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5-Minuten-Info

Belene: Keine Risiko-Reaktoren im Erdbebengebiet!

Bauplatz Belene

Noch stehen im bulgarischen Belene die Kräne still.

„Belene [stellt] ein nicht tolerierbares Sicherheits- und Umweltrisiko dar“ – so urteilt Dr. Georgui Kastchiev, ehemaliger Chef der bulgarischen Atomaufsicht über das geplante Atomkraftwerk im Norden Bulgariens. Hier sollen wenige Kilometer von der rumänischen Grenze entfernt zwei hoch riskante Atomreaktoren in einem Erdbebengebiet gebaut werden. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE möchte sich mit rund 1,5 Milliarden beteiligen.

Bereits 1985 wurde in Belene mit dem Bau der beiden Atomreaktoren begonnen. Anhaltende Proteste, Sicherheitsbedenken und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens führten 1992 zum Baustopp. Doch die bulgarische Regierung beschloss im Jahr 2003, das Vorhaben wieder aufzunehmen und beauftragte damit im letzten Herbst den russischen Kraftwerksbauer Atomstroyeksport. Die Baustelle stand bisher still. Es fehlte das nötige Geld.

Die Beteiligung von RWE könnte dies ändern. Nach Informationen der Tagezeitung „WELT“ wollte der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann das Vorhaben in einer schnell einberufenen Sondersitzung des Aufsichtsgremiums am 2. November durchpeitschen. Doch dabei hat er sich verrechnet. Denn im Aufsichtsrat regt sich Widerstand gegen das Vorhaben und gegen das Gebaren von Großmann, der in Frage stellt, ob der Aufsichtsrat überhaupt bei Investitionsentscheidungen mitreden darf. Eine Chance: Stimmt der Aufsichtsrat dagegen, ist das Vorhaben geplatzt. Wir schicken deshalb ab sofort den wichtigsten Aufsichtsräten/innen massenhaft Gelbe Karten!

Protest vor der RWE-Zentrale

Februar 2009: Aktion vor der Aufsichtsratssitzung von RWE

Wir fordern vom RWE-Aufsichtsrat, die Beteiligung am Belene-Projekt zu stoppen! Denn:

Hoch unsicherer Reaktortyp kommt zum Einsatz

Jedes Atomkraftwerk birgt ein großes Sicherheitsrisiko. Die für den Standort Belene geplanten Druckwasserreaktoren des russischen Typs WWER 1000/466B sind besonders unsicher: Sie werden weltweit noch nirgendwo industriell betrieben, es gibt weder Sicherheitsanalysen noch Betriebserfahrung. Die Region Belene würde mit den Reaktoren zum Testgebiet der russischen Nuklearindustrie.

Projektstandort befindet sich in einer Erdbebenzone

Der Standort der geplanten Reaktoren grenzt unmittelbar an ein Erdbebengebiet. In 14 Kilometern Entfernung fanden im Jahr 1977 rund 120 Menschen durch ein Erdbeben den Tod. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe rechnet in der Region mit Erdbeben von 7,5 bis 8,5 auf der Richterskala. Durch die Erdbebengefahr würde das ohnehin hohe Unfallrisiko noch sehr viel größer.

Entsorgungsfrage ist ungelöst

Die sichere Endlagerung des strahlenden Atommülls über hunderttausende von Jahren ist ungelöst. Bulgariens Energieversorger NEK plant die abgebrannten Brennstäbe nach Russland zu transportieren, da Bulgarien kein Endlager für hochradioaktive Abfälle besitzt. Atommüll wird in Russland unter katastrophalen Bedingungen gelagert, rund um die Anlagen sind Wasser und Böden weiträumig verstrahlt.

Überteuertes Projekt fördert Korruption und verhindert Investitionen in Erneuerbare

Belene ist das teuerste Großprojekt seit der Wende in Bulgarien. Das führende bulgarische Wirtschafsinstitut IME (Institute for Market Economics) bezeichnet Belene als überflüssiges Projekt auf Kosten der Steuerzahler und warnt vor Korruption und Missbrauch. Nach Schätzungen (Center for Liberal Strategies) werden rund ein Drittel der Projektkosten in Korruptionskanälen landen. Gleichzeitig gräbt das überteuerte Atomprojekt die staatlichen Mittel für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz ab.

Protest vor der RWE-Zentrale

Februar 2009: Aktion vor der Aufsichtsratssitzung von RWE

Für RWE ist das Belene-Vorhaben riskant. Bereits im Jahr 2006 zwangen Tausende Campact- und Urgewald-Aktive die Deutsche Bank und HypoVereinsbank, auf die Finanzierung der Atomreaktoren in Belene zu verzichten. Inzwischen haben zwölf weitere internationale Banken eine Finanzierung des riskanten Projekts abgelehnt. Damit steckt das Vorhaben in finanziellen Schwierigkeiten. Auch mit der RWE-Beteiligung fehlen immer noch fünf Milliarden Euro. Filz und Korruption im bulgarischen Energiesektor stellen ein zusätzliches Risiko dar. RWE-Chef Großmann sollte sich von Belene verabschieden. Schließlich kann sich sein Konzern keinen Image-Schaden mehr leisten: Bereits in den letzten eineinhalb Jahren hat RWE rund 500.000 Kunden verloren. Wir haben also Chancen, den RWE-Aufsichtsrat von dem Vorhaben abzubringen!

Schicken Sie Gelbe Karten an den RWE-Aufsichtsrat, die Beteiligung an den Belene-Reaktoren zu verhindern!


Hintergrundinfos zum Fall Belene:

Hintergrundpapier zum Fall Belene von Urgewald, mit Quellennachweisen für alle in diesem 5-Minuten-Info genannten Fakten.

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