Nimm mit 248.046 Campact-Aktiven Einfluss
auf aktuelle politische Entscheidungen.

Aktionstour "Zukunft statt Kohle!"

Tourblog

Dino

Vom 7. bis 22. Oktober gehen wir auf Aktionstour gegen den Bau von über 30 geplanten Kohlekraftwerken. An den Standorten, wo demnächst über die Neubaupläne entschieden wird, lassen wir das Kraftwerk entstehen – als Dinosaurier. Tausende schwarze "CO2-Ballons" starten aus dem Bauch des „Kohlosaurus“ und verdeutlichen die Gefahr fürs Klima. Zudem entfachen wir vor Ort eine Diskussion - zwischen Politiker/innen, Expert/innen und Bürger/innen. Mehr zur Tour

Verfolgen Sie die Tour in unserem Blog! Schauen Sie unseren Tour-Film




Schwerin, 22. Oktober 2008

Autor: Ferdinand Dürr

Auf Tuchfühlung mit Landtagsabgeordneten

Schon einmal standen wir an einem frühen Morgen vor einem Landtag - nämlich vor dem von NRW in Düsseldorf. Dort hatte uns die Polizei einen Bannkreis um das Parlament errichtet, in den wir mit unserem Kohlosaurus nicht hinein durften, um den Volksvertreter/innen nicht zu nahe zu kommen. Ganz anders in Schwerin: Hier kommen wir direkt mit den Abgeordneten in Kontakt und ins Gespräch.

Schwerin

Und das nicht nur, weil wir mit Gottfried Timm einen Kohle-Kritiker aus den Reihen der SPD-Fraktion zur Podiumsdiskussion geladen hatten. Nur kurz dauert die Debatte zwischen dem umweltpolitischen Sprecher der Sozialdemokraten, dem Klimaexperten Brick Medak vom WWF und Torsten Jelinski von der Bürgerinitiative Rügen, dann muss der Abgeordneten in den Landtag, um eine Rede zu halten.

Unser Termin für den Tourstopp in Schwerin ist gut gewählt. Während wir am Vormittag noch direkt vor dem Eingang zum Schweriner Schloss auf die Abgeordneten warten und ihnen einen kleinen Plastik-Dinosaurier, einen schwarzen CO2-Ballon und unsere Argumente gegen Kohlekraft mit auf den Weg ins Büro geben, müssen sie sich schon mittags hochoffiziell mit dem Thema befassen: Über 32.000 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern hatten die Forderung der Bürgerinitiativen gegen den geplanten Kraftwerksstandort Lubmin unterschrieben, dass sich der Landtag aus Gründen des Klimaschutzes und der Förderung des Tourismus gegen das große Kraftwerk aussprechen soll. Damit muss diese Forderung im Landtag diskutiert und abgestimmt werden.

Kohlosaurus

Nachdem der Kohlosaurus direkt vor dem Landtag seine hunderten schwarzen CO2-Ballons in den sonnigen Himmel über Schwerin entlassen hat, folgen zahlreiche Campact-Aktive den Abgeordneten in den Plenarsaal des Schweriner Schlosses und beobachten die hitzige Debatte. Auf mehreren Pulten liegen unsere Flugblätter mit den Argumenten gegen ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin und einige haben den kleinen Saurier vor sich auf den Tisch gestellt. Dennoch entscheiden sich nur Wenige aus der Regierungskoalition von SPD und CDU, dem Kraftwerk eine Absage zu erteilen.

Gleichwohl sind die Aktiven vor Ort mit der Debatte zufrieden: Es ist gelungen mehreren Abgeordneten der SPD so den Rücken zu stärken, dass sie sich zu ihrer Meinung bekennen und entgegen der Koalitionsräson dem riesigen Kohlekraftwerk inmitten von Naturschutzgebieten eine Absage zu erteilen. Dem Kohlosaurus ist es gelungen, den Abgeordneten quasi auf Tuchfühlung deutlich zu machen, was ein Steinkohlekraftwerk bedeutet: Es ist der Versuch, Heute die Probleme von Morgen mit einer Technologie von Gestern zu lösen!

Wind statt Kohle

Presseberichte zur Aktion:

dpa, Ostsee-Zeitung

Neues Deutschland

NDR Online


Dörpen, 19. Oktober 2008

Autor: Ferdinand Dürr

Volksfeststimmung im Emsland

Diskussion

Die Polizei hatte ihm geraten, sich in der Öffentlichkeit etwas zurück zu halten, als die Bürgerinitiative "Saubere Energie" im Juni zur Großdemonstration mit 5.000 Teilnehmer/innen lud - die größte Demo die es je im Emsland gab. An diesem Sonntag lässt sich der Bürgermeister Hermann Wacker des Städtchens Dörpen aber trotzdem zur Podiumsdiskussion einladen und diskutiert mit rund 700 Zuhörer/innen über die Pläne eines Schweizer Investors, ein Steinkohlekraftwerk in der Gemeinde zu errichten.

Bei so viel Volk entsteht schnell eine Volksfeststimmung: Kaffee und Kuchen gehören ebenso zu diesem Nachmittag, wie Bratwurst und Bier. Und auch für Kinderspaß ist gesorgt. Außer dem Kohlosaurus, der anfangs noch schlaff seinen Hals hängen lässt, sorgen ein Glücksrad, eine Hüpfburg und ein Schminktisch dafür, dass auch die Eltern kleinerer Kinder an der Diskussion teilnehmen können.

