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Samstag, 5. Februar 2011

"Stuttgart 21 bremst aus!" in Freiburg!

Der geplante Tiefbahnhof in Stuttgart wird auch in Freiburg zum Thema vor der Landtagswahl. Unter dem Motto "Stuttgart 21 bremst aus" machten Aktive des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Verkehrsclub Deutschland (VCD) heute auf dem Freiburger Kartoffelmarkt auf die fatalen Auswirkungen von Stuttgart 21 für den Ausbau des Nahverkehrs aufmerksam. Milliarden Euro würden in dem Investitionsprojekt vergraben, die dem Schienen- und dem öffentlichen Personennahverkehr in und in ganz Baden-Württemberg fehlen.

Stuttgart 21 bremst aus in Freiburg

Von vielen Bürgern getragen setzte sich auf der Bertold- und Kaiser Josef-Strasse zum Kartoffelmarkt in Freiburg ein sieben Meter langer Nahverkehrszug aus Pappe in Bewegung. Doch Menschen mit Masken von Tanja Gönner und Stefan Mappus bremsten die "Bürgerbahn" mit einem großen Stoppsignal aus. Die Aktion war Teil eines Aktionstags, der zeitgleich auch in 39 anderen Orten stattfand und vom Kampagnennetzwerk Campact und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Baden-Württemberg organisiert wurde.

"Das Prestigeprojekt Stuttgart 21 verschlingt Milliardensummen, die dann bei der Modernisierung und dem Ausbau des Schienenverkehrs fehlen -- bei uns in der Region und im ganzen Ländle! Eine neue Landesregierung muss den Weg freimachen für eine Verkehrspolitik im Sinne der Umwelt und der Bürger: Stuttgart 21 muss gestoppt und stattdessen der Kopfbahnhof als weit günstigere und bessere Alternative modernisiert werden. Mit den frei werdenden Geldern kann der Nahverkehr auch in unserer Region zügig ausbaut werden", sagte Klaus-Peter Gussfeld, Verkehrsreferent beim Landesverband des BUND, auf der von etwa 300 BürgerInnen und Bürgern besuchten Kundgebung auf dem Kartoffelmarkt.

Stuttgart 21 bremst aus in Freiburg

Stuttgart 21 bringe für Südbaden und den dringend nötigen Ausbau der Rheintalbahn nur Nachteile. "Mit Stuttgart 21 sollen über 650 Millionen Euro Nahverkehrsmittel zweckentfremdet werden, anstatt Nahverkehrsstrecken auszubauen oder Nahverkehrszüge zu bestellen. Die Folge: Immer mehr Züge sind überfüllt und kommen verspätet. Verbindungen werden ausgedünnt statt verbessert",kritisierte Klaus-Peter Gussfeld. Schon heute könnten auch in Südbaden weder Mängel im Nahverkehr beseitigt noch innovative Nahverkehrskonzepte zeitnah umgesetzt werden. So sei die dringend nötige Umsetzung des Konzeptes "Breisgau-S-Bahn 2005" schon längst überfällig. Der Bedarf von Menschen, die den ÖPNV in der Region nutzen wollten, sei viel größer als das Angebot z.B. der zu geringen und unregelmäßigen Taktfolgen der Züge.

Auch für Reisende brächte ein Tiefbahnhof in Stuttgart keinerlei Vorteile. "Mit Stuttgart 21 wird der zentrale Bahnknoten Baden-Württembergs zum Nadelöhr -- und zur Verspätungsfalle im süddeutschen Schienennetz. Die Infrastruktur des Tiefbahnhofs ist zu knapp bemessen und es können dort nicht mehr Züge als im heutigen Kopfbahnhof verkehren. Beim Umstieg in Stuttgart steigt außerdem das Risiko, den Anschlusszug zu verpassen. Eine zu magere Bilanz für ein Milliardenprojekt!"

Stuttgart 21 bremst aus inFreiburg

Hannes Linck vom VCD wies daraufhin, dass der Ausbau der Rheinbahn leider stagniere.Während entsprechend dem Vertrag von Lugano zwischen Deutschland und der Schweiz die Tunnel in unserem Nachbarland 2019 fertig sein werden, werde im Rheintal weiter im Schneckentempo gebaut. Auch für die nächsten Jahre seien nur jeweils 100 Mio. € pro Jahr vorgesehen. So werde die Strecke nicht vor 2050 fertig sein! Lantagskandidaten von Die Linke, den Grünen sowie Piratenpartei umrissen kurz ihre Positionen zum Projekt Stuttgart 21.

Einem anschließenden Demonstrationszug durch die Kaiser Josef - und Bertold - Strasse zum Zentralen Omnibusbahnhof schlossen sich gut 200 Menschen an. Mit einem lauten "Schwabenstreich" mit Tröten und Pfeifen endete beim oberirdischen Einlaufen eines ICE vor Gleis 1 die Protest-Aktion.

Stuttgart 21 bremst aus inFreiburg

"Mit der Aktion fordern wir die in unserer Region zur Wahl stehenden Landtagsabgeordneten auf, den Weg frei zu machen für einen Baustopp und die Einleitung eines Bürgerentscheids oder einer Bürgerbefragung zu Stuttgart 21", so Walther Moser von der BUND-Gruppe Freiburg.

Text: Walter Moser; Fotos: Peter Herrmann

Die Aktion wurde vor Ort organisiert von BUND Ortsgruppe Freiburg (Kontakt: Walther Moser, eMail: walther.moser@bund.net) sowie dem VCD.

Auch die Medien berichten über die Aktion in Freiburg: