/neuigkeiten/ein-lila-funken-hoffnung-volt-mit-fuenf-abgeordneten-im-europaparlament 
[13] „Volt Deutschland”, Bundeszentrale für politische Bildung, eingesehen am 30. Juli 2026: https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/kleinparteien/326953/volt-deutschland/
[14] „Unvereinbarkeitsbeschluss für jegliche Zusammenarbeit mit rassistischen, rechtsextremen, demokratie- und verfassungsfeindlichen Gruppierungen und Parteien, insbesondere der AfD”, Pressemitteilung Volt Deutschland, eingesehen am 12. Februar 2026: https://voltdeutschland.org/storage/assets-de/pdf/politische_programme_de/unvereinbarkeitsbeschluss-fur-jegliche-zusammenarbeit-mit-rassistischen,-rechtsextremen,-demokratie-und-verfassungsfeindlichen-gruppierungen-und-parteien,-insbesondere-der-afd-(1).pdf
[15] „Wenn Expatschnösel politisch werden”, Taz Online, 15. Juni 2024: https://taz.de/Volt-bei-der-Europawahl/!6015110/
[16] „Tierschutzpartei beschließt neuen Namen und bereitet Fusion mit der Klimaliste vor”, Tierschutzpartei, Pressemitteilung vom 10. Februar 2026, eingesehen am 24. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/tierschutzpartei-beschliesst-neuen-namen-und-bereitet-fusion-mit-der-klimaliste-vor/
[17] „Die Tierschutzpartei stellt sich vor”, Webseite der Tierschutzpartei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/partei/die-partei-stellt-sich-vor/
[18] „Grundsatzprogramm”, Webseite der Tierschutzpartei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/partei/grundsatzprogramm/
[19] „Aktuelle und anstehende Wahlen”, Webseite der Tierschutzpartei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/partei/aktuelle-wahlen/ 
[20] „Tierschutzpartei – links, rechts oder mittig?”, Webseite der Tierschutzpartei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/partei-mensch-umwelt-tierschutz-im-parteiengefuege/
[21] „Partei Mensch, Umwelt, Tierschutz”, Bundeszentrale für politische Bildung, eingesehen am 30. Juli 2026: https://www.bpb.de/themen/parteien/wer-steht-zur-wahl/bundestagswahl-2025/558923/partei-mensch-umwelt-tierschutz/ 
[22] „Klare Abgrenzung nach rechts”, Webseite der Tierschutzpartei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/klare-abgrenzung-nach-rechts/
[23] „AfD missbraucht Tierschutz, um gegen Religionen zu agitieren“, Welt Online, 8. Februar 2023: https://www.welt.de/politik/deutschland/article243643795/Schaechten-AfD-missbraucht-Tierschutz-um-gegen-Religionen-zu-agitieren-sagt-der-Tierschutzbund.html
[24] „Die Diktatur der Veganer”, Jungle World Online, 15. Januar 2015: https://jungle.world/artikel/2015/03/die-diktatur-der-veganer
[25] „Tierschutzpartei fordert Buschmann zum Rücktritt auf”, Webseite der Tierschutzpartei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.tierschutzpartei.de/tierschutzpartei-fordert-buschmann-zum-ruecktritt-auf/
[26] „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative”, Bundeszentrale für politische Bildung, eingesehen am 30. Juli 2026: https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/kleinparteien/208418/partei-fuer-arbeit-rechtsstaat-tierschutz-elitenfoerderung-und-basisdemokratische-initiative/
[27] „Autorin Sibylle Berg für ‘Die Partei’ ins Europaparlament gewählt”, Spiegel Online, 10. Juni 2024: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-2024-sibylle-berg-fuer-die-partei-ins-parlament-gewaehlt-a-093e5abe-6e08-4971-891f-f9d3f61b7327