Diskussion

Inge Stemmer, Sprecherin der BI, fordert denn auch von Applaus unterstützt vom Bürgermeister die Veröffentlichung eines Gutachtens über die zu erwartende Umweltbelastung durch das Kraftwerk. Und Nick Reimer von wir-klimaretter.de spricht davon, dass sich diejenigen, die heute noch Kohlekraftwerke genehmigen, strafbar an den kommenden Generationen machen. "Wenn erst einmal der Permafrostboden auftaut, gerät der Klimawandel vollständig außer Kontrolle", begründet Reimer.

Herr Wacker von der CDU lässt sich zumindest äußerlich davon nicht beeindrucken. Er wolle ein demokratisches, rechtstaatliches Verfahren für den Investor und das will er gemeinsam mit dem Rat umsetzen. Dem Argument mit den Petitionen - in einigen Ortsteilen hatten bis zu 70% der Menschen gegen das Kraftwerk unterschrieben - hält er entgegen, dass sich keinesfalls eine Mehrheit der Gesamtbevölkerung Dörpens der Forderung angeschlossen hätte. Hunderten potentiellen Wähler/innen gibt er heute damit ein Argument, ihn nicht wieder zu wählen.

Diskussion

Vor Jahren hieß es noch, dass all das, was sich woanders nicht durchsetzen lässt, im Emsland gebaut werden solle: Ob Atomkraftwerk, Atomfabrik oder Mercedes-Teststrecke - alles entstand hier. Gegen das Kohlekraftwerk formiert sich jetzt der Widerstand und fordert mit schon über 300 Mitgliedern "Saubere Energie" für das Emsland.

Presseberichte zur Aktion:

Neue Osnabrücker Zeitung


Stade, 18. Oktober 2008

Autor: Nick Reimer

Herr: Schick uns ein Zeichen

Diskussion

Hey, richtig was los im alten Hansestädtchen. Samstag ist es, Herbsttag, Markttag, und der Platz, den die Stadt dem Kumpel Kohlosaurus zugewiesen hat, vieeel zu klein für all die Leute, die gekommen sind.

Zu klein ist auch der Platz für Karsten Behr, einen großen Mann, der als Fraktionsvorsitzender die CDU im Stadtrat führt. Karsten Behr ist nämlich ganz groß in Fahrt: „Wer aus der Atomkraft aussteigen will, der muss eben in Kauf nehmen, dass wir jetzt in die Kohlekraft einsteigen müssen“. Und: „Es geht um unseren Industriestandort: Ohne kostengünstigen Strom wird Dow chemical in Deutschland nicht bleiben“.

Gebannte Zuhörer

Gekommen ist auch Reinhard Benhöfer von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, der fordert: „Wir dürfen den Blick nicht nur auf uns richten, Gerechtigkeit bedeutet, dass auch die Menschen in ärmeren Ländern noch ihre Entwicklungschance aus der Armutsfalle haben.“

Aber das interessiert Karsten Behr herzlich wenig: „Jede Woche gehen weltweit zwei neue Kohlekraftwerke ans Netz. Das heißt doch: Vom deutschen Wehe hängt die Welt nicht ab“.

Die Menge buht und trötet gegen diesen Quatsch an: Alle Welt will leben wie der Deutsche in Stade und wenn in Stade tatsächlich wie geplant drei neue Kohlekraftwerke gebaut werden, dann wird auch die Welt dreimal so viele neue Kohlekraftwerke bauen.

„Ich fürchte, eines der geplanten Kraftwerke werden Sie ertragen müssen", sagt Kirchenmann Reinhard Benhöfer, „aber die anderen müssen Sie verhindern, müssen wir gemeinsam verhindern!“ Nicht gerade das, was sich die Menge erhofft. Aber Benhöfer sagt: „Das Glaubensbekenntnis zu beten, bedeutet sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Und Kohlekraftwerke zerstört diese eindeutig.“

Kohlesaurus in Aktion

Behr und Benhöfer: Beide sind nach Stade gekommen. Beide berufen sich auf Christus. Beide schreiben das C ganz groß.Und dann war auch noch Kai Seefried da, der mit sehr moderaten Tönen um Ausgleich bemüht war. Seefried hält seit acht Monaten das C im niedersächsischen Landtag hoch: "Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst", sagt er.

Wirklich? Welche? Und: Welche Zuerst?

Herr: Schick uns ein Zeichen!

Presseberichte zur Aktion:

Hamburger Abendblatt

die tageszeitung

ddp


Brunsbüttel, 17. Oktober 2008

Autor: Nick Reimer

Steife Brise an der Elbmündung

Protestler

Schwere Wolken am Horizont, ein deftiger Sketch auf dem Marktplatz gegeben von der örtlichen BI, und dazu ein rauchendes Kohlekraftwerk en Miniature: Detlef Buder würde es schwer haben an diesem Tag. Mal vom Wetter abgesehen: Das hier wird kein Heimspiel!

Detlef Buder ist SPD-Mitglied und Landtagsabgeordneter in Schleswig-Holstein. Beides keine leichte Sache in der heutigen Zeit. Detlef Buder ist zudem noch Umweltpolitiker, was die Sache deutlich verkompliziert. Vielleicht ist sein Gesicht deshalb so zerfaltet. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass der 62jährige eine schwere Amtszeit durchlebt.

Jetzt steht Detlef Buder in Brunsbüttel auf dem Marktplatz, um den Menschen zu erklären, dass die SPD voll und ganz hinter dem Kompromiss steht. „Wer sein Wort gegeben hat, der muss das halten“, sagt Buder.

Vielleicht 100 Menschen sind zum Kohlosaurus gekommen ins Brunsbüttler Herz, mindestens 100 Menschen jedenfalls buhen Buder aus. „Wer will, dass Schleswig-Holstein auch weiterhin eine starke wirtschaftliche Basis besitzt, der muss eben an der einen oder anderen Stelle Einschnitte in Kauf nehmen“, kämpft Buder tapfer gegen den Protest an. Zum Atomausstieg stehe die SPD genauso wie zum Bekenntnis, Brunsbüttel als Energiestandort zu erhalten – wenn das AKW erst einmal abgeschalten ist. Und schließlich schaffen die drei neuen Kohlekraftwerke, die Brünsbüttel bald geschenkt bekommt, „viele neuen Arbeitsplätze“.

Drei neue Kohlekraftwerke. Ja genau: Drei neue Kohlekraftwerke sollen ein altes Atomkraftwerk in Brunsbüttel ersetzen. Ja sind die denn verrückt in Schleswig Holstein? Man kann gegen die Atomkraft ja sagen was man will. Klimaschädlich ist sie allenfalls marginal. Herr Buder, die SPD will den Atomausstieg - nur um dadurch die Klimakatastrophe zu produzieren?

Protestler

„Die Welt ist verrückt“, sagt Pastor Thomas Schaack, Umweltbeauftragter der Nordelbischen Landeskirche. „Wir wissen im Kopf, dass wir eine Energiewende brauchen, handeln aber mit der Unterschriftenhand ganz anders“. Diesmal klatschen 200 Hände, mindestens. „Neue Kohlekraftwerke vernichten Arbeitsplätze“, sagt Arne Firjahn, Kopf der Bürgerinitiative für Gesundheitsschutz und Klimaschutz Unterelbe. Das hänge mit den Schadstoffemissionen zusammen: Werden die Kohlekraftwerke gebaut, emittieren die so viel, dass andere Industriebetriebe ihre Leistung – also ihren Schadstoffeintrag – mindern müssten.

Oh ja, Detlef Buder, ein mit Falten gezeichneter hat es schwer an diesem Nachmittag. „Ich weiß ja, dass sie mich hier nicht mögen werden, aber in der realen Politik stellt sich eben manches anders dar, als in den Wünschen des realen Lebens“.

Grummeln im Publikum, Murren gar, einer schreit: „Sozialfaschist!“. Das ist wie Adrenalin für Detlef Buder: „Mit ihnen nehm ichs gern auf“, ruft der 62-Jährige ins Publikum und wirkt plötzlich elektriziert. Aber da geht’s ja auch nicht um Kohlekraftwerke. Da geht es um ursozialdemokratische Reflexe.

Dann erteilt Moderator Christoph Bautz dem Publikum das Wort. Buder wird von einer Hasswelle überspült. „Ihr Heuchler!“, „Ihr Lügner“ und eben: „Sozialfaschist“ - nein, Detlef Buder hat keinen leichten Nachmittag an diesem Nachmittag. „Uns Sozialdemokraten braucht in Schleswig Holstein doch niemand etwas von der Energiewende zu erzählen“, wehrt sich Buder. 40 Prozent Windstrom im Netz - „welches Bundesland kann das schon vorweisen?“

Eben, Detlef Buder: Die SPD ist Spitze! Erstens wegen dem Atomausstieg! Zweitens wegen ihrer Energiepolitik in Schleswig-Holstein! Warum dann aber jetzt eine Rolle rückwärts? Drei neue Kohlekraftwerke in Brunsbüttel - und schon wär die schöne 40 Prozent-Marke nur noch 33 Punkte wert. Das kann Brandenburg inzwischen auch.

Immerhin: Detlef Buder war der einzige Befürworter der Kohlekraftwerke, der sich in Brunsbüttel mit dem Kohlesaurus auf ein Kräftemessen einließ. Der Mann von der CDU hatte am Tag zuvor abgesagt.

Protestler

Presseberichte zur Aktion:

die tageszeitung


Hanau, 14. Oktober 2008

Autor: Christoph Bautz

Märchenstunde bei den Gebrüdern Grimm

Einträchtig wachten die Gebrüder Grimm als Statue über unseren Tourstopp auf dem Marktplatz in Hanau. Kontovers ging es dagegen zu ihren Füßen bei unserer heutigen Diskussionsrunde zu. Schließlich hatte sich erstmals mit E.on-Projektleiter Jens-Uwe Freitag ein Konzernvertreter zu uns getraut. Der Konzern sucht offenbar den Dialog mit der Bevölkerung, um für sein Vorhaben zu werben, ein 1.100 Megawatt-Kraftwerk in Staudinger bei Hanau zu errichten. Schließlich hat Konzernchef Bernotat auf der Hauptversammlung im letzten Mai überraschend die Devise ausgegeben, das Kraftwerk nicht gegen den Willen von Bevölkerung und Politik durchzudrücken.