[28] „Programm des Bundesverbandes der Partei”, Webseite Die Partei, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.die-partei.de/programm/
[29] „Elitär, bourgeois und amoralisch”, Taz Online, 14. September 2017: https://taz.de/PARTEI-waehlen-ist-das-Letzte/!5447201/
[30] „Nico Semsrott verlässt ‘Die Partei’ nach Sonneborn-Eklat“, Spiegel Online, 13. Januar 2021: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/nico-semsrott-verlaesst-die-partei-wegen-martin-sonneborn-a-72c9b2d1-9038-41ab-af2a-d5fc97828d2d
[31] „Kleinparteien”, Bundeszentrale für politische Bildung, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/511468/kleinparteien/
[32] „Parteienfinanzierung”, Bundesministerium des Innern, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/verfassung/parteienrecht/parteienfinanzierung/parteienfinanzierung.html
[33] „Aktuelle Sitzverteilung im Europäischen Parlament nach Ländern und Fraktionen”, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, eingesehen am 24. Juli 2026:
https://www.europawahl-bw.de/sitzverteilung-eu-parlament
[34] „Neueste Wahlumfrage zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt”, Dawum, eingesehen am 31. Juli 2026: https://dawum.de/Sachsen-Anhalt/
[35] „Neueste Wahlumfrage zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern”, Dawum, eingesehen am 31. Juli 2026: https://dawum.de/Mecklenburg-Vorpommern/ 
[36] „Sperrklausel”, Die Bundeswahlleiter, eingesehen am 7. Juli 2026: https://bundeswahlleiterin.de/service/glossar/s/sperrklausel.html#id-0 
[37] „Grundmandatsklausel”, Wahlrecht.de, eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.wahlrecht.de/lexikon/grundmandatsklausel.html
[38] „ÖDP scheitert in Thüringen mit Klage gegen Fünf-Prozent-Hürde”, Deutschlandfunk Online, 14. Mai 2025: https://www.deutschlandfunk.de/oedp-scheitert-in-thueringen-mit-klage-gegen-fuenf-prozent-huerde-100.html 
[39] „Piraten wollen die Fünf-Prozent-Klausel abschaffen”, Welt Online, 30. November 2012: https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article111713358/Piraten-wollen-Fuenf-Prozent-Klausel-abschaffen.html
[40] „6,8 Millionen Stimmen nicht im neuen Bundestag vertreten”, Webseite Mehr Demokratie e.V., eingesehen am 7. Juli 2026: https://www.mehr-demokratie.de/presse/einzelansicht-pms/bundestagswahl-mehr-demokratie-fordert-absenkung-der-fuenf-prozent-huerde-und-begruesst-schlanke-koalitionsverhandlungen
[41] „Die schädlichen Nebenwirkungen der Fünf-Prozent-Hürde”, Welt Online, 5. Februar 2025: https://www.welt.de/debatte/article255324856/Bundestagswahl-Die-schaedlichen-Nebenwirkungen-der-Fuenf-Prozent-Huerde.html
[42] „Stolperfallen für Kleinparteien”, Taz Online, 3. Oktober 2013: https://taz.de/Fuenf-Prozent-Klausel-bei-Wahlen/!5057902/
[43] „Fünf-Prozent-Hürde”, Bundeszentrale für politische Bildung, eingesehen am 30. Juli 2026: https://www.bpb.de/themen/politisches-system/abdelkratie/337835/fuenf-prozent-huerde/
[44] „Das Bundeswahlgesetz 2023 ist überwiegend verfassungsgemäß – allein die 5 %-Sperrklausel ist derzeit verfassungswidrig, gilt aber mit bestimmten Maßgaben fort”, Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 30. Juli 2024, eingesehen am 31. Juli 2026: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/bvg24-064.html
[45] „Die Macht der 4,9%”, Zeit Online, 27. Mai 2026: https://www.zeit.de/2026/24/fuenfprozenthuerde-landtagswahl-sachsen-anhalt-mecklenburg-vorpommern-afd