Protestler

Nach der heutigen Veranstaltung ist festzuhalten: Da bleibt für E.on noch viel zu tun! Mit Argumenten konnte Freitag heute kaum punkten. Nur mit Kohle sei die Stromversorgung in Hessen sicher und würde der Strom billig, verkündete Freitag. Begründen konnte er dies nicht. Stattdessen übte er sich im Grimms Märchenerzählen, dass das Kraftwerk zu einer Verringerung der Emissionen in der Region führen würde. Das stimmt zwar relativ pro Kilowattstunde, absolut aber steigt der Ausstoß an CO2 und Umweltgiften verglichen mit den bisherigen Kraftwerkspark massiv an, wie Winfried Schwab-Posselt von der Bürgerinitiative „Stoppt Staudinger“ erläuterte.

Protestler

Zumindest die Politik will E.on-Vertreter Freitag (im Bild links) aber in Hessen für seine Pläne gewinnen. Doch die Vertreter einer möglichen neuen Regierung Ysilanti winkten einhellig ab. Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen versprach, mit dem Regierungsantritt in einem Raumordnungsverfahren den Bau des Kraftwerks zu verhindern. Reiner Bausonville, Vorsitzender der Grünen im Kreistag, versicherte, eine realistische Energipolitik müsse auf neue Kohlekraft gänzlich verzichten. Und auch Janine Wissler, Vizevorsitzende der Linksfraktion im Landtag versprach, dass die hessische Linkspartei klar gegen Kohlekraft stehe – auch wenn Parteichef Lafontaine Kohle unlängst als „wichtigste Energieform“ gepriesen hat.

Protestler

Mit dem möglichen Wechsel zu Rot-Grün könnte das Kraftwerk Staudinger also kippen. Dann werden die Brüder Grimm hoffentlich bald nicht mehr einem so langweiligen Märchenerzähler lauschen müssen.

Protestler

Protestler


Mainz, 13. Oktober 2008

Autor: Ole Hilbrich

Mainzer und Wiesbadener Demokratie im Nebel

6. Tourstopp am 7. Tourtag: Die Erholungspause für das Campact-Tourteam und den Kohlosaurus am gestrigen Sonntag erscheint wie die Ruhe vor dem Sturm. Denn das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue, das heute auf dem Mainzer Gutenbergplatz zur Diskussion stand, beschäftigt neben den MainzerInnen auch die WiesbadenerInnen auf der anderen Seite des Rheins. Die gemeinsamen Stadtwerke KMW wollen ein seit 2001 produzierendes emissionsärmeres Gaskraftwerk mit einem Steinkohlekraftwerk ersetzen und wirbeln damit die politische Landschaft in gleich zwei Landeshauptstädten kräftig durcheinander.

Protestler

Der Mainzer Gutenbergplatz auf dem wir heute Infostand, Plakate und Kohlosaurus unter tatkräftiger Hilfe zahlreicher HelferInnen entladen, liegt zwischen Theater und Dom und bietet somit gleich auf zwei Seiten eine schöne Kulisse für Fotos mit dem mittlerweile zum Medienstar gewandelten CO2-Urzeittier. Bevor jedoch pünktlich zur Aktion die Sonne hervorbricht, müssen wir uns gleich zweimal durch dichten Nebel quälen. Zunächst morgens auf der Fahrt über den Rhein, dann durch symbolischen, der die komplizierte lokalpolitische Konstellation für Außenstehende undurchsichtig macht: Während der Diskussionsrunde finden sich VertreterInnen sowohl von CDU, SPD und Grünen unter den KraftwerksgegnerInnen! Verkehrte Welt?! Wer will dann das Kraftwerk bauen?

Protestler

Campact-Moderator Christoph Bautz spricht mit Jörg Jordan, Ex-SPD-Minister in Hessen und Führungsfigur in der Wiesbadener SPD (im Bild links) und Prof. Dr. Michael Pietsch, Arzt und CDU-Lokalpolitiker in Mainz (im Bild rechts) und hört von beiden entschiedene Argumente gegen den Kraftwerksbau: Jordan geißelt die Oberbürgermeister den beiden Städte als „Kohle-Beutel“ und „Kohle-Müller“ und zitiert Gesprächspartner im Umweltministerium, die die KMW-Kraftwerkspläne „pervers“ nennen. Sein CDU-Kollege pflichtet ihm in Verpflichtung der Merkelschen Klimaschutzziele bei und steuert seine Sorgen als Arzt bei. Er zitiert eine Studie, der zu Folge während der Betriebsdauer des Kraftwerks mit zusätzlichen 40-70 Krebstoten in der Region zu rechnen sei, die Opfer der erhöhten Feinstaubbelastung werden.

Christof van den Bruck

Lösung des Rätsels, das besonders den wortgewandten Vertreter der Bürgerinitiative „Kohlefreies Mainz“ Christof van den Bruck (im Bild im SWR-Interview) und die Grüne Tabea Rößner empört: In beiden Städten gibt es Mehrheiten gegen das Kraftwerk, die sogar zu Stadtratsbeschlüssen gegen das Kraftwerk geführt haben. Die Oberbürgermeister Beutel (Mainz/SPD) und Müller (CDU/Wiesbaden) stehen als Kraftwerksbefürworter mehr oder weniger allein dar. Als Aufsichtsratsmitglieder der KMW fühlen sie sich dem Unternehmen verpflichtet. Doch die BürgerInnen, die sich während der Diskussion empört zu Wort melden, fragen sich welches Demokratieverständnis sie dabei zu Grunde legen.

So wird denn in Mainz die Hoffnung, dass wir auf unserer Tour die Anfänge einer erstarkenden Anti-Kohle-Bewegung besuchen, besonders deutlich: Unter den AktionsteilnehmerInnen finden sich die AnhängerInnen unterschiedlicher Gruppen von attac, über ParteienvertreterInnen bis zum besorgten Ärztebündnis. Eine kritische Passantin belächelt die UmweltschützerInnen, die jetzt nicht mehr „nur gegen Atom-, sondern auch gegen Kohlekraftwerke“ seien. Doch das schönste Zeichen für hoffentlich erfolgreichen Widerstand steigt in der schwarzen Ballonwolke aus dem Kohlosaurus auf. Unbemerkt haben sie zwei grüne Ballons dorthinein verirrt.

Protestler

Presseberichte zur Aktion:

Rhein Main Presse

www.die-topnews.de

yahoo nachrichten


Köln, 11. Oktober 2008

Autorin: Sarah Messina

Im Schatten des Kölner Doms

Gegen den Kölner Dom anzukommen ist gar nicht einfach. Der steht nun einmal ziemlich gewaltig, unübersehbar und auch etwas bedrohlich auf der Domplatte - und auch wenn er täglich Menschenmassen anzieht: die meisten wollen eben zum Dom und nicht zum Kohlosaurus. Der große Platz und die "Durchreiseatmosphäre" sind auch ungewohnt: Wohin mit dem Dino bei all diesem Raum, wo Infotische aufbauen und Bühne? Am frühen Morgen stehen wir noch im Schatten des Kölner Doms, es ist windig und beim Befüllen der "Kohlendioxid-Ballons" werden die Hände schnell eisig kalt.

Protestler

Aber die Sonne steigt und bringt mit den ersten Busladungen von Touristen nicht nur Kleinkünstler auf die Domplatte, sondern auch Neugier auf den Kohlosaurier. Viele emsige Helfer sind schon seit Stunden dabei, verteilen Flyer und machen Passanten auf die Aktion aufmerksam. Am späten Vormittag liegt die Domplatte in vollem Sonnenschein. Menschentrauben haben sich um den Kohlosaurus gebildet und Bürgerinitiativen aus Köln und dem Umland zeigen Präsenz - während der Kölner Umweltschützer und Liedermacher "Klaus, der Geiger" mit einem recht offenen Ständchen zu Kapitalismus und Kohlepolitik auf das Thema einstimmt.

Klaus

Die Debatten waren bis jetzt immer ein Höhepunkt und ebenso spannend wie aufgeladen: Heute diskutieren Helmut Spahn vom Aktionsbündnis Strommelner Bürger und Dirk Jansen vom BUND in Nordrhein-Westfalen mit dem NRW-Vize-Vorsitzenden der SPD Jochen Ott über den geplanten Bau neuer Kohlekraftwerke: RWE will nicht nur das Braunkohlekraftwerk in Niederaußem um zwei Blöcke erweitern, sondern auch ein neues Braunkohlekraftwerk in Hürth bauen.

Von Köln aus soll eine 500 Kilometer lange Pipeline das abgezapfte Treibhausgas bis nach Nordfriesland transportieren, um es dort "endzulagern". Jedenfalls will RWE sich daran versuchen. Der Wunschtraum vom rentablen und "kohlendioxidfreien" Kohlekraftwerk wird aber auch in Köln mit realistischer Skepsis quittiert. Viele BürgerInnen mischen sich in die Diskussion ein, als Ott neue Kohlekraftwerke als "Brückentechnologie" für den kurzfristigen Zeitraum von etwa 10 Jahren verkaufen will. Mittelfristig sei man sich ja einig, in Sachen Klimaschutz und erneuerbare Energien. Neue Kohlekraftwerke laufen aber 40 bis 50 Jahre - und Milliardeninvestitionen werden nicht einfach nach ein paar Jahren abgeschaltet! Klaus, dem Geiger, platzt schier der Kragen: Es wird zwischendurch wieder ungemütlich auf der Domplatte.

Diskussion

Im Laufe der Diskussion hat sich eine ansehnliche Menschenmenge eingefunden. Der Kohlosaurier wirkt nicht mehr ganz so klein vor dem riesigen Kölner Dom: endlich kann er sich einmal richtig entfalten und alle seine Glieder ausstrecken. Fünf Meter ist er hoch, aber auch seine "Spannweite" vom ausgestrecktem Kopf bis zur Schwanzspitze ist mehr als beachtlich. Noch lange nachdem die Ballons in die Luft gegangen sind, hält sich die Menge um unseren Kohlosaurus. In kleinen Gruppen wird weiter diskutiert und Geiger Klaus kanalisiert seinen Wutausbruch wieder in Musik: Pointierte Texte sorgen für ein bewegtes Ausklingen der Aktion.

Ein nahezu idealer Tag für den Kohlosaurier auf der Kölner Domplatte. Es ist offenbar durchaus möglich, mit ein bisschen Rückendeckung aus dem Schatten der Großen herauszutreten. Dafür muss man kein Kohlosaurier sein. Aber es hilft.

Dino

Pressebericht zur Aktion:

Kölner Stadtanzeiger


Krefeld, 10. Oktober 2008

Autorin: Sarah Messina

Kopfschmerzen in Krefeld

Mitten auf dem Neumarkt war heute einiges los um den Kohlosaurus. Viele Krefelder waren zunächst irrtiert über das prähistorische Tier in ihrer Innenstadt. Beim Einkaufsbummel ließen sich die meisten aber gerne stören. Neugierig macht der Kohlosaurier nämlich allemal, auch während sein Bauch noch mit Kohlendioxid-Ballons gefüllt wird.

Toll, dass sich vor Ort immer zahlreiche Helfer und Unterstützer finden, die spontan anpacken beim Ballons aufpumpen oder Unterschriften sammeln. Oder gut gelaunt einfach Präsenz zeigen für Zukunft statt Kohle. Greenpeace baut einen Stand auf, die Krefelder Bürgerinitiative Saubere Luft illustriert ihr Anliegen mit viel Informationsmaterial und einem Sarg für den Umweltschutz, Kaffe und Kuchen aus dem Bioladen werden feilgeboten und auch die Bürgerinitiativen aus Lünen reisen an, um sich hinter die Krefelder "Nachbarn" zu stellen.

Diskussion

Kopfschmerzen verursacht in Krefeld allerdings Jürgen Hengst, Fraktionsvize der SPD im Rat Krefeld (links im Bild). "Wer das neue Kohlekraftwerk verhindert schadet dem Klima" sagt der gute Mann nonchalant mal so dahin, spricht vom hohen Wirkungsgrad und Versorgungsabhängigkeit nach Osteuropa- und lässt es sich mit dem Mikro in der Hand an dieser Stelle auch nicht nehmen, den Grünen über das kürzlich genehmigte Kohlekraftwerk im Hamburger Stadtteil Moorburg einen Seitenhieb zu versetzen. Dafür kassiert er Buh-Rufe aus dem Publikum, aber "dass dumme Bemerkungen kommen war ja klar". Eine deutliche genervte Stefanie Mälzer von den Krefelder Grünen, Ulrich Grubert vom niederrheinischen Umweltverein und Nabu-NRW-Vorsitzender Josef Tumbrinck (rechts auf dem Foto) haben in Sachen "zentralistisch, ineffizient und fossil" versus "flexibel, dezentral und erneuerbar" aber zum Glück auch ein Wörtchen mitzureden.

Aktion

Die Debatte anheizen - das ist einer der Gründe, warum wir mit dem Kohlosaurus unterwegs sind. Dass dabei verbal die Fetzen fliegen ist gar nicht übel - und aktiviert auch den Teil des Publikums, der eher zufällig zum Kohlosaurier findet. Wortmeldungen gibt es an diesem Nachmittag ebenso viele wie Meinungen. Meistens auch kühlen Kopfes formuliert.

Kopfschmerzen kann sich in Krefeld jedenfalls gerade niemand leisten. Eine Milliarde Euro wollen der Stadtwerkebund Trianel und die in Krefeld ansässige Chemiefirma Bayer in die neue Steinkohleschleuder stecken - und mit 750 Megawatt Leistung weit über den Bedarf der Umgebung hinweg Energie produzieren. Macht 4,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich zusätzlich auf dem Treibhausgaskonto. Dagegen hilft auch keine Kopfschmerztablette.

Ballons


Düsseldorf, 9. Oktober 2008

Autorin: Sarah Messina

Großer Medienrummel vor dem Landtag

Es fühlt sich schon reichlich absurd an, innerhalb des "Bannkreises", den die Polizei extra für den Kohlosaurier vor dem Düsseldorfer Landtag errichtet hat. So ein paar Linien mit Absperrband sind ja schnell gezogen, damit auch bloß alles seine Ordnung hat und jeder auf seiner Seite bleibt. Hinter dem Landtag fließt der Rhein und ganz in der Nähe soll im DÜsseldorfer Hafen ein neues 400 Megawatt Steinkohlekraftwerk gebaut werden. Mehrheitseigner an den Düsseldorfer Stadtwerken ist EnBW: der Genehmigungsantrag für die Dreckschleuder hat der Stromversorger erst kürzlich gestellt. "Ein Kohlekraftwerk quasi mitten in der Stadt" - Düsseldorfer Unterstützer schütteln missbilligend den Kopf und bewaffnen sich mit Zukunft statt Kohle-Schildern.

Dino

Im Abseits protestierte die Kohlosaurus-Truppe aber trotz Bannkreis auch heute nicht: Tatkräftige Unterstützung gab es neben den Aktionsbündnis "Astr(h)ein" auch von BUND, NABU, den Grünen, Greenpeace, die Linke und dem Düsseldorfer Bürgersolarverein. "Düsseldorf braucht das neue Kohlekraftwerk nicht", sagt "Astr(h)einer" Dirk Jansen in der Diskussionsrunde. EnBW hat es selbst zugegeben: Mit dem Kraftwerk will der Stromversorger vor allem seine Duftmarke in Nordrhein-Westfalen setzen und das Territorium gegenüber RWE und E.on vergrößern. Reine Pose also.

Die Pose war ohnehin DAS Thema heute in Düsseldorf. Nach einem ersten Tourstopp in Mannheim mit großartigem Zulauf war der Termin heute vor allem für die Presse gedacht: Und die rückte zahlreich an; Spiralblock, Mikrofon und Kamera im Gepäck. WDR, Sat 1, Pro 7, Reuters, Center-TV, etliche Agenturfotografen sowie Journalisten von Lokal- und Landeszeitungen sind vor Ort.

Dino

Der Kohlosaurier wird ins rechte Licht gerückt und auf Kommando gehen wieder hunderte "Kohlendioxid-Ballons" in die Luft. Alle Kameras sind nach oben gerichtet, noch ein Schnappschuss hier, ein Interview da, dann legt sich der Trubel wieder - und hoffentlich nicht, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

"Für die Landesregierung hat in Sachen Klimaschutz die Erneuerung des Kohlekraftwerksparks Vorrang" wird das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie NRW später verlauten lassen. Komisch, aber gerade "in Sachen Klimaschutz" sind 2,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ZUSÄTZLICH recht schwer zu schlucken. Und hier ist nur vom geplanten Kohlekraftwerk in Düsseldorf die Rede - insgesamt sind in Nordrhein-Westfalen gleich elf neue Kohlekraftwerke in Planung.

Auf der Wiese vor dem Landtag liegt am Ende der Kohlosaurus-Aktion in Düsseldorf nur noch eine recht verlassen wirkende aufblasbare Weltkugel. "Schau mal, da hat jemand seine Welt vergessen". Allgemeines Stirnrunzeln und Blick auf das Landtagsgebäude. Irgendwie treffend.

Dino

Pressebericht zur Aktion:

RP online


Mannheim, 8. Oktober 2008

Autor: Christoph Bautz

Kontroverse Debatte in Mannheim

Dino

Heiß ging es her bei unserem ersten Tourstopp auf dem Marktplatz in Mannheim: Der umweltpolitische Sprecher der SPD Ralf Eisenhauer war gekommen, um die Unterstützung des Stadtrats für den Bau des geplanten Kohlekraftwerks zu verteidigen. Ihm gegenüber standen weit über 200 aufgebrachte Bürger/innen, die sich von der Kommunalpolitik übergangen fühlten.

Kein Wunder: Über 16.000 Unterschriften sammelten diesen Sommer Bürger/innen innerhalb von nur vier Wochen gegen die Neubaupläne von EnBW und RWE, die sich in der Bürgerinitiative „Nein zu Block 9“ zusammengeschlossen haben. Sie forderten den Stadtrat auf, einen qualifizierten Bebauungsplan zu erstellen und damit das gesamte Vorhaben auf den Prüfstand zu stellen.

Dino

Doch der Stadtrat fühlte sich nicht mal bemüßigt, auch nur über die Forderung zu diskutieren, wie BI-Sprecher Gerhard Fontagnier kritisierte. Genauso wenig, wie eine grundlegende energiepolitische Diskussion vor einer Entscheidung für das Kraftwerk zu führen, wie Wolfgang Raufelder, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Mannheim bemängelte.

Eisenhauer indes bestand darauf, dass der Stadtrat sich mit Mehrheit für das Kraftwerk ausgesprochen habe und damit als fein demokratisch vonstatten gegangen sei. Das Kraftwerk sei eine Innovation, schließlich könne es mit einem Wirkungsgrad von 48 Prozent effizienter als bisherige Kraftwerke Strom erzeugen und zudem Heizenergie mit Kraft-Wärme-Kopplung bereitstellen. Einziger Hacken, den Eisenhauer unerwähnt ließ: Schon die bisherigen Großkraftwerke stellen mehr Heizwärme als in der Umgebung benötigt bereit. Für die zusätzliche Wärme gibt es gar keine Verwendung.

Dino

Somit bleibt ein Wirkungsgrad von unter 50 Prozent – und das Kohlekraft eben doch eine ineffiziente Dinosaurier-Technologie. Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) brachte es so auf den Punkt: „Jeden Tag werden zwei Schiffe mit Kohle den Rhein für das Kraftwerk hochfahren – eines um mit der Kohle Strom zu erzeugen und eines um mit ihr den Rhein aufzuheizen!“

Dino

Die Bürger in Mannheim lassen sich indes von der Ignoranz der Stadtoberen nicht entmutigen. Bis kommenden Samstag sammeln sie weiter massenhaft Einwendungen zum jetzt anstehenden Genehmigungsverfahren für den „Block9“. (Mehr im Interview mit BI-Sprecherin Ursel Risch)

Nach der Diskussion hatte dann unser Kohlosaurus seinen großen Auftritt. Seine gefährlichen „CO2-Ballons“ konnte er in Mannheim allerdings nur in kleinen „Happen“ entlassen – einen Massenstart hatte die Flugsicherung untersagt. Die Medienvertreter waren trotzdem begeistert von dem ungewöhnlichen Bild. Die größte Tageszeitung, der „Mannheimer Morgen“ hatte schon heute ein Bild des Kohlosaurus von seinem Auftritt in Berlin veröffentlicht. Die Mannheimer sollten wissen, was auf sie zukommt – heute auf dem Marktplatz, aber hoffentlich zukünftig nicht als Kraftwerk.

Dino

Presseberichte zur Aktion:

morgenweb.de

Wormser Zeitung


Berlin, 7. Oktober 2008

Autorin: Sarah Messina

Tourstart des "Kohlosaurus" vor dem Berliner Kanzleramt

Dino

Der "Kohlosaurus" lebt! Das fünf Meter hohe "Drecksvieh" hat heute zum ersten Mal massenhaft Kohlendioxid emittiert – direkt vor dem Kanzleramt und natürlich nur symbolisch. Ganz real stoßen deutsche Kohlekraftwerke aber Jahr für Jahr Unmengen von Kohlendioxid aus. Und damit nicht genug: Der Neubau von mehr als 30 Kohlekraftwerken ist geplant. Auch und gerade weil Kohlekraft noch längst nicht passé ist müssen WIR die Dinosaurier-Technologie ausbremsen, wo es nur geht. Mit Bürgerstimmen und Bürgergesichtern, Protesten und Aktionen an genau den Orten, wo Entscheidungen anstehen zu neuen Kohlekraftwerken.

Am Kanzleramt schien dessen ungeachtet natürlich die Sonne: Im Schönwettermachen für Kohlekraft ist die Bundesregierung nämlich ganz groß. Vor den Toren des Gebäudes spekulierten Helfer von Campact und Klima-Allianz darüber, ob das Büro von Bundskanzlerin Angela Merkel wohl mit einem Bewegungsmelder ausgestattet ist: Tritt die Kanzlerin ans Fenster, verziehen sich nicht nur sämtliche (Kohlendioxid-) Wolken, auch die Wasserfontänen auf dem Vorplatz sprudeln und künden von sorglosen Zeiten in Sachen Klimaschutz...

Aktion

Der Kohlosaurus ist da aber ganz anderer Meinung: Mehr als 20.000 schwarze "Kohlendioxid-Ballons" wird er im Laufe der Tour auf Deutschland loslassen – jeder Ballon steht für eine Bürgerstimme gegen Kohlekraft. Etwa 2.000 Ballons hat der Kohlosaurier heute über das Kanzleramt gespuckt – und die schöne Aussicht wenigstens zeitweise gestört.

Hinter dem Kohlosaurus stehen aber nicht nur mehr als 20.700 Stimmen, die den Online-Appell gegen Kohlekraft bereits unterzeichnet haben, sondern vor allem eins: viele helfend Hände. Etwa vier Stunden vor der eigentlichen Aktion beginnt der Aufbau. Der Kohlosaurus entfaltet sich und nimmt Gestalt an, im Akkord wird Ballon für Ballon gefüllt um den hungrige Kohlosaurier-Schlot zu stopfen. Ab und an entweicht dem Kohlosaurusmaul zwischendurch schon ein Kohlendioxid-Rülps (pardon – aber Kohlekraft ist nun einmal schwere Kost) während sich die Presse von den Experten vor Ort über die Aktion informiert und auf gute Bilder hofft.

Signalrote Campact-Tshirts, Transparente der verschiedener Umweltorganisationen und Bündnisse, Schilder mit dem Aktionsslogan "Zukunft statt Kohle": Aber bitte nicht zu viele, wenn es nach den Bilderjägern geht. Kamerateams sind anscheinend nicht sonderlich angetan von allzuviel Flagge zeigen beim Fototermin. Dabei kann man es gar nicht oft genug sagen und zeigen: Dinosaurier-Technologie gehört verboten!

Ballons

Berlin war heute nur der Anfang. In den nächsten zwei Wochen steuern wir mit dem Kohlosaurier die Städte Mannheim, Düsseldorf, Krefeld, Köln, Mainz, Hanau, Brunsbüttel, Stade, Dörpen und Schwerin an, um vor Ort mit Bürgerinitiativen und Klimaschützern gegen Kohlekraft zu protestieren, uns bemerkbar zu machen und Menschen zusammenzubringen, die der Kohlepolitik der Großen Konzerne nicht klein beigeben wollen.

Mittlerweile ist der Kohlosaurus wieder sicher verpackt und verstaut. Sein erster Auftritt war durchaus sehenswert, die Vorbereitungen und die wochenlange Arbeit am Kohle-Ungetüm haben sich also gelohnt. Morgen wird der Kohlosaurus Mannheim heimsuchen. Und brüllen!

Ballons

Pressebericht zur Aktion:

Tagesspiegel


Stuttgart/Verden, 2. Oktober 2008

Autor: Christoph Bautz

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Dino

Die Vorbereitung zur Tour laufen auf Hochtouren. Im Verdener Büro koordiniert unser Kohletour-Team - bestehend aus Björn, Almut, Tilmann, Roman und Ferdinand - die einzelnen Aktionen vor Ort. An allen Standorten bereiten Bürgerinitiativen die Aktion während unserem Tourstopp bei ihnen vor Ort vor: Hängen Plakate auf, verteilen Flugblätter, bereiten Infostände und kreative Aktionen vor.

Dino

Am Kohlosaurus nimmt unser Puppenbauer Tobias Husemann in Stuttgart gerade noch den letzten Feinschliff vor. Noch fehlt die Farbe und auch an der Tragekonstrukition muss noch nachgebessert werden. Morgen soll ein erster Probeaufbau unter freiem Himmel stattfinden. Am Montag wird der Kohlosaurus dann nach Berlin transportiert, wo er am Dienstag - gefüllt mit über Tausend CO2-Ballons - Angela Merkel am Kanzleramt einen Besuch abstatten wird.

Dino

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